Wrumm! Wrumm! Und damit ist beinahe schon alles gesagt, was man über Fast and Furious wissen muss. Denn auch wenn man vor dem Film sicherlich keine hohen Erwartungen hat, so bietet der vierte Teil außer dem Comeback von Vin Diesel absolut nichts Neues. Für eingefleischte Fans sind aber natürlich die Autos und Frauen schon Grund genug ein Kinoticket zu lösen.
Vor acht Jahren ist Dominic Toretto (Vin Diesel) gemeinsam mit Letty (Michelle Rodriguez) aus den USA in die Dominikanische Republik geflüchtet. Seither versuchen beide sich ein neues Leben aufzubauen. Doch die Angst, dass seine Verfolger sie eines Tages ausfindig machen könnten, sitzt vor allem Dom stets im Nacken. Als Letty bei einem vermeintlichen Unfall ums Leben kommt, kehrt Dom zurück, um die Täter ausfindig zu machen. Er will sie persönlich zur Rechenschaft ziehen und Vergeltung üben.
Sein alter Kontrahent Agent Brian O'Conner (Paul Walker) vom FBI ermittelt aktuell an einem Fall, dessen Verdächtige möglicherweise dieselben sind, denen auch Dom auf der Spur ist. Nach einigen Zwistigkeiten und Asphaltschlachten tun sich die beiden widerwillig zusammen, um gegen einen überaus mächtigen Drogenbaron vorzugehen. Brian will die Schuldigen hinter Gitter bringen, Dom dieselbigen unter die Erde. Eine etwas ungünstige Ausgangslage, um gut miteinander klarzukommen. Mal davon abgesehen, dass die Staatspolizei eigentlich auch Dom gerne für ein paar Jahrzehnte einbuchten würde und Brian noch einiges mit Doms Schwester Mia (Jordana Brewster) zu klären hat. Einstmals verband die beiden weit mehr als Freundschaft.
Zunächst einmal: Wer denkt sich solch einen deutschen Untertitel aus? Es sollte ein Bezug und der Handlungsbogen zum ersten Teil gespannt werden? Schließlich war in den beiden vorangegangen Sequels Vin Diesel nicht mit von der Partie. Aber bei aller Nachsicht und trotz der (unauffindbaren) Komplexität der Story: Soviel Intelligenz der epischen Struktur dieser Filme von Teil eins zu Teil vier folgen zu können, sollte man der Fangemeinde gerade noch zutrauen.
Beim vierten Teil der The Fast and the Furious Saga meldet sich also Vin Diesel zurück und zieht erneut mit Paul Walker in die Tuningkampfbahn. Gemeinsam mit den Vorgängern hat der aktuelle Streifen die Darstellung einer hanebüchenen und unfreiwillig-comichaften Version des organisierten Verbrechens. Anders aber dreht sich diesmal nicht alles ausschließlich um illegale Autorennen (diese sind mehr Mittel zum Zweck). Stattdessen werden weitaus heißere Eisen angefasst. Im Mittelpunkt steht aber natürlich der Rachefeldzug Doms. Dass es dabei erwartungsgemäß aberwitzige Verfolgungsjagden satt gibt und Action, bis die Achse ächzt, steht außer Frage.
Genau damit ist Fast and Furious auch treffend beschrieben. Hier geht es nicht ansatzweise um Realismus. Das Ganze ist eine durchgestylte und hochgetunte Show für "Matchbox-Maniacs" im XXL-Supersize-Format. Und eben deshalb ist es völlig sinnlos diesen Film nach den üblichen Kriterien zu zerpflücken. Die Story ist prinzipiell sinnfrei, die Dramaturgie so kreativ angelegt, wie ein Kreis Ecken hat, und die Dialoge würden sogar einem 160-jährigen Demenzkranken unvergessliche Momente bescheren: Wenn das Navi ruft, dann folgst Du! oder Nur Pussys fahren mit Nitro-Methan. Sätze wie diese dürften ihren Eingang in die Filmgeschichte finden oder zumindest bald in der Tuner- und Tüftlerszene den gleichen Kultstatus wie die Filme selbst erlangen.
Doch bei aller Nörgelei: Der Film strebt gar nichts an. Und will nicht mehr leisten, als rasant zu unterhalten. Dass er sich dabei ähnlich wie ein Schmuddelfilmchen über eine nahezu imaginäre Handlung von Akt zu Akt hangelt, wird keinen der Eingeschworenen stören. Im Gegenteil: In den wenigen Spielszenen, in denen grenzphilosophische Autotuner Weisheiten zum Besten gegeben, liebevoll Karosserien getätschelt werden und mit Hingabe die eine oder andere Chromstange poliert wird, beginnt man sich fast zu langweilen. Diese erotische Beziehung zum lackierten Blech können wahrscheinlich ohnehin nur Eingeweihte nachvollziehen.
Fast and Furious wird all jene begeistern können, die schon auf die Vorgänger abgefahren sind und natürlich auch alle Vin Diesel und Paul Walker Fans. Diesel baut Film um Film an seinem Mythos (irgendwann könnte er glatt zu cool für diesen Planeten werden) und jeder Teenager, der dem Ende der Aknezeit und dem Führerschein entgegensehnt, träumt davon ein bisschen wie Mr. Vin Diesel zu sein. Und im stylischen PS-Boliden, mit dekorativer weiblicher Begleitung, dem Sonnenuntergang auf staubigen Schotterpisten entgegenzufahren. Wrumm! Wrumm! Schön weiterträumen, bis zum fünften Teil.