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Die Neuverfilmung der volkstümlichen Kurzgeschichte mit Michael Bully Herbig und Franz Xaver Kroetz unter der Regie von Joseph Vilsmaier wurde bereits mit gemischten Gefühlen erwartet. Auf der großen Leinwand macht der Film zwar keine schlechte Figur, doch fragt man sich im Nachhinein, ob man Himmel und Erde, den Tod und den Brandner Kaspar ähnlich inszeniert hätte.
Der Plan, Volkssagen und Legenden zu verfilmen, findet sicher nie hundertprozentige Zustimmung. Das dürfte sich auf der ganzen Welt so verhalten. Denn die Erfahrung lehrt, dass am Schluss immer etwas anderes dabei herauskommt, als man sich selbst so vorgestellt hat. Die einen pochen auf historische Exaktheit, die anderen gestatten zwar die freie Interpretation, hätten sich des Themas dann aber doch in anderer Weise angenommen. Zu Deutsch: Wie ein Filmemacher es auch dreht und wendet, alle Zuschauer wird er nie zufrieden stellen können.
Im Falle von Die Geschichte vom Brandner Kaspar versucht Regisseur Joseph Vilsmaier (Comedian Harmonists, Schlafes Bruder, Stalingrad, Herbstmilch), einerseits der berühmten Theaterversion gerecht zu werden, und andererseits einen Film für das Mainstream-Publikum von heute zu schaffen. Allein wegen des zu erwartenden Umsatz-Plus dürfte er Michael Bully Herbig für den Boanlkramer besetzt haben.
Doch zunächst zum Inhalt: Der Brandner Kaspar lebt auf seiner Alm in der Nähe des Schliersees, und arbeitet mit seinen 69 Jahren noch immer als Jagdhelfer - wenn er nicht gerade wildert. Bei einer dieser Jagden wird er nur knapp von einem Schuss verfehlt. Direkt nach dem Ereignis glaubt der Brandner, eine mysteriöse, schwarzgekleidete, unbekannte Gestalt zu sehen. Tatsächlich steht einige Zeit später der Boanlkramer höchstselbst (auch Boandlkramer, bayerisch für Knochenkrämer, also den Tod) in der Tür und bedeutet dem Brandner, mitzukommen. Seine Zeit sei abgelaufen, er habe sich ins Jenseits zu begeben. Der Brandner Kaspar sieht aber keinerlei Veranlassung zu sterben, genießt er doch das Leben in vollen Zügen und hofft darauf, dass der Toni endlich erfolgreich um die Hand seiner Enkelin, dem Nannerl, anhält. Schelmisch, wie der alte Brandner nun mal so ist, verwickelt er den Tod mit der Hilfe einiger Stamperl Kirschgeist in ein Kartenspiel, um sich so einige weitere Lebensjahre herauszukitzeln. Da der Brandner Kaspar natürlich ein gewiefter Kartenspieler ist, hat er selbstverständlich ein paar Tricks auf Lager - und tatsächlich muss der Boanlkramer ohne Leiche wieder abziehen.
Doch eines Tages wird in Petrus' Reich bemerkt, dass eine Diskrepanz zwischen Soll- und Ist-Bewohnern im bayerischen Himmel besteht, daraufhin muss der Boanlkramer sich rechtfertigen. Petrus ist außer sich, dass der Tod sich beim Karteln hat abziehen lassen, und fordert den Brandner Kaspar schnellstmöglich ins Jenseits. Nun liegt es beim Tod, den Brandner davon zu überzeugen, doch mitzukommen.
Ausstattungstechnisch, optisch und vom allgemeinen Erscheinungsbild her ist Die Geschichte vom Brandner Kaspar eine gelungene Komödie für die ganze Familie. Allerdings zeigt sich in den Feinheiten, dass der Film eher bewusst für das landesweite Mainstreampublikum konzipiert wurde, als ausschließlich für den Bayerischen Markt. Wo ein Marcus H. Rosenmüller mit Wer früher stirbt, ist länger tot oder Räuber Kneissl sich ausschließlich auf die Geschichte konzentriert und sich - mit Erfolg - nicht um die Vermarktbarkeit schert, setzen Vilsmaier und seine Produzenten andere Prioritäten. Allein die Nennung des Michael Bully Herbig an prominentester Stelle auf den Plakaten schürt die Erwartung eines neuen Der Schuh des Manitu beim Publikum.
Doch Bully ist unter seiner Maske kaum als solcher zu erkennen. Auch im Spiel gibt sich der Entertainer Mühe, nicht in seine üblichen Gag-Routinen zu verfallen. Bully macht seine Sache gut, sofern der Zuschauer schlucken kann, dass der Tod in diesem Fall wirklich eine keinerlei Ehrfurcht einflößende Respektsperson ist. Ob das von der Produktion gewollt ist, oder bewusst von der Theaterfassung von Kurt Wilhelm übernommen und entsprechend stärker betont wurde, sei dahingestellt.
Franz Xaver Kroetz, dem Publikum am ehesten bekannt als Baby Schimmerlos in Kir Royal, gibt den schlitzohrigen Brandner Kaspar gekonnt mit Charme. Lisa Maria Potthoff spielt dessen Enkelin Nannerl, verblasst aber ein wenig gegen den eigenen Opa - kein Wunder, bei so einem Haudegen. Des weiteren mit von der Partie sind Sebastian Bezzel als Fonse, ein ehemaliger Verehrer vom Nannerl, dessen Spiel die Antipathien des Publikums mutig auf sich zu ziehen vermag und Peter Ketnath als Nannerls neuem Verehrer Toni. Detlev Buck taucht fast unerkannt als Karl Wilhelm von Zieten auf, eine preußische, hochdekorierte Nebenfigur. Im Reich des Petrus treffen wir zudem auf den sympathisch vergesslichen Erzengel Michael (Herbert Knaup) und natürlich Petrus selbst (Jörg Hube), dessen Hauptaugenmerk eher auf Weißbier, Weißwürsten und Brezen liegt.
Unter dem Strich kann Die Geschichte vom Brandner Kaspar als ein Volksfilm für die breite Masse betrachtet werden. Die Geschichte wird samt innewohnender List und Tücke weitgehend unversehrt auf die große Leinwand transportiert. Der Film amüsiert und erheitert, regt aber auch zum Grübeln an. Trotz aller Kritikpunkte bezüglich der unterschiedlichen Vorstellungen des Himmelreichs, der bayerischen Gepflogenheiten und Gegebenheiten und der eigenwilligen Behandlung der Figur des Boanlkramers, kann der Film guten Gewissens empfohlen werden. |