Juden kämpfen nicht - ein Gebot verankert im Glauben. Die Zeiten verlangen dieses Gebot zu brechen. Es geht ums nackte Dasein. Die jüdischen Brüder Bielski überleben den Mord an ihren Eltern und fliehen in die Wälder. Zu Beginn gibt es weder Plan, noch eine klare Vorstellung, wie es weitergehen soll. Als sich andere Überlebende den dreien anschließen, müssen sie sich einen Weg überlegen, wie sie die Menschen am Leben erhalten. Emotional inszeniertes Kino mit Bildern, die etwas zu schön sind, sowie Darsteller, denen es an echter Überzeugungskraft mangelt, und somit verhindern, dass dieses Drama tief berührt.
Während des II. Weltkrieges organisierten sich Juden lediglich zweimal und leisteten bewaffneten Widerstand. Zumindest sind nur zwei solche Ereignisse belegt. Am 19. April 1944 begann im Warschauer Ghetto ein Aufstand, der mehrere Wochen dauerte. Die SS konnte diesen erst am 16. Mai mit der Niederbrennung des ehemaligen Wohnbezirks endgültig niederschlagen. Wer den Aufstand überlebte, wurde entweder direkt vor Ort erschossen oder in eines der Vernichtungslager deportiert. Der zweite bewaffnete Widerstand ist historisch nicht ganz so geläufig. Diesem widmet sich Regisseur Edward Zick, der gewissermaßen Experte für emotionsgeladene Actiondramen ist.
Weißrussland 1941: Die Bielski-Brüder überleben nur knapp eine Säuberungsaktion, von mit der Wehrmacht kollaborierenden russischen Soldaten auf die Farm ihrer Eltern. Alle anderen Familienmitglieder werden getötet. Tuvia (Daniel Craig), Asael (Jamie Bell) und Zus (Liev Schreiber) fliehen in die Wälder. Einen Plan, wie es nun weitergehen soll, haben sie nicht. Irgendwie ergibt sich aber alles von selbst: Immer mehr überlebende Juden treffen von den umliegenden Farmen und Dörfern ein. Hatten die Bielskis zunächst nur das eigene Überleben im Sinn und möglicherweise Rache, müssen sie nun Verantwortung für viele Menschen übernehmen.
Das Lager wächst schnell immer weiter, doch ohne Schutz werden sie alle kaum überleben. Mit Überfällen auf Militärkonvois werden Waffen und von russischen Bauernhöfen Nahrung organisiert. Tuvia und Liev werden zunächst als Anführer akzeptiert. Und vor allem zu Tuvia blicken die meisten auf, halten ihn für eine Art Engel, der ihnen zur Rettung gesandt wurde. Die Sicherheit im Lager ist aber eine Illusion: Truppen durchkämmen den Wald, suchen nach den entkommenen Juden. Von einer regulären Widerstandsgruppe, russischen Partisanen, geht auch Gefahr aus. Beide Gruppen leben von Lebensmitteln, die sie auf den Bauernhöfen ringsum stehlen. Diese sind knapp. Man einigt sich damit, dass sich einige der Männer verpflichten, in den Reihen der Partisanen zu kämpfen. Darunter auch Zus. Tuvia muss nun das Lager alleine leiten, aber nicht alle erkennen ihn weiterhin als Anführer an. Seine Position hat sich geschwächt.
Nachdem Edward Zick opulente und bildgewaltige Epen wie Last Samurai sowie gefühlsbeladenes Actionkino wie Blood Diamond inszenierte, nimmt er sich diesmal eine wahre Geschichte vor. Seinem Stil bleibt er dabei aber treu: kraftvolle Bilder, übermäßiger Einsatz von Weichzeichner und Simplifizierung, so weit wie nur eben möglich. Man möchte auch die schwerste Kost dem Zuschauer so bekömmlich es geht servieren. Mag das bei zu Schmonzetten verklärten Historienepen so eben noch durchgehen, schließlich ist Japan weit weg. Und von den geschichtlichen Umwälzungen Ende des 19. Jahrhunderts, welche zum Untergang der Samurai-Kaste führten, weiß hierzulande kaum einer was; aber eine Geschichte, die knapp 70 Jahre zurückliegt und echtes Potenzial enthält, zu einem "Jugendherbergsdrama" umzufunktionieren, ist schon etwas daneben. Zwick versteht es aus einer Story, die voller Tragik, Leid, Kampf, Aufbegehren und Hoffnung ist, sowie Antisemitismus und auch einen interessanten Brüderkonflikt enthält, ein Geschichtchen zu malen, das alles anschneidet, aber nichts ernstlich vertieft. Nicht, "dass man nicht darüber geredet hätte". Ganz im Gegenteil: Es ist wirklich alles drin im Menü, nur Intensität sucht man auf dem Teller so erfolgreich, wie Speck im Tofueintopf.
Das gezeigte Leben in dieser Robin-Hood-Idylle, kann niemals an das heranreichen, was diese Menschen wirklich erlebt haben müssen. Zwick hat einfach zu sehr aufgeräumt (vielleicht hat er den ungebetenen Besuch der Schwiegermutter befürchtet), und dabei ist viel Glaubwürdigkeit und Authentizität abhanden gekommen. Die Wahrheit muss viel schmutziger gewesen sein. Und als mündiger Zuschauer hätte man diese durchaus ertragen können. Dass man dies besser machen kann, hat Spielberg schon vor vielen Jahren mit Schindlers Liste bewiesen.
Nun ist Unbeugsam - Defiance nicht als solches Drama angelegt, und das soll auch nicht Kern der Nörgelei sein. Es fehlt aber einfach das Besondere, das die Figuren greifbar und authentisch macht, sie aus der Zelluloidkonserve heraus belebt. Die einzige Szene, welche halbwegs Kraft entwickelt, ist, als ein deutscher Soldat gefangen genommen wird und sich der Hass kollektiv auf ihm entlädt. Und das war es beinahe schon. Der Rest versumpft im Mittelmaß. Weder Zwick noch den Darstellern gelingt es sonst überwiegend, mit dem Film eine Atmosphäre zu entwickeln, die ernstlich tief berührt. Das ist wirklich schade, denn es handelt sich um eine starke Geschichte. Wer aber nur ein schön gefilmtes Actiondrama konsumieren will, könnte glatt angesprochen werden.