Eine heitere Weihnachtskomödie, deren Grundaussage jedoch weit tiefsinniger ist, als erwartet wird. Stimmige Chemie zwischen den Hauptdarstellern und bewusst gespannte Beziehungen zu den seltsamen Familienmitgliedern machen Mein Schatz, unsere Familie und ich sicherlich zu einem vergnüglichen vorweihnachtlichen Kinobesuch.
Kate und Brad führen eine gute Beziehung: Sie lieben sich leidenschaftlich, denken nicht ans Heiraten oder an Kinder und wollen nur die Zeit miteinander genießen. Das geht so weit, dass sie teilweise derbe Späße inszenieren, um nachher darüber zu lachen. Doch zu Weihnachten macht ihnen das Schicksal einen dicken Strich durch die Rechnung: Ihren Familien haben die beiden vorgeflunkert, dass sie irgendwelche Sozialprojekte im Ausland durchziehen und leider, leider nicht zu Weihnachten vorbeikommen können. Doch als alle Flüge von San Francisco gestrichen werden, so auch der auf die Fidschi-Inseln, wo Kate und Brad schon einen Luxusurlaub gebucht haben, fliegt der Schwindel auf.
Nun müssen Kate und Brad also doch ihre Verwandtschaften aufsuchen, was vier einzelne Besuche notwendig macht: Bei Brads Vater Howard, einem mürrischen Biertrinker, tifft das Paar auch auf dessen Brüder Denver und Dallas, und Brad macht sich mächtig unbeliebt, weil er die 10-Dollar-Obergrenze für Geschenke missachtet hat. Die Installation der Satellitenschüssel klappt auch nicht so recht, also ziehen die beiden eher bedrückt weiter.
Bei Kates sympathischer Mutter Marilyn lernt Brad, dass er über seine geliebte Kate so einiges noch gar nicht weiß. Wenig erfreulich ist allerdings die Tatsache, dass Kates Mutter offenbar seit neuestem einem schmierigen Prediger verfallen ist, was einen Kirchenbesuch unausweichlich macht. Das Debakel, das sich dort anbahnt, ist traumatisch.
Für Brad besonders schwer ist der Besuch bei seiner eigenen Mutter Paula: Die nette Lady freut sich wirklich über die Maßen, ihren Sohn wieder zu sehen. Nur ihr aktueller Freund macht Brad gewaltig zu schaffen, denn der hat sich für eine unangemessen väterliche Rolle gegenüber Brad entschieden.
Als letztes steht noch der Besuch bei Kates Vater Creighton an. Dieser Besuch könnte zur Abwechslung halbwegs normal ablaufen, hätten Kate und Brad sich nicht zwischenzeitlich dermaßen in die Haare gekriegt, dass sie am liebsten heimfahren würden.
Denn hierin liegt die große Stärke dieser Komödie: Trotz aller Defekte und Spleens der besuchten Familien eint sie alle die bedingungslose Anerkennung ihrer Mitmenschen, die Kenntnis der dunkelsten Seelenseiten des jeweils anderen. Was Kate und Brad sich jahrelang verschwiegen haben, wird nun unweigerlich ans Licht gezerrt und auseinandergepflückt, die Beziehung allein durch das Wesen der Verwandten auf die Feuerprobe gestellt. Tatsächlich stellt sich die ach so harmonische Beziehung zwischen Kate und Brad im Verlauf der Handlung als ziemlich oberflächlich heraus, was einem Todesurteil gleichkommt. Hält die Liebe auch die Familien der Liebenden aus, kann an Zukunft gedacht werden.
Regisseur Seth Gordon schafft es, das Vermitteln gesunder Wertvorstellungen in einen wirklich amüsanten Weihnachtsfilm zu packen. Die übliche Starbesetzung tut ihr übriges, um das Erlebnis zu komplettieren. Vince Vaughn und Reese Witherspoon als Brad und Kate vermitteln kompetent die emotionale Achterbahnfahrt, die dieses Weihnachtsfest für sie beide darstellt, und elterliche Weisheit wird von Robert Duvall, Sissy Spacek und Jon Voight vermittelt.
Mein Schatz, unsere Familie und ich, der im Original den weit weniger sperrigen Titel Four Christmases trägt, ist natürlich eine seichte Weihnachtskomödie von der Stange, für die ganze Familie. Doch das Körnchen Wahrheit, das darin enthalten ist, wiegt so schwer, dass der Film wirklich empfohlen werden sollte. Vernügliche Stunden im Kino sind sicher.