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Der Mann, der niemals lebte

(Body of Lies, 2008)

Dt.Start: 20. November 2008
DVD: 20. März 2009
Premiere: 10. Oktober 2008 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Action, Thriller
Länge: 128 min Land: USA
Darsteller: Russell Crowe (Ed Hoffman), Leonardo DiCaprio (Roger Ferris), Mark Strong (Hani), Golshifte Farahani (Aisha), Oscar Isaac (Bassam), Ali Suliman (Omar Sadiki), Alon Aboutboul (Al-Saleem), Vince Colosimo (Skip), Simon McBurney (Garland), Mehdi Nebbou (Nizar), Michael Gaston (Holiday), Kais Nashif (Mustafa Karami), Jamil Khoury (Marwan)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: William Monahan


Inhalt

CIA Veteran Ed Hoffman ist einem Terroristen auf der Spur, der eine Reihe von Bombenattentaten plant. Doch was tun, wenn man den Feind nicht infiltrieren kann? Ganz einfach, man muss ihn aus seinem Versteck locken. Zu diesem Zweck setzt Hoffman seine Geheimwaffe Roger Ferris ein. Doch je näher dieser seinem Zielobjekt kommt, umso mehr lernt er über das oft entscheidende Wörtchen "Vertrauen".
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Der Mann, der niemals lebte hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 55%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Der Mann, der niemals lebte hat eine Wertung von 55%
Die Amerikaner sind die Guten, das Böse kommt aus der islamischen Welt. So simpel und eindimensional, wie die Dinge scheinen, sind sie aber nicht ganz: Top-Agent Ferris versteht die Moslemische Seele besser als viele andere und spricht perfekt Arabisch. Das prädestiniert ihn als Under-Cover-Ermittler Jagd auf den neuen Bin Laden des Nahen Ostens zu machen. In einer Welt der Intrigen und des allgegenwärtigen gegenseitigen Misstrauens glaubt er die Fäden zu ziehen, die wahren Marionettenspieler agieren aber aus dem Verborgenen. Atmosphärisch ansprechend mit unterschwelliger Kritik, aber keine Erleuchtung.

Bild aus Der Mann, der niemals lebte Ein Menschenleben ist in der Welt, in der sich der beste Mann des US-Geheimdienstes Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) im Nahen Osten bewegt, oft nicht mehr Wert als die Information, die man aus diesem herausquetscht. Niemand ist unschuldig in diesem Mist, lautet eine der zentralen Botschaften und alle Wissen das. Eines macht den Geheimdiensten aktuell besonders Sorgen: Der neue geistige Führer des islamischen Terrors Al-Saleem (Alon Aboutboul) überzieht die westlichen Demokratien mit Terror. Der überaus clevere Agent Ferris, der akzentfrei Arabisch spricht und ein tiefes Verständnis für die Kultur im Nahen Osten hat, wird auf diesen angesetzt. Er scheint die perfekte Wahl, um den Feind zu infiltrieren und die Bedrohung von innen heraus zu eliminieren.

Als "Teufelchen auf der Schulter" flüstert ihm Agent Hoffmann (Russel Crowe), der Chefstratege des CIA, im Bademantel zu Hause sitzend, die neuesten Informationen und Order via Handydirektleitung ins Ohr. Er ist der Strippenzieher, der Mann, der multipolares skrupelloses Agentenschach spielt, die Geschicke lenkt und, bei seinen seltenen Auftritten außerhalb seiner Wohnung, mit seinem ungehobelten Verhalten keine Sympathiepreise erringt. Vor Ort hat Ferris allerdings die operative Leitung. Bei seinem Vorhaben, das neue "Top-Brain" des nahöstlichen Terrorismus dingfest zu machen, lässt er sich auf eine Kooperation mit dem Leiter des Jordanischen Geheimdienstes Hani (Mark Strong) ein, dem zweitmächtigsten Mann nach dem König im Staate. Eine kultivierte und elegante Erscheinung mit der Aura eines lauernden Raubtiers.

