Bewegende Verfilmung eines wiederentdeckten Klassikers der modernen amerikanischen Literatur von Richard Yates. Trotz aller Langsamkeit und Behäbigkeit entwickelt sich ein gewaltiges Drama um das Ehepaar Wheeler, das in der paradiesischen Vorstadthölle zu ersticken droht. Die Situation droht sich in einer familiären Katastrophe zu entladen, was im Film eindrucksvoll vermittelt wird.
Im Amerika der 50er-Jahre waren die gesellschaftlichen Normen noch etwas rigider als heute. Männer wussten sich zu benehmen, Frauen waren ein Musterbeispiel für das Heimchen am Herd. Sexualität war dermaßen tabu, dass man selbst beim Akt nicht darüber sprach. So zumindest sollte es sein in der piekfeinen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Denn unter der Oberfläche der mustergültigen Bürgerlichkeit brodelt es natürlich gewaltig, Emotionen wollen ausbrechen, und wenn sie erst ein Ventil finden, wird es gesellschaftlich nicht akzeptabel.
Die Geschichte begleitet das junge Paar der Wheelers, Frank und April, die in die Vorstadt ziehen. Dort, in der Revolutionary Road, vermittelt ihnen eine Maklerin ein schönes Häuschen mit großem Garten, und Frank fährt jeden Tag zur Arbeit in die Stadt. Frank hasst seinen Job als anonymer Sachbearbeiter bei einem großen Büromaschinenhersteller, und April, die die Schauspielerei erlernt hat, darf ihrer gesellschaftlich zweifelhaften Tätigkeit sowieso nicht nachgehen. Bald haben die beiden Kinder, eine Tochter und einen Sohn, und der Trott des Alltags hat die kleine Familie voll im Griff. Mit den Nachbarn wird eine oberflächliche Freundschaft gepflegt, und die Maklerin kommt immer wieder mal unangemeldet vorbei, zum Beispiel gleich mit einigen Pflanzen, damit April das "verwilderte Beet" im Vorgarten "endlich wieder in Ordnung" bringen kann.
April leidet schwer unter der oberflächlichen Normalität, die hier Pflicht ist und keinerlei Ausbrüche duldet. Auch versucht die Maklerin, Frank und April mit ihrem Sohn John bekannt zu machen, der aufgrund seelischer Belastungen stationär in der psychiatrischen Klinik behandelt wird. Ihre Besuche mit John bei den Wheelers enden meist in einem Debakel. Um ihre Ehe zu retten, beschließen die Wheelers, ihre früheren Träume wahr zu machen und nach Paris zu gehen. Für immer. Diese Entscheidung schlägt ein wie eine Bombe, findet aber trotz oberflächlichem Zuspruch keinerlei Anklang. Am Aufbrechen dieses Konfliktes, der natürlich die gesamte gesellschaftliche Verklemmtheit jener Zeit repräsentiert, droht die Familie der Wheelers zu zerbrechen.
Zeiten des Aufruhrs ist ein stiller, ruhiger Film in einer völlig vertrockneten Gesellschaft, die in ähnlicher Form bereits in Pleasantville unter die Lupe genommen wurde. Am Leben der Wheelers wird demonstriert, wie Abweichung von der Norm sofort und gnadenlos geahndet wird, natürlich nur mit den besten Intentionen der anderen, und auf eine Weise, die damals als freundschaftlich verstanden wurde. In Wirklichkeit sitzen alle Figuren in individuellen goldenen Käfigen, die sie sich noch dazu selbst gezimmert haben, denn niemand vermag einen wirklich zur Einhaltung irgendwelcher Konventionen zu zwingen. Der Ausbruch nach Europa hätte die Lösung für alle Probleme sein können, doch wenn man selbst an der Wirksamkeit dieser drastischen Maßnahme zu zweifeln beginnt, ist es vielleicht schon viel zu spät für den Ausbruch aus eigener Kraft.
Kate Winslet und Leonardo DiCaprio sind seit ihrem gemeinsamen Spiel in Titanic deutlich gereift, eine Verwechslung der Filme ist ausgeschlossen, und blöde Witze zu Parallelen im Saal nicht angebracht. Das Drama ist groß, doch wird es in ganz kleinen, geradezu homöopathischen Dosen serviert, umso stärker wirkt der Film beim Zuschauer nach. Man kann nur froh sein, dass diese höllischen Zeiten (siehe auch Kinsey) vorbei sind.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Figur des "Irren" John, der, wie so oft, als einziger die Wahrheit erkannt hat, daran zerbrochen ist und von den eigentlichen Opfern weggesperrt wurde. Der Rufer in der Wüste ist jedoch selbst so schwer beschädigt, dass sein unakzeptables Auftreten den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen verschleiert. Währenddessen verbreiten sich die giftigen Verhaltenscodices wie ein Virus unaufhaltsam und in jede einzelne Zelle der verrotteten Gesellschaft, die echte Revolutionäre einfach nur zum Benennen ihrer Straßen hernimmt, anstatt sich mit deren Gedankengut auseinanderzusetzen.
Bei den Golden Globes für 2009, den Preisen der Auslandspresse in Hollywood, ist Kate Winslet für ihre Rolle der April Wheeler als beste Schauspielerin ausgezeichnet worden. Leonardo DiCaprio war ebenfalls für den besten Schauspieler nominiert gewesen, doch der Preis ging an Mickey Rourke für The Wrestler. Es ist zu erwarten, dass Zeiten des Aufruhrs auch bei den Oscars gut im Rennen liegen dürfte.