Der Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad Poster

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Der Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad

(Der Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad, 2008)

Dt.Start: 27. November 2008 Premiere: 02. April 2008 (Festival, Österreich)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 93 min Land: Österreich
Darsteller: n/a
Regie: Georg Misch
Drehbuch: Georg Misch, Miriam Ali de Unzaga


Inhalt

Der 1900 in Österreich geborene Jude Leopold Weiss konvertierte 1926 zum Islam, benannte sich in Muhammad Asad um und blieb durch seine Reisen im Kampf für den Frieden und Völkerverständigung in der Erinnerung der Österreicher. Der Dokumentarfilm zeigt die Stationen seines international bedeutenden Lebens und gleichzeitig die immer noch anhaltenden Diskrepanzen zwischen Ost und West.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Der Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 58%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Der Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad hat eine Wertung von 58%
Man wird als Jude geboren und als Jude stirbt man, so die dogmatische Auffassung der großen Rabbiner. Leopold Weiss konvertierte Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts vom Judentum zum Islam und nannte sich fortan Muhammad Assad. Die biografische Dokumentation Der Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad zeichnet den Lebensweg des weltoffenen, friedvollen und visionären Islamvordenkers nach, dessen größter Wunsch es war, eine Brücke zwischen Orient und Okzident zu bauen. Leider verliert sich die Doku aber zu sehr in einer Beweisführung, die zu verklärend wirkt und abseits der Realität angesiedelt scheint.

Bild aus Der Weg nach Mekka - Die Reise des Muhammad Asad Der österreichische Jude Leopold Weiss, Sohn einer Familie in der, mit Ausnahme seines eigenen Vaters, die Männer Rabbiner geworden waren, wollte nicht einsehen, wieso ein Volk, das weltweit nicht einmal zehn Millionen Menschen zählte, den Anspruch erhob Gottes "auserwähltes" Volk zu sein und somit die einzigen, die eines Tages Zugang zum "Paradies" bekommen sollten. Weiss studiert das alte Testament, den Talmud inklusive der Kommentare und die biblische Exegese Targum (die historisch-kritische Methode der Bibelinterpretation). Im Alter von 13 kann er fließend Hebräisch und ist sogar mit Aramäisch vertraut. Trotzdem entfremdet er sich immer mehr der eigenen Religion. Weiss studiert Kunstgeschichte und Philosophie in Wien, träumt aber von einer Karriere als Journalist. Er reist nach Berlin, sucht, ohne Erfolg, nach einer Anstellung bei einer Zeitung. Nach Phasen des Hungers und der Obdachlosigkeit und unzähligen vergeblichen Vorstellungsgesprächen, gelingt es ihm ein Drehbuch zu verkaufen, das er zusammen mit einem Freund geschrieben hat. Anschließend arbeitet er als Telefonist für eine amerikanische Nachrichtenagentur und es gelingt ihm zu seinen ersten Veröffentlichungen zu kommen.

1922 reist er als Korrespondent ins britische Hoheitsgebiet von Palästina. Seine Berichte erstaunen durch sein tiefes Verständnis für die Sorgen und Ängste der Araber angesichts des aufkommenden Zionismus. Die Faszination und der Kontakt zu Arabern und dem Islam bringt ihm dazu sich immer intensiver mit deren Kultur und Religion zu beschäftigen. 1926 konvertiert er und nennt sich fortan Muhammad Assad (Assad bedeutet Löwe; in Anlehnung an "Leo"pold). Er empfindet den universell-spirituellen Ansatz des Islam als Zuflucht und Gegenpol zu dem von ihm verabscheuten Materialismus der westlichen Welt. Auf dem Rücken eines Kamels pilgert er 1926/27 erstmalig nach Mekka. Weitere Reisen folgen. Er reist nach Indien und träumt von einer "Islamischen Nation", arbeitet bei der Staatsgründung von Pakistan mit und besteht auf die grundgesetzliche Verankerung der im Koran vorgeschriebnen Gleichheit von Mann und Frau. Ebnet somit den Weg für Benazir Bhutto, der ersten Präsidentin eines islamischen Staates. Später verfasst Assad die einzige kommentierte Übersetzung des Koran: eine aufklärherrische Schrift.

Wahrscheinlich ist Assad die bedeutendste neuzeitliche Persönlichkeit in der aufgeklärten islamischen Welt. Aber nicht die einflussreichste. Georg Mischs Dokumentation mit demselben Titel wie eines der vielen Bücher, die Assad in seinem Leben geschrieben hat, folgt minutiös dem Lebensweg dieses außergewöhnlichen Menschen und seiner Vision zwischen der westlichen und der islamischen Welt vermitteln zu wollen. Und wahrscheinlich war das nie so notwendig wie heute: Orient und Okzident halten sich gegenseitig für den Teufel und einige wenige Fundmentalisten, die, hüben wie drüben, jeden bedrohen und terrorisieren, der nicht MIT IHNEN IST, erzeugen das Wahrheitsbild und die Medienrealität, welche die Geister und Gemüter prägen.

Assad ist aber nicht so unumstritten, wie man meinen könnte: Er hat Fürsprecher - nicht wenige. Seine Schriften sind aber in einigen islamischen Ländern heute nicht mehr erhältlich oder sogar verboten. Er hat unter Arabern und Berbern gewirkt und die, welche im Film zu Worte kommen, erzählen überwiegend von ihm als großen geistigen Führer, der die wahre Seele des Islam begriffen hat. So unbestreitbar Assad ein aufklärender Intellektueller war, so sehr wird aber auch das Grummeln im Bauch stärker, umso länger die Doku läuft. Es scheint eine Botschaft zu geben: Der Islam ist in Wahrheit eine (missverstandene) Religion, geprägt von humanismusgleichen Idealen. Und Assad der Mann, welcher der Welt die Augen öffnen wollte - und scheiterte.

Das ist die Realität. Bei der biografischen Lobhudelei verkommt dieser Aspekt aber zur Randnotiz. Im Mittelpunkt scheint Assads Vision vom Islam zu stehen, die sich auch maßgeblich in seiner Koranübersetzung wieder findet. Als würde es genügen, die Augen zu öffnen und dieser humanistisch geprägten Interpretation vom Islam zu folgen und all die archaischen demokratiefeindlichen (Grund-)Strukturen würden sich in Luft auflösen. Ein Blick auf die Geschichte des Abendlandes genügt, um zu verstehen wie viele Jahrhunderte, Kriege und wie viel Blutes es bedurfte, bis die Aufklärung in Europa eine Trennung zwischen Kirche und Staat hervorbrachte.

Die zu Worten kommenden Personen im Film erzeugen ebenfalls ein merkwürdig verklärtes Bild und verstärken das Unbehagen beim Erfassen einer klaren Aussage: Die befürwortenden Muslimen sind in der Mehrheit weltoffene Intellektuelle, die Gegner Assads erscheinen meist wie bornierte Krakeeler - nicht besser als die Stammtischproleten hierzulande. Die wenigen O-Töne von Juden stammen entweder von verblendeten Ideologen, die auf die Alleinstellung der jüdischen Religion pochen und verantwortlich sind für eine strikte geografische Trennung zwischen Juden und Muslimen in Palästina oder gehören zum liberalen Bildungsbürgertum, das Assads Perspektive durchaus etwas abgewinnen kann. Die Frage drängt sich auf, nach welchen journalistischen Gesichtspunkten hier selektiert wurde? Spannend und lehrreich ist die Doku aber auf jeden Fall und gefühlsbetontes Pro oder Kontra sicher auch Produkt der individuellen Perspektive.



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