Manchmal sind es besonders die atypischen Helden, die einem das Grinsen aufs Gesicht zaubern. Max Kohn ist nicht mehr der Jüngste, aber vital wie ein junger Springinsfeld. Als angesehener Autor reist er durchs Land, gibt Lesungen und lernt immer wieder die eine oder andere interessierte Dame kennen. Max ist ein Filou und Boheme par excellence, der sich gerne treiben lässt. Eine Geschichte rund ums Altwerden, Jungbleiben, Lebenslust, Liebe und Leidenschaft. Süffisant und voller Charme erzählt, ohne großes Wollen und Ziel, aber stets ein bisschen magisch.
Dem Jugendwahn zum Trotz eine Geschichte mit lauter alten Menschen. Hat das noch Platz in unserer Zeit? Warum auch nicht. Was alle Menschen antreibt ist schließlich immer dasselbe: die Lust am Leben, der Glaube an die Liebe und die Kraft der Imagination. Der renommierte Autor Max ist gern gesehener Gast auf Lesungen und Literaturveranstaltungen. Seine Geschichten sind mitten aus dem Leben entnommen und Kreisen um die gleichen Themen, wie auch die Gedanken des Schreibers. Ein wenig ist Max gleich seinen Protagonisten, und seine Protagonisten ähneln Max mitunter sehr. So ganz kann man das nicht wirklich auseinander halten.
Inspiration holt sich Max aus alltäglichen Situationen und verarbeitet diese in seinen Erzählungen. Manchmal suchen seine Erzählungen ihn aber auf eine eigentümliche Weise heim, und man ist sich nicht ganz sicher, ob Max gerade seine Geschichte im Kopf entwickelt oder die Geschichte Max längst eingefangen hat. Irgendwie gibt sich das auch nicht viel: Ganz gleich ob es nun Max ist oder einer seiner Protagonisten: Stets dreht sich alles um die Liebe und um kleinere wie größere amouröse Abenteuer. Einziger Unterschied vielleicht, dass die Männer in den Erzählungen von Max an "vom Leben gezeichnete" Frauen geraten; Max himself hat da mehr Glück oder wie er es möglicherweise beschreiben würde: Er ist unschuldiger Spielball dieser zahlreichen Versuchungen. Und eine Dame kann dabei mitunter sogar ausgesprochen biestig werden: seine Dauerfreundin Reisel (Rhea Perlman), die von seinen Eskapaden alles andere als angetan ist.
Regisseur Jan Schütte inszeniert nach der Vorlage dreier Kurzgeschichten des Literaturnobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer eine wirklich bezaubernde Geschichte. Voller skurriler Komik und ein bisschen Tragik, nimmt diese schon nach wenigen Takten den Zuschauer sofort gefangen. Und angesichts der ungewöhnlichen aber charmanten Erzählweise, den Abstechern in Phantasiegefilde und den Storys in den Storys, lässt sie ihn auch nicht wieder los. Es ist eine Art Road-Movie und der Protagonist ist auf einer Reise ohne "Woher" und "Wohin". Er lässt sich scheinbar, ganz Boheme der alten Schule, einfach treiben, und steuert mehr zufällig als gekonnt oder gewollt gelegentlich seine Häfen an, um bei der einen oder anderen Dame aufzutanken.
Die Frauen in Bis später, Max sind aber keine "Erfüllungsgehilfinnen". Eigentlich sind es starke Figuren: selbstbestimmt, wohl wissend was sie wollen und auch was sie nicht wollen. Fein nuanciert zeichnet der Film Charakterbilder und Menschen, die, ganz gleich ob alt, einsam oder traumatisiert, noch vieles wollen und begehren. Manche haben sich mit dem Schicksal arrangiert, andere trauen sich hingegen nicht mal dann wieder zu neuen Ufern aufzubrechen, wenn sich eigentlich eine Chance einstellt. Aber alle sind noch immer voll, teils unerfüllter, Sehnsüchte.
Dass diese traurig-melancholischen Geschichten sich überwiegend in den Erzählungen der Hauptfigur manifestieren und sich somit auf der "Spielebene" bewegen, schwächt die Eindrücke nicht ab. Sie wirken nicht virtueller oder phantastischer als die eigentliche, reale Erzählebene. Vielleicht auch deshalb, weil diese ebenso dahin gleitet ohne klar absehbares Ziel. Wo es hingeht, ob mit Max oder seinen Figuren, ist völlig offen. Mag sein deshalb, da alles so ist, wie das Leben selber - unabsehbar, wundervoll, traurig, leidenschaftlich, wenn man sich nur traut. Ein bisschen aber wirkt das tatsächlich leicht konfus und man vermisst ein wenig den roten Faden. Das ist, so man will, auch der einzige Kritikpunkt an dieser anschmeichelnden und charmanten Geschichte. Am Ende wird man nicht wirklich schlauer sein, aber bestimmt ein wenig verzauberter.