Fightgirl Ayse Poster

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Fightgirl Ayse

(Fighter, 2007)

Dt.Start: 01. Januar 2009 Premiere: 14. Dezember 2007 (Dänemark)
FSK: ab 6 Genre: Fantasy
Länge: 101 min Land: Dänemark
Darsteller: Semra Turan (Ayse), Nima Nabipour (Ali), Cyron Björn Melville (Emil), Molly Blixt Egelind (Sofie), Sadi Tekelioglu (Aichas Vater), Behruz Banissi (Omar), Xian Gao (Sifu), Denize Karabuda (Aichas Mutter), Ertugrul Yilan (Meemeth), Özlem Saglanmak (Jasmin)
Regie: Natasha Arthy
Drehbuch: Natasha Arthy


Inhalt

Aysea lebt mit ihrer türkischstämmigen Familie in einem Vorort in Kopenhagen. Sie ist 17 und steht kurz vor dem Abitur. Ihre Eltern erwarten gute Noten, sodass sie auch Medizin studieren kann wie ihr Bruder Ali. Doch Ayse kann sich nicht für die Schule begeistern. Viel mehr interessiert sie sich für den Kampfsport Kung-Fu. Da es ihre Eltern aber nicht erlauben, fängt sie heimlich an zu trainieren und lernt dort auch Emil kennen. Dieser soll ihr helfen an der jährlichen Kung-Fu-Meisterschaft teilzunehmen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Fightgirl Ayse hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 67%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Fightgirl Ayse hat eine Wertung von 67%
Karate Kid gabs schon - sogar als Remake mit einem Mädel in der Hauptrolle. Romeo und Julia ward ebenfalls schon mal gesehen. Und Migrationsdramen hängen beinahe schon zum Halse raus. Ob da die Mischung dieser Motive etwas Eigenständiges erzeugen kann? Fightgirl - Ayse ist eine Story mitten aus dem Leben, die genauso im Haus nebenan stattfinden könnte und zeigt welche Kämpfe junge Menschen ausfechten, die einer moslemischen Kultur entstammen und im Hier und Jetzt einer westlichen Gesellschaft ein selbst bestimmtes Leben führen wollen. Sehenswertes und erfrischend offenes Kino.

Bild aus Fightgirl Ayse Shaolin-Tanztheater auf Türkisch? Auf den ersten Blick sieht Fightgirl - Ayse tatsächlich wie eine anatolische Version altbekannter Underdog-Storys a la Karate Kid aus. Die angehende Abiturientin Ayse (Semra Turan) trainiert lieber Kung-Fu, als ihre Aufmerksamkeit der Schule zu widmen. Ihre älteren Geschwister sind allesamt angehende Ärzte und auch sie soll nach dem Abitur Medizin studieren - so der Wunsch des Vaters (Sadi Tekelioglu).

Derzeit richtet sich aber die gesamte Aufmerksamkeit der Familie auf die anstehende Verlobung Alis (Nima Nabipour), Ayses Bruder, der in eine gute Familie einheiratet. Der Vater der Braut, ein Taxiunternehmer, hält auch einen Job für Ayses Vater in seinem Unternehmen parat. Da darf nichts schief gehen. Das letzte was eine traditionell türkische Familie brauchen kann, ist eine renitente Tochter, welche die Familienehre beschmutzt. Und da Ayse in eine neue Kung-Fu-Schule wechseln möchte, in der gemischter Unterricht stattfindet, wird ihr kurzerhand das Training ganz verboten.