Die Ränkespielchen werden schnell immer undurchschaubarer und jede Behörde versucht die andere zu instrumentalisieren, um ihre Ziele durchzuboxen. Es geht aber auch um unsichtbare Profilierung - auch in der Welt der Schatten haben die Egos eine gewisse politische Dimension. Auch Ferris wechselt zwischen Marionettenspieler und gelenkter Figur. Vor allem als er sich in die attraktive Iranerin Aisha (Golshifteh Farani) verliebt, entgleitet ihm das Spiel. Er macht sich und die Menschen, die ihm nahe stehen, zur Zielscheibe.

In Der Mann, der niemals lebte präsentiert sich Oscarpreisträger Russel Crowe, der schon bei Gladiator sehr erfolgreich mit Ridley Scott zusammenarbeitete, in einer seiner unsympathischeren Rollen: übergewichtig und auf etwas schlampig-verlottert getrimmt, bietet er den direkten Kontrast zum armanigestylten Jordanischen Geheimdienstchef, der kongenial-angsteinflösend vom britischen Schauspieler Mark Frost verkörpert wird und zum heimlichen Star des Films avanciert. Die Gegensätze im Wesen dieser beiden Figuren symbolisieren auch die Gegensätze in den Kulturen: Im Westen lehnt man sich allzu gern zurück und stempelt die Geheimdienste der arabischen Staaten als vorsintflutliche Hinterwäldler ab, während man die hoch technisierten Methoden der "zivilisierten Welt" als Maßstab ansieht. Russel Crowes Erscheinung, irgendwo zwischen selbstgefällig-westlicher Dekadenz, fanatischem Berufethos und grundfesten Familienwerten, erzeugt ein ambivalentes Bild vom Westen, das durchaus Kritik enthält.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von David Ignatius, einem der renommiertesten politischen Journalisten der USA, der sich 25 Jahre als Auslandskorrespondent mit dem Treiben der CIA im Nahen und Mittleren Osten auseinandersetzte, entwirft Ridley Scott ein subtiles Antikonzept der gegenseitigen Manipulation der "Herren und Diener" mit einigen überraschenden Wendungen und vielen Wirrungen. Ein bisschen Spy Game - Der finale Countdown gepaart mit der Optik aus Black Hawk Down, sorgen für atmosphärische Dichte, täuschen aber nicht über einige Längen hinweg: Vor allem DiCaprio ist und bleibt nicht wirklich die Idealbesetzung für ein Agenten-Drama mit gelegentlich knallharten Actionsequenzen. Und die Liebesgeschichte, welche sich zwischen Ferris und der Iranerin Aisha entspinnt, veranschaulicht zwar seine Verbundenheit mit dieser Welt, wirkt aber zu sehr hineingebastelt, um die Handlung in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Anders als in vielen seiner anderen Filme, vor allem den älteren Klassikern wie Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt und Blade Runner, setzt Scott das Kontrastspiel aus Licht und Schatten hier viel weniger und nuancierter ein. Der Wechsel zwischen den Zonen des klaren Sehens und des dunklen Erahnens spielt sich mehr in den Köpfen ab. Und zeigt, dass Lüge und Wahrheit, Vertrauen und Misstrauen sich schnell vom einen ins andere verkehren können. Der Film greift das Thema auf, das dieses Jahrzehnt mehr als jedes andere geprägt hat: 9-11, der Krieg gegen den Terror, der Einmarsch in Afghanistan und der Alleingang der USA im Irak haben Bedrohungsszenarien geschaffen, die allgegenwärtig sind. Leider setzt diese Umsetzung nicht wirklich neue Akzente. Zwar liefert sie neue Aspekte der Arbeit der Geheimdienste, hellt aber das Gesamtbild nicht sonderlich auf und überrascht nur gelegentlich. Es fehlt etwas an Inspiration und wirkt ein bisschen zu zahm, so dass kein echtes Aha-Erlebnis entsteht.



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