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Der Fremde Sohn

(Changeling, 2008)

Dt.Start: 22. Januar 2009
DVD: 27. August 2009
Premiere: 20. Mai 2008 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Krimi, Drama
Länge: 142 min Land: USA
Darsteller: Angelina Jolie (Christine Collins), John Malkovich (Reverend Briegleb), Jeffrey Donovan (Captain J.J. Jones), Colm Feore (Chief James E. Davis), Kelly Lynn Warren (Rachel Clark), Devon Gearhart (Jeffrey)
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: J. Michael Straczynski


Inhalt

An einem Samstagmorgen in Los Angeles im Jahre 1928 verabschiedet sich Christine Collins von ihrem Sohn Walter und geht zur Arbeit. Als sie zurückkehrt, ist ihr Sohn verschwunden, möglicherweise entführt. Nach fünf langen Monaten der Ungewissheit taucht Walter plötzlich wieder auf. Doch während die Polizei den Erfolg feiert, ist Christine davon überzeugt, dass der Junge nicht ihr Sohn Walter ist. Sie setzt ihre Suche eigenständig fort und trifft dabei auf zahlreiche Widerstände und auf alles andere als eine kooperative Polizei.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Der Fremde Sohn hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 85%
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 90 für Der Fremde Sohn

Es ist schon toll, wie der alte Mann Eastwood jetzt schon seit einigen Jahren einen großartigen Film nach dem anderen auf die Leinwand bringt und auch Der fremde Sohn kann sich nun mit einreihen. Die ergreifende Geschichte einer Frau im Kampf gegen die Polizei nimmt sich typisch für den Regisseur viel Zeit für ihre Entwicklung. Dabei bleibt das Ganze höchstspannend und gerade dass nach einer knappen Stunde noch ein zweiter ebenso starker Handlungsstrang eingeführt wurde, weiß ebenso zu begeistern wie die Regie Eastwoods, der zudem auch wieder eine richtig gute und passende Filmmusik komponierte. Dazu noch eine tolle Ausstattung, eine gute Kameraarbeit, sowie überzeugende Darstellerleistungen, bei denen vor allem der bislang gänzlich unbekannte Jason Butler Harner richtig groß auftrumpfen konnte. Ein durchweg überzeugendes und mitreißendes Drama, das einmal mehr beweist, dass Clint Eastwood längst nicht zum alten Eisen gehört.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Der Fremde Sohn hat eine Wertung von 80%
Clint Eastwood ist zurück. Im neuesten Regiestück, mit Angelina Jolie in der Hauptrolle, bewegt sich die Story im Los Angeles der 20er bis 30er Jahre. Eine Zeit sozialer Missstände, korrupter Behörden, boomender Kriminalität und deflorierender Wirtschaft. Eine allein erziehende Mutter hatte es in dieser Zeit besonders schwer und damals wie heute ist das Schlimmste was einer Mutter passieren kann, der Verlust ihres Kindes. Mit Der Fremde Sohn meldet sich Clint Eastwood mit einer Entführungs- und Verschwörungsthematik der gehobenen Kategorie zurück und liefert fein inszeniertes Kino ab.

Bild aus Der Fremde Sohn An einem Morgen wie jedem anderen auch des Jahres 1928 geht Christine Collins (Angelina Jolie), die zusammen mit ihrem neunjährigen Sohn in einem Vorort von Los Angeles wohnt, zur Arbeit. Als sie am Abend zurückkehrt, ist nichts mehr wie zuvor: Ihr Sohn ist verschwunden - unauffindbar. Die Polizei reagiert erst nach 48 Stunden, ganz so, wie es das Protokoll vorschreibt. Die anschließende Suche bleibt erfolglos. Monate später ist beinahe so etwas wie Normalität in Christines Leben eingekehrt. Die intensive Fahndung nach dem vermissten Kind ist längst eingestellt und die Polizisten denken insgeheim, dass Christines Sohn vermutlich längst nicht mehr am Leben ist. Ihr Mutterinstinkt sagt ihr aber etwas anderes und tatsächlich: Plötzlich erreicht sie die Meldung, dass die Polizei in einem anderen Bundesstaat einen Jungen aufgriffen hat, auf den die Beschreibung passt und der behauptet ihr vermisster Sohn zu sein.

