Für Sicherheitsspezialisten herrscht immer Hochkonjunktur. Zwei konkurrierende Unternehmen spionieren sich gegenseitig aus, um kleinste Wettbewerbsvorteile zu sichern. Was keiner weiß: die Teamleader der beiden Einsatzgruppen bilden ein heimliches Liebespaar und planen, beide Seiten gegeneinander auszuspielen. Doch wie sehr kann man sich schon in einem Metier sicher fühlen, das seinen Erfolg durch Misstrauen generiert. Julia Roberts und Clive Owen sind die Stars in Tony Gilroys unentschiedenem Wirtschaftsspionage-Thriller Duplicity - Gemeinsame Geheimsache.
Schon der Prolog macht deutlich, dass sich Tony Gilroy nach seinem düsteren Erfolgsdebüt Michael Clayton nicht entscheiden konnte. Soll er Duplicity - Gemeinsame Geheimsache als spannenden Thriller zum Thema Wirtschaftsspionage anlegen, oder wäre es besser, daraus eine Thrillerkomödie im Stile von Steven Soderberghs Ocean's Eleven zu machen.
Auf einem Flugplatz stehen zwei Learjets abflugbereit und blockieren sich gegenseitig. Die CEOs zweier konkurrierender Unternehmen sowie ihre gesamte Entourage stehen sich wie zwei Armeen zum Krieg gegenüber. Plötzlich treten die beiden Chefs, Tully (Tom Wilkinson) und Garsik (Paul Giamatti) vor und beginnen eine wüste, albern wirkende Schlägerei - in Slowmotion!
Wie sich herausstellt, wählte der renommierte Drehbuch-Autor Gilroy einfach beide Möglichkeiten. Ein wenig Thriller, ein wenig Suspense, massenweise Intrigen und Misstrauen und dazwischen komödiantische Einlagen, die fern jeglicher Lakonie die Ernsthaftigkeit und die Hintergründigkeit der Konstruktion unterminieren.
Nach dem Prolog muss Gilroy zunächst auch noch die Vorgeschichte loswerden. Die zeigt den ambitionierten MI6-Agenten Ray Koval (Clive Owens) beim wohl kalkulierten Flirt mit der CIA-Agentin Claire Stenwick (Julia Roberts) auf einer Botschaftsparty in Dubai anno 2003. Nach einem Dialog, den man noch mehrmals im weiteren Verlauf hören wird, geht's erst einmal ins Bett. Danach wird Koval von Stenwick übers Ohr gehauen, was beweist, dass man kalten Kriegern nie und nimmer trauen kann.
Jahre später ist Koval in die lukrativere Wirtschaft gewechselt und wird von der Firma Equikrom angeheuert, die dringend eine Entdeckung beim Konkurrenten machen muss. Burkett & Randle-Chef Tully hat nämlich eine gänzlich Markt erschütternde Neuerung angekündigt, die Konkurrent Garsik in eiskalte Rage versetzt. Doch welcher Markt? Welches Produkt? Und wie kann man dem zuvorkommen? Selbst eine eingeschleusten Mitarbeiterin konnte bislang nichts Näheres herausbekommen.
Nun soll Koval als Führungsoffizier übernehmen und die Operation erfolgreich abschließen. Zu seiner Überraschung ist die eingeschleuste Person niemand anderes als Claire Stenwick, was erst eine emotionale Krise und bald eine professionelle Kooperation nach sich zieht. Gemeinsame Ermittlungen engen das Suchfeld ein. Im mittleren Westen hat ein Genie, das nur Tully verantwortlich ist, eine unbekannte Formel entdeckt, die nun patentiert werden soll. Diese Formel muss beschafft werden, um das Produkt definieren zu können. Auf der Auktionärs-Hauptversammlung will der gierige Garsik nämlich seinen Triumph feiern.
Derweil wird in Rückblenden klar, dass sich Koval und Stenwick nicht zufällig wieder getroffen haben. Im Gegenteil. Ein auf Jahre angelegter, höchst geheimer Schlachtplan hat sie in ihre jetzigen Positionen gebracht. Sie wollen zwei Unternehmen so gegeneinander ausspielen, dass sie mit 50 . abhauen und sich zur Ruhe setzen können. Ein gefährlicher und tückischer Plan, der darauf basiert, dass sich zwei Profis vertrauen, die zum totalen Misstrauen und Hintergehen ausgebildet wurden...
Die Welt ist schlecht. Es stellt sich nur die Frage, wer kann am schlechtesten sein, um daraus am meisten Profit zu schlagen!? Auf diese Fragestellung reduziert sich in etwa das wendungsreiche Spiel der Intrigen in Duplicity - Gemeinsame Geheimsache. Zu keinem Zeitpunkt kann man sich sicher sein, dass Zufälle und Absichten eben selbige sind. Damit dies klar wird, arbeitet Tony Gilroy mit zahlreichen Rückblenden, die das Wachsen des Geheimplanes nachträglich aufzeigen. Außerdem dienen andere Rückblenden dazu, Erklärungen für überraschende Wendungen zu liefern. Das führt allerdings dazu, dass man vor lauter Erklärungen bald die eigentlichen Verschwörungen aus den Augen verliert. Mehr noch, weil Gilroy die Zuschauer die ganze Zeit an der Nase herumführt, wird die eigentliche Überintrige in der Intrige innerhalb der anderen Intrigen zum Deus ex Machina - ein Schlussgag, der zwar mutig ist, aber eigentlich alles vorherige verdirbt.
Duplicity - Gemeinsame Geheimsache erweist sich als mäßig spannende und umständliche Thriller-Unterhaltung (wegen der all zu vielen Erklärungen), die gewiss nicht schlecht, aber eben auch nicht besonders gut oder exquisit geraten ist. Sowohl Julia Roberts als auch Clive Owen konnten zuvor in ähnlich gelagerten Filmen mit besserem Material hantieren. Roberts zuletzt in Der Krieg des Charlie Wilson und Clive Owen sowohl in Tom Tykwers Thriller The International als auch 2006 in Spike Lees Inside Man. Dennoch zeigt auch ihre zweite Zusammenarbeit nach dem Kammerspiel Hautnah die wunderbare Chemie zwischen dem eleganten Engländer und der forschen Amerikanerin.
Weder an den beiden noch an Wilkinson, Giamatti, Carrie Preston oder Ulrich Thomsen (leider nur ein Kurzauftritt) liegt es, dass das Unterhaltungsvergnügen unrund läuft. Tony Gilroy will offensichtlich schlicht zuviel und vor allem eine Steigerung seines sarkastischen Michael Clayton. Ein ohnehin schwieriges Unterfangen, das letztlich zu Tode erklärt wird. Außerdem begeht Gilroy den Kardinalsfehler, sein Protagonistenpaar erst zwei Stunden lang als Sympathieträger anzubieten, um ihnen am Ende eine Nase zu ziehen. Das irritiert nicht nur die Thrillerkonstruktion, sondern relativiert die sehr viel fragileren Komödienelemente. Dass sich die Thriller- und Komödienelemente in dieser Form ohnehin gegenseitig lähmen, wurde bereits angedeutet.
Somit steht dem unerhörten Aufwand an Stars, Locations, Intrigen und Wendungen ein lauer Ertrag gegenüber. Statt glamourösem Starkino und prickelnder Thrillerunterhaltung besticht Duplicity - Gemeinsame Geheimsache nur mit einer weitgehend harmlosen Erörterung eines komplizierten Verschwörungsknotens, die ihre vielen Versprechungen nicht einlöst.