Nachdem Adam Sandler mit Leg dich nicht mit Zohan an einen Schritt in eine andere etwas erwachsenere Richtung gewagt hat, ist er in Bedtime Stories wieder bei seiner alten Rolle, dem etwas unbeholfenen und kindlichen Erwachsenen, angekommen. Leider hat dieser mittlerweile jeglichen Charme verloren und so wirkt der ganze Film wie eine plumpe Konstruktion, die nur an wenigen Stellen witzig ist. Auch die Phantasie, die für solch einen Film nötig gewesen wäre, lässt sehr zu wünschen übrig. So werden die Bedtime Stories eher zum Schlaf führen, als zu einem amüsanten und netten Kinoabend.
Die Grundvoraussetzung einer netten Geschichte ist bei Bedtime Stories eigentlich gegeben. Ein Onkel erzählt seiner Nichte und seinem Neffen Geschichten, die am nächsten Tag wahr werden. Damit hat man zum Einen das Potential für viel Phantasie und zum Anderen die Möglichkeit, witzige Situationen einzubauen. Doch leider hat die Drehbuchautoren hier wohl die Kreativität verlassen, so dass sie krampfhaft Begebenheiten konstruieren mussten, die vermeintlich lustig sind und Geschichten eingebaut haben, denen es an jeglichem Charme oder guten Ideen mangelt.
Skeeter und seine Schwester Wendy sind gemeinsam mit ihrem Vater im familiengeführten Hotel aufgewachsen. Skeeter hatte schon immer viel Phantasie und hat diese mit Rollenspielen ausgelebt, während seine Schwester eher vernünftig war und lieber gelesen hat. Als der Vater kurz vor der Pleite steht, muss er das Hotel verkaufen. Er ringt dem Käufer Mr. Nottigham allerdings noch das Versprechen ab, dass er seinen Sohn Skeeter einmal als Hotelleiter einsetzen würde, wenn er soweit ist.
Viele Jahre später ist aus dem einst beschaulichen Hotel ein riesiger Komplex geworden, der zu den renommiertesten Hotels überhaupt gehört. Doch Skeeter arbeitet nicht als Leiter, sondern als Handwerker des Hauses und hat dort ein kleines Zimmer. Als Mr. Nottingham ankündigt, er wolle ein weiteres Haus eröffnen und brauche dazu natürlich einen neuen Hotelleiter, erwachen in Skeeter die Hoffnungen. Doch es wird ein anderer ausgewählt. Trotz Zuspruch seines etwas schrägen Freundes Mickey, der ebenfalls in dem Hotel angestellt ist, schafft es Skeeter nicht, sein Recht einzufordern. Zu allem Überfluss bittet ihn auch noch seine Schwester Wendy, die er seit vier Jahren nicht mehr gesehen hat, für eine Woche auf ihre Kinder Bobbi und Patrick aufzupassen, da sie verreisen muss, um sich in einer anderen Stadt einen neuen Job zu suchen.
Zu Skeeters Glück ist er mit der Aufgabe nicht ganz allein. Wendy stellt ihm Jill, eine befreundete Lehrerin, an die Seite. Sie wird tagsüber auf die Kinder aufpassen, während Skeeter die nächtliche Betreuung übernehmen soll. Schnell wird klar, dass der Handwerker mit der Aufgabe überfordert ist. Nicht zuletzt, weil die Kinder seiner Schwester in einem Öko-Haushalt aufgewachsen sind. Sie besitzen keinen Fernseher und dürfen kein Junk-Food essen. Auch die Lesebücher, die als Auswahl für die gewünschte Gute-Nacht Geschichte zur Verfügung stehen, passen Skeeter überhaupt nicht in den Kram. Also beschließt er selbst eine Geschichte zu erfinden, so wie es sein Vater immer für ihn getan hatte. Da er sich anfangs noch ein wenig schwer tut, greifen die Kinder immer wieder helfend ein und streuen so ihre eigenen Einfälle ein. Erst als am nächsten morgen die fingierten Geschehnisse wirklich eintreten, sieht Skeeter seine große Chance und versucht nun, die Geschichten so zu erzählen, dass für ihn der maximale Nutzen dabei herauskommt. Allerdings muss er erkennen, dass es weniger seine Einfälle, als die der Kinder sind, die am Tag darauf wahr werden.
