Es ist nie zu spät, um neu anzufangen und wenn man meint, es geht gar nicht mehr, dann kommt irgendwo ein Lichtlein her. Und damit ist die Story von Das Lächeln der Sterne bereits aufs wesentliche subsumiert und man könnte sich getrost die 97 Minuten Schmalzattacke sparen. Aber man will uns glauben machen, es gäbe mehr: Richard Gere als gefallener pseudoheiliger Arzt auf der Reise zur Vergebung und Diane Lane als überforderte, beinahe geschiedene Mutter auf der Suche nach einem neuen Glück. Den Amis ist auch kein Drehbuch zu peinlich.
Paul (Richard Gere) ist ein Arzt in schwerer Lebenskrise: während einer (Routine-)Operation ist ihm eine Patientin unter den Händen weggestorben. Seine Ehe ist danach an seinen Vorwürfen und Selbstzweifeln gescheitert. Nicht, dass es um diese vorher gut bestellt gewesen wäre. Er war schließlich ein besessener Arzt, der seinem Beruf alles unterordnete, auch die Familie. Mit seinem Sohn hat er sich anschließend ebenfalls ordentlich verkracht. Dieser ist natürlich auch Arzt und war im selben Krankenhaus, wie sein Vater tätig. Paul reist nach Rodanthe um Robert (Scott Glenn) zu treffen, den Mann der verstorbenen Patientin. Robert hat ihm einen Brief geschrieben, er möchte verstehen, wie das alles passieren konnte. Danach möchte er gleich zu seinem Sohn weiter, um sich mit diesem zu versöhnen.
Wildromantisch ragt die kleine Pension in Rodanthe, einem verschlafenen Südstaatenkaff in North Carolina, an einem einsamen Strand in die Höhe. Ein wenig wie eine Mischung aus einem verträumten Spukschlösschen und der Villa Kunterbunt anmutend. Paul ist der einzige Gast in der Pension, die er sich für seinen kurzen Aufenthalt ausgesucht hat. Diese wird vertretungsweise von Adrienne (Diane Lane) geleitet. Sie steckt auch inmitten einer Krise: ihr Mann hat sie betrogen und vor sieben Monaten verlassen. Nun plötzlich besinnt er sich eines besseren, will zurück, schwört ihr, dass er sie noch liebt. Die gemeinsamen Kinder (ein Junge, der bei einem Americas-Next-Harry-Potter Wettbewerb gute Chancen hätte und ein pubertierendes, zickiges, Anarcho-Punk-Mädchen) würden die Eltern sehr gerne wieder zusammen sehen - ganz besonders die Tochter. Das setzt Adrienne massiv unter Druck. Eigentlich aber sieht sie die Ehe als gescheitert an, was die Tochter noch anarchischer und zickiger macht.
Im Augenblick verbringen die Kinder ihre Ferien beim Vater. So hat Adrienne Zeit sich Gedanken zu machen und den einzigen Gast zu umsorgen. Paul seinerseits leidet seelisch sehr und hat nichts gegen etwas Gesellschaft einzuwenden - vor allem nicht, wenn es sich um eine aparte Erscheinung wie Adrienne handelt. Die beiden Kummerliesen kommen sich näher und während eines furchtbaren Sturms verhakeln sie sich ineinander. Und es hätte alles so schön enden können, insbesondere nachdem sich Paul mit Robert ausgesprochen hat, wenn da nicht noch das kaputte Verhältnis zum Sohn wäre. Der arbeitet inzwischen in Südamerika. Paul muss seine neue Liebe also vorerst wieder verlassen.
Zum dritten Mal stehen Richard Gere und Diane Lane gemeinsam vor der Kamera: Nach Cotton Club (1984) und Untreu (2002) beglücken sie diesmal vor allem die schmachtvollen Sehnsüchte eines überwiegend weiblichen Publikums weit jenseits der Vierziger. Nichts gegen Romantik und nichts gegen die wunderschönen stimmungsvollen Bilder im Film: man möchte gleich ein Ticket lösen und dorthin in den Urlaub fliegen. Das Südstaaten-Lokalkolorit wärmt einem das Herz und die wilde, ungezähmte Kraft der Atlantikküste hüllt ein und spült ein wenig die Melancholie weg. Davon scheint es reichlich in der Zielgruppe des Streifens zu geben. Dass es viele Menschen gibt, die sich noch einmal eine Portion Glück wünschen, ist durchaus legitim. Aber so platt, eindimensional und substanzlos damit zu spielen, dafür müssten sich die Macher eigentlich schämen. Der Plot ist so platt, wie ein Groschen-Arztroman. Und dabei ist die Geschichte der weiblichen Protagonistin noch am glaubwürdigsten, während Geres Figur nicht mal soviel Tiefgang wie eine der Nebenrollen in der Schwarzwaldklinik besitzt.
Sollte hier auch nur ansatzweise der Nimbus der "Götter in Weiß" in Frage gestellt werden? Nicht wirklich - es gefiel nur als Motiv - sollte etwas wie Anspruch dem seichten schmalzigen Gesuppe hinzufügen. Der einzige Lichtblick dabei, der kurze Auftritt Scott Glenns. Die Geschichte seiner Figur, eines Mannes der nach 43 Jahren plötzlich den Menschen verliert, den er mehr als alles andere geliebt hat, wäre der Erzählung weitaus lohnender gewesen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, reicht das gerade zum Minineben-Plot. Vielleicht liegt es an der Romanvorlage aus der Feder von Nicholas Sparks, dem man auch Message in a Bottle - Der Beginn einer großen Liebe verdankt. Doch wenn dem wirklich so ist, dann schade um die Mühe daraus ein Drehbuch zu machen und anschließend noch diesen Film.
Die Hollywood-Filmemacher scheinen schmalztechnisch wirklich schmerzfrei und sich keines Scripts wegen bereit zu schämen. Was hierzulande gerade mal für drei Folgen einer beliebigen Soap, wie "Rosa Tulpen", "Verlorene Triebe", "Birkenallee" oder wie immer sie auch heißen mögen, gereicht hätte, wird in Übersee gleich fürs Zelluloidtheater zurechtgemacht. Dass man zwei Darsteller für die Hauptrollen gewinnt, die immer noch über eine große Anziehungskraft verfügen und durchaus ihr Klientel mobilisieren können, ist natürlich sehr hilfreich. Aber man kann sich auf den Kopf stellen, der Streifen wird vermutlich an den Kassen funktionieren, auch wenn man ihn selber so notwendig erachtet, wie Lebkuchen zu Ostern.