Zum zweiten mal bescheren uns Produzent Michael Bay und Regisseur Marcus Nispel ein Remake eines Horror-Klassikers. Herausgekommen ist ein sehr solider Slasher, welcher allerdings leider jegliche Spannung vermissen lässt. Trotz gelungener Optik, viel nackter Haut und blutigen Kills, wird dem geneigten Horrorfan nur wenig Neues geboten, weswegen die vom Regisseur in Interviews selbst erzeugte Erwartungshaltung nur enttäuscht werden kann.
Es sollte eine komplett neue Interpretation der Geschichte um den Rambo unter den Slashern Jason Voorhees werden. Der Zuschauer sollte sogar sehen, wie Jason alleine im Wald lebt und überlebt. Leider blieb von diesen guten Vorsätzen in der nun im Kino gestarteten Version von Marcus Nispels (Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre, Pathfinder - Fährte des Kriegers) Freitag, der 13. nicht mehr viel übrig, denn im Grunde genommen handelt es sich viel eher um eine Hommage an das Original inklusive der ersten sieben Fortsetzungen.
Zwanzig Jahre nachdem eine gewisse Frau Voorhees sich am Camp Crystal Lake für den Tod ihres Sohnes rächte, und dabei beinahe alle Camp-Betreiber in die ewigen Jagdgründe geschickt hatte, trifft eine kleine Gruppe Jugendlicher auf den wiederauferstandenen Jason Voorhees, welcher in dieser Gegend auf seine ganz eigene, stille aber effektive Art und Weise für Ruhe und Ordnung sorgt. Nach dieser Begegnung gelten sie fortan alle als vermisst, was den Bruder der mit ihnen verschwundenen Whitney auf den Plan ruft. Dieser junge Mann namens Clay hat soeben seine an Krebs verstorbene Mutter beerdigt und will nun mangels Vertrauen in die örtliche Polizei auf eigene Faust nach seiner Schwester suchen. Dabei trifft er auf eine weitere Gruppe Jugendlicher, welche sich in einem Haus am See ein schönes Wochenende mit Sex, Alkohol und Drogen machen will. Es kommt, wie es kommen muss, und einer nach dem anderen muss bald am eigenen Leib feststellen, welchen Preis man für die Störung der Ruhe eines Jason Voorhees bezahlen muss.
Der bedrohlichste cineastische Serienkiller aller Zeiten ist knapp 30 Jahre nach dem Original endlich wieder auf der grossen Leinwand zu sehen. Nachdem man ihn im Jahre 2003 mit einem starken Augenzwinkern auf eine andere Ikone des Horrorfilms namens Freddy Krüger (Freddy Vs. Jason) treffen lies, geht es mit dem nun präsentierten Remake wieder in eine ernstere Richtung. Noch bedrohlicher und spannender als damals sollte es nun werden, doch leider fehlt dem Film dafür jegliche Dynamik, welche durch einen oftmals schmerzlich vermissten Score auch nicht ausgeglichen werden kann. Neue Aspekte sind Mangelware und werden fast unmittelbar nach ihrem Auftauchen wieder fallen gelassen, um das altbekannte Programm abspulen zu können: Ein Teenager nach dem anderen wird schnell abgeschlachtet, bevor es dann auch sofort zum nächsten Kill geht. Nur eine kleine Minderheit der verschiedenen Todesarten vermag zu überraschen, und somit auch zu überzeugen. Alles andere funktioniert höchstens noch als Hommage an die alten Filme aus den achtziger Jahren, was jegliche Spannungsmomente im Keim ersticken lässt (auch wenn Fans der Reihe sicherlich ihren Spass an den vielen, kleinen Anspielungen haben dürften).
Dies ist sehr schade, denn eigentlich sollte man annehmen, dass gerade die Figur des Jason Voorhees genügend Potential besitzt, um das Universum um ihn herum substantiell zu erweitern. Genau dies wurde von Regisseur Marcus Nispel auch versprochen, aber aus irgendwelchen Gründen bekommen wir dies - zumindest im Kino, denn auf DVD wurde bereits eine alternative, erweiterte Fassung mit zusätzlichem Handlungsstrang und mehr Blut und Sex angekündigt - nicht geboten. Zwar wird Jasons Lieblingstätigkeit um einiges blutiger dargestellt, als es noch in den Teilen 1 bis 8 der Fall war (wobei diese ja leider grösstenteils lediglich geschnitten veröffentlicht wurden), aber dafür läuft es immer nach dem gleichen Schema ab und geht einfach zu schnell, um wirkliche Stimmung aufkommen zu lassen. Dazu kommen dann noch ein paar störende Wackelkamera-Szenen und ein alles andere als als gelungen zu bezeichnendes Editing, weswegen sich die Macher hier einiges an Kritik gefallen lassen müssen. Allerdings muss man Herrn Nispel ein Auge für wunderbare Aufnahmen an den Original-Schauplätzen attestieren, was immer wieder positiv auffällt und den Film vor einem Totalabsturz bewahren kann.
Die Darsteller sind für das Genre typisch, passend ausgewählt und keiner fällt negativ auf. Allerdings kann aufgrund des mageren Drehbuches auch niemand wirklich positiv herausstechen, weswegen hier darauf verzichtet wird auf einzelne SchauspielerInnen einzugehen. Was jedoch für Genrefans interessant sein dürfte, ist die Tatsache, dass nahezu alle weiblichen Darsteller irgendwann einmal oben ohne auftauchen, weswegen man nicht bestreiten kann, dass der Film auch auf dieser unblutigen Ebene gewisse Schauwerte zu bieten hat. Was den erstmaligen Jason-Darsteller und Stuntman Derek Mears (Verflucht, The Hills Have Eyes 2) angeht, kann man dies nur schwer beurteilen. Er stellt den psychopathischen Killer klar agiler und schneller dar, was allerdings auf Kosten der physischen Bedrohlichkeit geschieht. Dies ist weder besser noch schlechter, als es die Darstellung von Ken Krizinger oder Kane Hodder waren, sondern einfach eben anders, und da muss wohl jeder für sich entscheiden, ob ihm das gefällt oder nicht.
Wer schon ein paar Slasher-Filme gesehen hat und eins plus eins zusammenzählen kann, wird beinahe den kompletten Film schon am Ansatz erkennen und sich wohl eher langweilen. Fans von Jason Voorhees wiederum können trotz aller Kritikpunkte an der schnörkellosen Metzelei ihrer Horror-Ikone durchaus ihre helle Freude haben. Allerdings darf man mit ziemlicher Sicherheit damit rechnen, dass die kommende DVD dem nun im Kino präsentierten Streifen vorzuziehen sein wird. Nichts desto trotz ist es aber ein positives Zeichen, dass diese Art Film überhaupt noch gemacht wird...wenn jetzt nur noch jemand den Mut aufbringen würde, diesen alten Franchisen mit etwas Kaltschnäuzigkeit wahrhaftiges neues Leben einzuhauchen (wie es ein gewisser Alexandre Aja bei mindestens einem seiner Filme bereits erfolgreich getan hat), könnte man sich sogar richtig auf die mit Sicherheit kommende Fortsetzung freuen. Für den Moment müssen wir uns allerdings mit dieser passablen Hommage für Fans begnügen und weiterhin auf mutigere und weniger kommerz-orientierte Zeiten hoffen.