Gern wäre Twentynine Palms ein aufwühlendes, schockierendes Kunstwerk, doch stattdessen ist er einer der langweiligsten Filme, die je gedreht wurden. Zwischen ruhiger Erzählweise und gähnendem Stumpfsinn liegt ein schmaler Grad den dieses Machwerk mit einem großen Satz überspringt. Es gibt zahlreiche Bildschirmschoner, deren Betrachtung spektakulärer ist.
Die Filme des Franzosen Bruno Dumont (L'humanitee) sind bekannt für ihren langsamen Erzählstil. Doch im Gegensatz zu anderen Werken, die mit diesem Stilmittel arbeiten, wie beispielsweise David Lynchs Straight Story, scheint Dumont in Twentynine Palms zu vergessen eine Geschichte zu erzählen. Stattdessen zeigt er dem Zuschauer zwei Stunden lang ein Pärchen wie es in einem Hummer durch die Wüste fährt, ab und an einen belanglosen Dialog führt, sich streitet und hemmungslosen Sex hat. Der Zuschauer erfährt so gut wie nichts über die Vorgeschichte der Beiden, stattdessen wird nur die Beziehung zwischen ihnen dargestellt, wie sie während ihrer Tour durch die kalifornische Wüste ist. Somit ist der Film eine beinahe zweistündige Charakterstudie, über zwei Charaktere, für die man sich bereits nach wenigen Minuten nicht mehr interessiert.
Die Geschichte der Beiden endet in einer Katastrophe, das kann an dieser Stelle schon einmal verraten werden. Überraschen wird es ohnehin keinen, außerdem steht es in der Inhaltsangabe der DVD. Allerdings sei dazu gesagt, dass das Finale, welchem man den ganzen Film über sehnlichst entgegen sieht, auch sehr haarsträubend ist, wobei jedoch das Versprechen eines schockierenden Endes gehalten wird. Ob dies jedoch rechtfertigt den Zuschauer beinahe 100 Minuten zu langweilen und ihn für kostbare Lebenszeit in die Wüste zu schicken, bleibt fraglich.
Twentynine Palms ist der dritte Spielfilm des ehemaligen französischen Philosophielehrers Bruno Dumont. Seine Filme sind durchweg umstritten und finden ebenso ihr Publikum, wie sie von einer Vielzahl von Kritikern zerrissen werden. Denn eine unkonventionelle Geschichte und kontroverse Aussagen machen noch lange keinen guten Film. Twentynine Palms ist dafür ein perfektes Beispiel. Dumonts Film gibt sich philosophisch, möchte interpretiert werden, will beeindrucken, schockieren und zum nachdenken anregen, doch ist einem letztendlich schlicht und ergreifend egal. Sicherlich könnte man verzweifelt versuchen diesen Film schön zu denken, ihn bis ins letzte zu deuten, vielleicht sogar, einen politischen Hintergrund hinein zu interpretieren, doch besser wird er dadurch letztlich auch nicht.
Als Kurzfilm mit einer Länge von 15 Minuten hätte die minimalistische Story vielleicht funktioniert, aber in Spielfilmlänge bleibt nichts als ein pseudoanspruchsvoller Film, der außer ein paar interessanten Bildern, ein paar expliziten Darstellungen von Sex und Gewalt und ein paar kleinen Schockeffekten am Ende nichts zu bieten hat. Filmkunst sieht sicherlich anders aus, Langeweile genau so.