Momentaufnahme des Lebens einer Familie mit einer drogensüchtigen Tochter, die wegen einer Hochzeit ein Wochenende aus der Entziehungskur freikommt. Die intrafamiliären Beziehungen werden beleuchtet, aber auch auf die Probe gestellt und schließlich relativiert. Großartiges Drama unter sozialen Gesichtspunkten, als normaler Kinobesuch aber zu langatmig, irritierend und bedrückend.
Weil ihre Schwester Rachel heiratet, darf Kym für ein Wochenende aus der Entziehungskur nach Hause. Die junge Frau kehrt in den Schoß ihrer sie grundsätzlich liebenden Familie zurück, trifft jedoch auf Vorurteile, ausgesprochene wie stille Vorwürfe und leidet zudem noch unter einem praktisch nicht vorhandenen Lebenswillen. Welten treffen aufeinander, als die nicht zu Ende therapierte Kym auf die aus ihrer Sicht kleinkarierten Hochzeitsvorbereitungen ihrer Familie trifft.
Zunächst wirkt der Film wie ein standardisiertes Werk rund um das Thema Eheschließung, ausgeführt als Drama. Die amerikanischen Feierlichkeiten mit Hochzeit im indischen Stil (in Connecticut!), Trauung zu Hause, fortwährender Lobhudeleien aller Beteiligten, aufgesetzter guter Laune und natürlich der schönsten Braut aller Zeiten werden jedoch durch die Ankunft der ehemals drogen- und alkoholsüchtigen jüngeren Tochter Kym, seit neun Monaten trocken, konterkariert.
Die junge Frau durchschaut sofort alle Oberflächlichkeiten und zwischenmenschlichen Zierrat der Familie und der Gäste, wird aber oft durch ihren eigenen Schwung über das Ziel hinausgetragen und daher nicht ernst genommen. Gerade durch ihren nicht abgeschlossenen Heilungsprozess dreht Kym sich fortwährend um sich selbst, so dass sogar an ihrem eigenen Hochzeitstag ihre Schwester Rachel nicht die Hauptrolle spielen darf.
Doch wie sich im Lauf des Films herausstellt, ist Kym keine hysterisch verrückte Drogensüchtige mit völlig verzogenem Realitätsbewusstsein, sondern sie trägt neben der Sucht noch eine weit größere Last auf ihren Schultern. Diese abzulegen, wird ihr ein Leben lang nie gegönnt sein, was ein jeder mit dem Kopf, aber nicht mit dem Herz verstehen kann.
Anne Hathaway spielt die vielschichtige Figur der drogenabhängigen, im Entzug befindlichen Kym mit beeindruckendem Mut und bewundernswerter Ernsthaftigkeit. Während man die junge schöne Frau eigentlich nur aus romantischen, leichten Komödien in begehrenswerten Rollen kennt, versucht sich die Schauspielerin hier erstmals an einer wirklich kräftezehrenden, unbequemen Figur.
Unter der Regie von Johnathan Demme erfährt Kym, aber auch ihre Familie, eine knallharte Entwicklung hin zu einem Neuanfang im Leben, quasi ein durch die Umstände auf die richtige Spur gewatscht-werden. Leider muss trotz der guten Charakterentwicklung darauf hingewiesen werden, dass die Filmhandlung oft nur sehr schleppend vorwärts geht, nicht wenige Details überflüssig scheinen und dem Film leider an Schwung rauben. Rachels Hochzeit erinnert stark an Der Architekt, wobei die dramaturgische Entwicklung eine andere ist, und dem Film natürlich auch ein völlig anderes Budget zugrunde lag. Ein anspruchsvolles Drama für Aufgeschlossene, die nicht unbedingt auf klassische Hollywood-Dramaturgie angewiesen sind. Dennoch noch immer Hollywood genug, um für das breite Publikum zu funktionieren.