Die gefräßigen Monster sind wieder da: Mit Feast II: Sloppy Seconds legt Regisseur John Gulager drei Jahre nach seinem Project Greenlight-Erfolg nach, und er beschert uns eine weitere, nur noch viel übertriebener dargestellte, Schlachtplatte. Allerdings spürt man bei dieser nahtlosen Fortsetzung, dass das Budget viel kleiner gewesen sein muss, was in einzelnen Momenten doch negativ auffällt. Aber dank dem enthusiastischen Einsatz von drei Generationen der Familie Gulager macht der Film durchaus Laune und kann durchgehend unterhalten. Nur hin und wieder wäre weniger wohl mehr gewesen.
Als erstes eine Warnung: Da es unmöglich ist, etwas über die Handlung von Feast II: Sloppy Seconds zu schreiben, ohne Details zum Ende von Feast zu verraten, sollte jeder, der den ersten Teil nicht kennt, hier aufhören zu lesen.
Nachdem dies gesagt ist, kann man auch gleich anfügen, dass der Name in dieser Fortsetzung Programm ist, denn im Grunde handelt es sich - böse formuliert - um einen schluderigen Nachschlag. Alles wirkt etwas billiger und eine wirkliche Handlung ist nur nebenher auszumachen. Der Fokus liegt ganz klar auf den Monstern und deren Treiben, und was aus Ihren ekelhaften Körpern so alles herauskommen kann. Ansonsten geht es lediglich um die wahrscheinlich lesbische Biker Queen, welche gleich am nächsten Morgen (kurz nach Abfahrt der Überlebenden) am Schauplatz von Feast eintrifft und entdecken muss, dass ihre Freundin Harley Mom nicht mehr unter den Lebenden weilt. Nach Rache sinnend und mit Hilfe des Bartenders - der, wie durch ein Wunder, trotz scheinbar erlittenem Herzinfarkt und aufgerissenem Hals noch am Leben ist - macht sie sich mit ihrer kleinen aber furchteinflößenden Motorrad-Gang auf den Weg in die nächste Stadt, um den vermeintlichen Mörder Bozo aufzusuchen. Statt diesem treffen sie dort aber lediglich auf ein paar kleine Wrestler und ein paar, in einem Liebesdreieck gefangene, Gebrauchtwagenhändler, welche allesamt in einer von Monstern überfluteten Stadt um ihr Überleben kämpfen. Die einzige sichere Festung - das Gefängnis - wird aber leider von einem Irren Drogenhändler bewohnt, welcher so gar nicht daran denken will, irgendjemandem zu helfen außer sich selbst. In der Folge trifft man auf viele, ihre Genitalien stolz in der Gegend herum baumeln lassende und alles Lebendige besteigende, hässliche Monster, allerlei Körperflüssigkeiten, nackt kämpfende Frauen, ein Katapult und eine weitere Überlebende der vorherigen Nacht. Diese würde sich allerdings bald wünschen, sie hätte damals nicht alle im Stich gelassen.
Die Handschrift von John Gulager (The Neighbor) ist unverkennbar, die Kameraführung und Schnitte wirken exakt, wie im ersten Film. Dafür haben sich allerdings der Farbton und die entsprechende Wirkung sehr stark verändert. Der Film wirkt teilweise nahezu dokumentarisch, um in anderen Momenten, in welchen ein Greenscreen benutzt wurde, wieder eher an ein billiges 300 zu erinnern. Sieht man darüber hinweg, entdeckt man als erstes eines: Hier wurde der Ekelfaktor massiv erhöht und auf ein selten erreichtes Niveau gehoben. In einer Autopsie-Szene erbrechen alle Anwesenden mehrmals im Kreis, bis auch der letzte Zuschauer angewidert sein Gesicht abwendet. Ob dies nun als gelungener Humor zu bezeichnen ist, liegt wohl eher im Auge des Betrachters, doch man spürt trotzdem, mit wie viel Einsatz und Freude jeder Aspekt des Originals auf die Spitze getrieben wurde. Hier möchte niemand einen Preis für poetische Dialoge oder tiefgründige Handlungen gewinnen, nein, man möchte nur mit den eigens erfundenen Monstern möglichst unappetitlich unterhalten...und die meiste Zeit über funktioniert dies auch sehr gut.
Wie John Gulager hinter, so hat seine Familie auch vor der Kamera offensichtlich viel Spass mit dem vielen Kunstblut gehabt. Sein Vater Clu Gulager tritt erneut als Bartender auf, seine Frau Diane Goldner (Pulse 2: Afterlife) als Biker Queen sowie Harley Mom (in Rückblenden), sein Bruder Tom Gulager als Gebrauchtwagenhändler Greg und dessen Sohn als Baby in Gefahr in einer sehr bösen Szene. Man könnte somit von einem etwas anderen Familienfilm reden, der allerdings mit Sicherheit nichts für die ganze Familie ist! Außerdem wieder dabei ist auch Jenny Wade (Wo die Liebe hinfällt) als Honey Pie, welche hier bei den Dreharbeiten bestimmt so manches über sich ergehen lassen musste, was sie zwar sehr gut meistert, aber den Zuschauer zwischen Bewunderung, Ekel und Mitleid hin und her schwanken lässt.
Wem das Splatter-Genre zusagt, und wer auch schon an Feast seine wahre Freude hatte, kann bei Feast II: Sloppy Seconds nicht viel falsch machen. Aus den erwähnten Gründen fällt diese Fortsetzung im direkten Vergleich zu ihrem Vorgänger zwar etwas ab, aber der Kern der Sache wurde nicht nur erhalten, sondern es wird nach Herzenslust damit gespielt. Wer danach noch nicht genug von Würgreflexe erzeugenden Bildern bekommen hat, kann sich ja schon einmal auf Feast 3: The Happy Finish freuen, denn bei diesem Abschluss der Trilogie werden die Gulagers sicher nochmals in die Vollen greifen. Für den Moment heißt es jedoch noch: Der Zwischengang ist serviert!