Die Dokumentation über die wenigen Mitglieder unserer menschlichen Rasse, die die Ehre hatten, unseren Erdenmond ganz offiziell in Besitz zu nehmen, konzentriert sich allein auf ebendiese Menschen und deren Erlebnisse. Interviews wechseln mit dokumentarischen Aufnahmen, und die Faszination der Ära lebt wenigstens im Kinosaal wieder auf. Ein absolut lohnenswertes Kinoerlebnis für alle Generationen.
"That's one small step for man, one giant leap for mankind." Als Neil Armstrong am 20. Juli 1969 diese zeitlosen Worte fand, um den ersten Fußabdruck eines Menschen auf dem Mond zu hinterlassen, erfasste erstmals globale Eintracht die Völker der Welt. Obwohl es die Amerikaner waren, die das Rennen um die Reise zum Mond klar gegen die Russen gewonnen hatten, feierten die Menschen in den Straßen des Planeten. Rund 500 Millionen Zuschauer verfolgten weltweit live die Übertragung der Bilder, die die Nasa zur Verfügung stellte. Und noch viel mehr blickten fasziniert nach oben, wo der Mond leuchtend am Himmel hing.
Es gibt eine Menge Dokumentationen über die erste goldene Ära der Raumfahrt. Die meisten beginnen mit der Entwicklung von Feuerwerk in China und mäandern dann über Visionäre und Pioniere wie Konstantin Ziolkowski, Robert Goddard, Friedrich Zander, Walentin Gluschko, Hermann Oberth, Sergei Koroljow und natürlich Wernher von Braun zu den Mondlandungen, dann weiter über die Space Shuttles bis zu den Satelliten und Raumstationen. Doch diese Dokumentation ist anders: Im Schatten des Mondes konzentriert sich auf die Astronauten allein und ignoriert alle Hintermänner, ohne die nichts davon möglich gewesen wäre.
Das Gefühl, sich in der Spitze einer 110 Meter hohen Konstruktion, angefüllt mit den explosivsten Gemischen, die die Menschheit je ersonn, auf einem Sitz festschnallen zu lassen, bevor das Ganze auch noch angezündet wird, kann kein Film, kein Buch und kein Technik-Pionier je vermitteln. Man muss dem Astronauten, sofern er das Feuerwerk überlebt hat, in die Augen sehen, während er von dem unvergesslichen Höllenritt auf diesem Feuerstuhl - und seiner Rückkehr - berichtet.
Genau dies ist die besondere Leistung von Im Schatten des Mondes. Die Mondfahrer erzählen von ihren Ängsten, ihren Glücksgefühlen, den vielen Beinahe-Katastrophen und davon, wie sie die Welt seither jeden Tag mit anderen Augen sehen, nichts Alltägliches mehr für selbstverständlich nehmen, wie sie Respekt gelehrt wurden. Unterlegt und zwischengeschnitten sind diese zeitlosen Interviews der letzten großen Pioniere mit dokumentarischen Aufnahmen dieser Zeit. Viele davon hat man natürlich schon oft im Fernsehen oder gar im Browser gesehen, doch manche waren bis dato unveröffentlicht. Auf jeden Fall aber ist die Wirkung dieser Bilder im dunklen Kino eine völlig andere als auf einem kleinen Monitor.
Auch wenn die Mondlandungen aus heutiger Sicht in grauer Vorzeit stattfanden, die Computer noch ein Witz waren und ein heutiges Shuttle wesentlich größer und leistungsfähiger als so eine Apollo-Kapsel ist, so plantscht die moderne bemannte Raumfahrt dennoch nur in den oberen Schichten der Erdatmosphäre umher. Die Mondflüge stellen die einzigen wirklichen Raumflüge der Menschheit dar. Auch sind weitere Rekorde dieser Zeit noch ungebrochen: Apollo 10 etwa tauchte beim Landeanflug mit knapp unter 40.000 km/h in die Erdatmosphäre ein. Dies markiert die höchste Geschwindigkeit, die je von einem bemannten Fahrzeug erreicht wurde, und entspricht in etwa der zwölffachen Geschwindigkeit einer Gewehrkugel. Und die Saturn V bleibt die größte Baureihe von Raketen, die jemals erfolgreich gestartet wurde.
Die interviewten Raumfahrer vermitteln ihre persönlichen, unsagbar spannenden Erlebnisse so lebendig, als würde man ihnen selbst gegenübersitzen. Die 40 Jahre, die seither vergangen sind, spiegeln sich nur in den gealterten Gesichtern der Helden von damals wieder. Die meisten der dokumentarischen Aufnahmen jener Zeit wurden in bester Qualität aufbereitet, aber nicht verändert.
Wen die Faszination Weltall einmal gepackt hat, den lässt sie nicht mehr los. Im Schatten des Mondes ist ein idealer Film für interessierte Jugendliche und Erwachsene jeden Alters zum Einstieg in das Thema. Ein wunderschöner Film über die kleinen Hüpfer, die ehemalige Affen von einem winzigen blauen Planeten in den lichtlosen Tiefen des kalten Alls einmal zu ihrem kleinen Mond unternommen haben, und zugleich ein Ansporn für globales Denken, mehr Forschung, neue Reisen und nicht zuletzt Science Fiction im Allgemeinen.