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Nach dem Tod des Vaters reisen die jüdische Französin Ana (Juliette Binoche) und ihr israelischer Stiefbruder Uli (Liron Levo) in den Gazastreifen. Polizei-Offizier Uli muss dort jüdische Siedlungen räumen. Ana will ihre Tochter (Dana Ivgy) finden, die sie einst auf Druck des Vaters zur Adoption freigegeben hatte. Amos Gitai erzählt in seinem allegorischen Drama von der Emanzipation einer Frau, die sich von ihrer zerrütteten Familienvergangenheit löst, um ausgerechnet in der unbekannten Heimat Frieden zu finden. Neben Juliette Binoche geben sich auch Jeanne Moreau, Barbara Hendricks und Hiam Abbas (Lemon Tree) die Ehre. Dafür gab's den Roberto Rosselini Award Venedig 2007.
Der Tod des Vaters ist für die Französin Ana (Juliette Binoche) eine Befreiung, die sie in hysterische Euphorie versetzt. Die Regelung der Beerdigung und der Trauerzeremonie für den geschätzten Professor sind ihr lange nicht so wichtig wie die Ankunft ihres Stiefbruders Uli (Liron Levo), der extra aus dem Gazastreifen anreist. Anwältin Francoise (Jeanne Moreau) ist wenig begeistert von Anas Benehmen, doch sie ahnt ja auch nicht, was diese vorhat. Ana bricht nämlich alle Zelte in Frankreich ab, um nach Israel zu ziehen. Sie will unbedingt mit Uli in den Gazastreifen, denn dort lebt auch Anas erwachsene Tochter (Dana Ivgy), die sie einst auf Druck des Vaters zur Adoption freigeben musste. Für Uli sind Anas Beweggründe verständlich, aber er hat selbst viele Probleme. Als Leiter einer Polizei-Spezialeinheit muss er jüdische Siedlungen gemäß dem israelisch-palästinensischen Friedensabkommen im Gazastreifen räumen. Es ist 2005 und wieder einmal besteht Hoffnung auf Frieden in dem geschundenen Landstrich...
Der Prolog zeigt, dass Israelis und Palästinenser durchaus friedlich zusammenleben können: Im Zug flirtet Uli heftig mit der schönen Hiam (Hiam Abbas aus Lemon Tree). Doch Gitais Dramen sind Allegorien und kommentieren die Zustände im Nahen Osten. Besonders anschaulich ist das bei seinem Kadosh - Durst (1999), das die Leiden einer Familie unter den Idealen des ultraorthodoxen Patriarchen beleuchtet. Auch Anas jüdische Familie ist vom Schatten des Übervaters geprägt. Allerdings liegt der nun aufgebahrt in einem festlichen Saal. Zunächst irritiert Anas Verhalten über die Maßen, denn von Trauer ist keine Spur. Selten hat man Juliette Binoche so kryptisch und exaltiert gesehen wie als Ana. Deren Verhalten wirkt mitunter kindisch/pubertär. Sie kann es kaum erwarten, auch den letzten Rest an Ballast abzuwerfen. Sogar zu einer unzulänglichen Fälschung des Testaments lässt sie sich hinreisen. Ana ist eine Getriebene, die erst ruhig wird, als sie ihre Tochter in die Arme schließt.
Dagegen muss der als locker eingeführte Uli unmittelbar die Suppe der israelischen Politik auslöffeln. Seine Streitereien mit den Kollegen und Vorgesetzten, seine Befehle, die ihn zwingen gegen seine Freunde vorzugehen, setzen ihm schwer zu. So kommt es zu einem lang gezogenen Finale, in dem Ana zwar die Aussicht auf Glück findet, aber vielleicht schon wieder verliert, weil Ulis Männer in die Siedlung einrücken.
Der renommierte Filmemacher findet in solchen Momenten zurück zur Bildsprache seiner hervorragenden Dokumentationen, die ihn bekannt gemacht haben. Seine Geschichte wirkt nicht stringent sondern wie Perlen auf einer Kette. Die einzelnen Etappen der Reisen (Zug, Schiff, Auto, zu Fuß) bilden Segmente und teilen das Werk ein, in dessen Verlauf Ana immer mehr von ihrer Vergangenheit abstreift. Gitai sucht dabei nicht nach Lösungen für die Konflikte. Vielmehr fordert er dazu auf, die Vergangenheit und falschen Ideale der Vorväter über Bord zu werfen. Darin sieht er die einzige Chance, dass die Menschen einander ohne Vorurteile begegnen können. Wie schwierig das ist, demonstriert er gleich mit. Seine nachdrückliche Botschaft wurde 2007 in Venedig mit dem Roberto Rosselini Award belohnt. Damit bietet Trennung einen interessanten Kontrast zu Eran Riklis Drama Lemon Tree. |