Dass ihm die Rolle des infantilen Erwachsenen, in dessen Inneren aber doch mehr steckt, als man anfangs vermutet, durchaus steht, hat Adam Sandler bereits oft genug bewiesen. So wusste er in Big Daddy durch den zwar unorthodoxen, aber dennoch liebevollen Umgang mit seinem kleinen Ziehsohn zu begeistern und konnte in 50 erste Dates durch seine einfallsreichen Liebesbeweise punkten. Doch leider funktioniert diese Masche in Bedtime Stories überhaupt nicht. Auf der einen Seite gibt er den absoluten Versager, der nicht viel auf dem Kasten hat, und als Handwerker im Hotel, das einst sein Vater verkaufen musste, auf seine große Chance wartet. Auf der anderen Seite ist er aber so clever, erfahrene Hotelleiter auszustechen und mit großartigen Ideen zu brillieren. Hier scheint man sich nicht ausreichend Gedanken über den Charakter gemacht zu haben, denn diese Rolle nimmt man Sandler überhaupt nicht ab. Hinzu kommt noch sein Umgang mit der Tatsache, dass wohl die Gute-Nacht Geschichten, die er Bobbi und Patrick erzählt, wahr werden. Zu plump wird hier vorgegangen, so dass durch die resultierenden Missverständnisse nur wenig Lacher erzeugt werden können.
Wie sehr konstruiert und auf lustig getrimmt das ganze Gebilde ist, zeigen Charaktere, die man ohne weiteres aus der Geschichte herausschneiden könnte, ohne großartig etwas zu verändern. So beispielsweise die Tochter des Hotelbesitzers, Violet Nottingham. Angelegt als Paris Hilton Verschnitt, muss sie anfangs als vermeintliche Herzensdame von Skeeter herhalten, bis dieser erkennt, wer wirklich die "schönste Dame im Land" ist. Auch Mickey, verkörpert von dem verrückten Briten Russell Brand, spielt nur am Rande eine Rolle für die Geschichte, kann aber zumindest mit seiner absolut schrägen Art für ein paar Lacher sorgen.
Am deutlichsten jedoch zeigt es die Figur des Meerschweinchens Bugsy. Dieses hat anstelle der liebenswerten schwarzen Knopfaugen, mit denen Meerschweinchen normalerweise ausgestattet sind, zwei riesige Glubschaugen. Er ist ein ständiger Begleiter der Kinder und damit auch Skeeters. So ist das Tier immer dabei, wenn die Geschichten erzählt werden und hat darin auch den ein oder anderen kurzen Auftritt. Negativ an dieser ganzen Sache ist auf der einen Seite die Tatsache, dass Meerschweinchen-Freunde lieber weinen als lachen würden, bei dem, was mit dem Tier veranstaltet wird. Das geht vom Laufen auf einem Laufband über das Verzehren von Junk-Food und Süßigkeiten, bis hin zu animierten Tanzeinlagen. Auf der anderen Seite dient das Meerschweinchen lediglich dazu, Witz in die Geschichte zu bringen, denn eine richtige Rolle spielt es im Fortgang der Geschichte nicht. Man hätte es ohne weiteres weglassen können und hätte damit überhaupt nichts am Film verändert. Dass es zudem noch so übertrieben und unnatürlich gestaltet ist, dass es gar nicht mehr komisch ist und somit seinen einzigen Anspruch nicht erfüllt, spricht dann natürlich noch weniger für die Qualität des Films.
Bei der Beurteilung von Filmen, die für Kinder gemacht sind, muss man natürlich immer mit einbeziehen, ob diese Zielgruppe den Film anders empfinden wird. Das mag durchaus sein. Die Gute-Nacht Geschichten spielen an Orten wie dem Wilden Westen, dem Weltraum oder auch dem alten Rom. Für Kinder ist also durchaus so manches dabei, das sicherlich Spaß bringen wird. Allerdings muss man hier darauf hinweisen, dass das wahrscheinlich das einzige ist, das der Film bewirkt. So hat er keinerlei erkennbare Aussage, die man am Ende mitnehmen könnte. Es wird außerdem nicht klar zwischen Realität und Fiktion getrennt. So sind zwar die Geschichten, die real werden, immer auch dort angesiedelt. Doch an anderen Stellen passieren solch surreale Dinge, die nichts mehr mit der normalen Welt, in der sie stattfinden, zu tun haben. Auch die Geschehnisse um das Meerschweinchen Bugsy zeigen den Kindern einen absolut falschen Umgang mit diesen Tieren, was keinerlei erzieherischen oder sonstigen Anspruch erkennen lässt.
Es gibt genügend Filme, die allein durch ihre Phantasie und Kreativität begeistern können. Bedtime Stories gehört dazu definitiv nicht. Für Kinder mag er zum Zeitvertreib genügen, lässt aber den Anspruch des Lehrreichen oder der Vermittlungen von Werten, die man in vielen anderen Filmen finden kann, vermissen. Für Erwachsene ist die Geschichte zu lieblos und konstruiert, so dass man sich im Nachhinein fragen muss, wieso man die Zeit nicht lieber sinnvoll genutzt hat.