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Mit W. - Ein missverstandenes Leben wagt sich Oliver Stone nicht nur an die Biographie eines Menschen, der auf der ganzen Welt starke Gefühle heraufbeschwört, sondern auch an die erste Verfilmung des Lebens eines US-Präsidenten noch während er im Amt ist. Herausgekommen ist eine eher nüchterne Darbietung, die wohl nur Amerikaner selbst oder Menschen, die sich sehr für Bush und die Amerikanische Geschichte interessieren, begeistern wird. Für alle anderen werden es langweilige zwei Stunden, die sich auch noch länger anfühlen.
Die Verfilmung einer Biografie eines US-Präsidenten ist für Oliver Stone durchaus kein Neuland, so hat er sich in Nixon und JFK - John F. Kennedy - Tatort Dallas bereits mit zwei ehemaligen Präsidenten beschäftigt. Doch sein neuester Film W. stellt dennoch eine Besonderheit dar. Da alle großen Studios den Film abgelehnt haben, musste er sich die Finanzierung mühsam hauptsächlich im Ausland, unter anderem Deutschland, zusammensuchen. Die daraus resultierende "Low Budget" Produktion wurde in nur 46 Tagen abgedreht und stellte dadurch eine besondere Herausforderung für den alten Hasen Stone dar. Doch auch die Tatsache, dass er einen Film über einen Präsidenten dreht, der zu diesem Zeitpunkt noch im Amt ist, stellt eine Neuheit dar. Außerdem geht es nicht um irgendeinen Präsidenten, sondern um denjenigen, auf den viele Menschen auf der ganzen Welt nicht gerade gut zu sprechen sind.
Wer nun allerdings einen "Anti-Bush" Film erwartet, der wird maßlos enttäuscht werden. W. - Ein missverstandenes Leben ist zwar laut Oliver Stone eine Satire, wirkt aber nicht übertrieben anklagend. Natürlich ist es kaum möglich, etwaige Anspielungen oder Übertreibungen zu erkennen, wenn man die Personen, dazu zählt nicht nur Bush selbst, sondern auch seine sämtlichen Berater und Minister, nicht genau kennt oder ihre Art einschätzen kann. Daher wirkt der Film wahrscheinlich auf einen Kenner der Amerikanischen Regierung und deren Mitglieder deutlicher und prägnanter.
Womit wir beim Hauptproblem des Films wären. Für jemanden, der Bush nur aus Ausschnitten in den Nachrichten kennt und sich sonst nicht weiter mit den Personen um ihn herum beschäftigt, ist der Film einfach nur langweilig. Erzählt wird die Lebensgeschichte von George W. Bush als "schwarzes Schaf" und rebellischer Jugendlicher, der schon mal aus dem Knast geholt werden muss und auf höhere Schulbildung keinen Wert legt, bis hin zum Präsidenten der Vereinigten Staaten, der die Weichen für den Irak Krieg stellt. Diese entscheidende Zeit, also nach dem 11. September und vor dem Einmarsch in den Irak, dient als Ausgangspunkt. Ein Handlungsstrang rollt dann die Geschichte bis zu diesem Punkt von hinten auf, der andere erzählt weiter in die Zukunft. Dabei kommt der Film komplett ohne Spannung aus und wirkt dadurch äußerst langatmig und anstrengend. Der Wandel des rebellischen Jugendlichen, der alles tut, um seinem Vater zuwider zu handeln, zum gottesfürchtigen Christen, der seine Karriere in der Politik sieht, sollte zwar ein zentraler Punkt sein, wird aber als solcher zu ungenau dargestellt, so dass dem Zuschauer sich die Zusammenhänge und Hintergründe nicht mal ansatzweise erschließen.
Allgemein wirkt die Biografie eher wie ein Film, den man Schülern im Geschichtsunterricht vorsetzt, um diesen die Person Bush, sowie seine Familie und politische Geschehnisse auf seinem Weg zum Präsidenten vor Augen zu führen. Dafür ist der Film sicherlich gut und erfüllt seinen Zweck, da er weitestgehend auf Tatsachen beruht. Doch anders als beispielsweise Frost/Nixon, der beweist, dass man auch politische Ereignisse packend und mitreißend inszenieren kann, disqualifiziert sich W. mit seinen langatmigen Lagebesprechungen und einem Stil, der eher als dokumentarisch zu bezeichnen wäre.
Zeigen wollte Oliver Stone den Menschen George W. Bush und dessen Werdegang. Leider hat er damit keinen Film für die Allgemeinheit geschaffen, sondern lediglich das langweilige Porträt eines Präsidenten, der sicherlich auch noch lange nach seiner Amtsniederlegung im Gedächtnis vieler Menschen bleiben und über den es bestimmt noch den ein oder anderen besseren Film geben wird. |