Am Bahnhof gibt es ein Wiedersehen. Allerdings erkennt Christine ihren Sohn nicht wieder. Erst auf Nachdruck des jungen Captains des LAPD J. J. Jones (Jeffrey Donovan) willigt sie ein, sich mit dem Jungen von der Presse ablichten zu lassen und ihn als ihren Sohn mit nach Hause zu nehmen. Die Polizei braucht einfach diese positive Publicity - sie steht ohnehin in harscher öffentlicher Kritik. Aber Christine weiß in ihrem Innersten eines mit Sicherheit: Das ist nicht ihr Sohn. Das will sie publik machen, damit die Suche nach ihrem Jungen wieder aufgenommen wird. Die Behörden möchten dies mit allem Mitteln verhindern. So ein Ermittlungsdesaster kann sich keiner, inklusive des Polizeichefs, leisten. Kurzerhand wird sie für verrückt erklärt und in die Psychiatrie zwangseingewiesen. Christine hat aber noch einen Verbündeten: den Radioprediger Reverend Gustav Briegleb (John Malkovich), der die Korruption in der Stadt schon lange anprangert. Der Kampf hat gerade erst begonnen.

Mit Filmen wie Million Dollar Baby, Flags of Our Fathers und Letters from Iwo Jima hat Clint Eastwood bewiesen, dass er zu den besten Regisseuren Hollywoods zählt und nicht nur außergewöhnliches Kino brillant zu inszenieren weiß, sondern auch, dass er sich ungern wiederholt. Das ist sicherlich eines der besonderen Merkmale der Eastwood-Filme: Es gibt keinen bestimmten oder gar festgefahrenen Stil. Es ist immer neu, frisch, anders und macht neugierig auf das, was kommen mag. Und vielleicht ist ebendies der besondere ClintEastwood-Stil. Filme, in denen die Wendungen nicht plump vorhersehbar, die Charaktere stereotyp eindimensional und die Subplots nur zur Dehnung der Handlung beitragen. Hier wurde mit Verstand und Können inszeniert und sich über jede Kleinigkeit Gedanken gemacht.

Filmtechnisch wird äußerst puristisch vorgegangen: reduzierte Farben und eine Optik, die der Gefühlslagen der Charaktere Rechnung trägt und mit vielen Nahaufnahmen diese noch unterstreicht. Dazu die ruhige bis betont unaufgeregte Kameraführung, welche die wenigen Schockmomente umso intensiver wirken lässt. Das alles fördert eine beklemmende Intensität und zwei Subplots, die die geheimen Stars des Streifens sind, beschleunigen die Handlung in den richtigen Augenblicken und erzeugen eine kalt lodernde Dramaturgie. Der ganze Film gleicht einem eisigen Vulkan.

Leichte Abzüge könnte es für die B-Note geben: Schauspielerisch gibt es bei allen Akteuren zwar eigentlich nichts zu nörgeln, aber seltsamerweise wirkt Angelina Jolie nicht eben wirklich so, als gehöre sie in diesen Film. Vielleicht ist es die Unvollkommenheit sich vollends zurückzunehmen, die diesen Eindruck erzeugt. Der Star des Films ist eindeutig die Story und Jolie ist halt immer und bleibt eben Jolie. Im Vergleich dazu ist ein John Malkovich in der Lage seine Rolle mit einer Art Unsichtbarkeit zu belegen und nur als das Präsenz zu zeigen, was er in und für die Handlung leisten soll. Nicht mehr und nicht weniger. Angelina Jolie, spielt zwar durchgehend überzeugend die Löwin, die ihr Junges niemals aufgibt, und müht sich darum dezent zu sein, um nur das zu akzentuieren, was notwendig ist, schafft es aber nicht völlig. So wird aus Der Fremde Sohn ein sehr guter Film, der dem Cineasten große Freude bereiten wird, er erreicht aber nicht die Klasse von Million Dollar Baby, da er etwas zu sehr zur Jolie-Show wird.



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