Wie nicht anders zu erwarten, hält das die begeisterte Kung-Fu-Novizin nicht ab. Heimlich geht sie zum Training ihres Shi-Fu (Xian Gao), eines Meisters der fernöstlichen Kampfkunst aus China und macht rasch Fortschritte. Die Vorbereitung aufs Abitur bleibt dabei allerdings mehr und mehr auf der Strecke. Besonders das gemeinsame Training mit Emil (Cyron Melville), der sie auf die Schwarzgurt-Prüfung vorbereitet, hat es ihr angetan. Manche Dinge dürfen aber einfach nicht sein und andere entziehen sich schlichtweg der Kontrolle. Eine Zeitlang scheint dieses Katz-und-Maus-Spiel, das Ayse mit ihrer Familie treibt, tatsächlich zu funktionieren - eine Zeitlang:

Eines Tages wechselt der junge Türke Omar, der in der Vormittagsgruppe der Kung-Fu-Schule trainiert, in die Gruppe in der sich auch Ayse befindet. Eine Muslima, die zusammen mit Männern trainiert, das geht in seiner Vorstellungswelt gar nicht. Zum Eklat kommt es aber erst auf der Verlobungsfeier ihres Bruders: Omar ist der beste Freund des Bruders der Braut. Als er Ayse während der Feier als Hure beschimpft, eskaliert die Situation und danach ist nichts wie zuvor: Die Familienehre in den Schmutz gezogen, die Verlobung gelöst und für den Vater wird es nun auch keinen neuen Job geben. Ayse flieht vor dem Zorn ihres Vaters und es scheint fraglich, ob es noch ein Zurück für sie gibt.

Klingt so, als würde es sich gar nicht um einen Martial-Arts-Film handeln - stimmt auch fast; denn das zugrunde liegende familiäre Drama ist weit mehr als bloße Stützkonstruktion. Der solide Mix aus familiären, soziologischen und kulturellen Motiven lässt eine Geschichte entstehen, die durchweg glaubhaft erscheint. Und die jungen Frauen kommen dabei meist besser als die jungen Männer weg, die mitunter wie berganatolische Hinterwäldler wirken. Ayse will nicht einfach so unreflektiert leben, wie es andere und "Die Traditionen" für sie vorsehen. Es geht um Selbstbestimmung, um Liebe (auch der zur eigenen Familie) und dem Spagat der nötig ist, wenn man zwischen beiden Welten lebt. Mit dem einen Bein in der westlichen Gesellschaft angekommen und dem anderen in seiner angestammten Kultur verhaftet - das führt unweigerlich zu Konflikten.

Fightgirl ist junges, mutiges Kino aus Dänemark, das man sich genauso aus unseren Landen gewünscht hätte. Schließlich ist diese Thematik hier ebenso brandheiß und aktuell. Ayses Konflikt ist nichts Konstruiertes. Lediglich das Kampfsportmotiv erfüllt Doppelfunktionen: Symbolisch stehen die Kämpfe im Ring, für die wahren und viel schwerer wiegenden Auseinandersetzungen, die Ayse zu bestehen hat, um selbst bestimmt ihr Leben führen zu dürfen. Eingestreute Traumsequenzen spiegeln dabei das Dilemma als Projektion ihrer unterbewussten Ängste wider: Ayse läuft vor einem schwarz verhüllten Kämpfer davon und jedes Mal, wenn sie sich zum Kampf stellt, verliert sie. Dabei ist der "Feind" ein alter Bekannter.

An der Kampfchoreographie gibt es nicht viel auszusetzen: Die Darsteller beherrschen ihr Handwerk und sind gelernte Kampfsportler. Die Kombination aus Elementen des Shaolin mit Slow-Mo/Bullet-Time-Effekten und Parkour-Einlagen verpassen dem Streifen einen eigenen Charme. Und das grobkörnig-unruhige Kamerabild sorgt für Dokumentarstil-Atmosphäre, die manchmal vergessen lässt, dass es sich um einen Spielfilm handelt. Besonders erfrischend ist, dass die Figur des Meisters, verkörpert von Xian Gao, der schon bei Ang Lees Tiger & Dragon die Darsteller trainierte und selber mitwirkte, nicht wie ein altkluger Guru und Lebensmanager auftritt, sondern dezent im Hintergrund bleibt. So liegt es ausschließlich bei Ayse, ihren Weg zu finden. Feines Kino, das nicht immer mit logischem Plot überzeugt und dramaturgisch gelegentlich etwas infantil wirkt, aber sehenswert frisch daherkommt.



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