Auf der Berlinale 2009 lief das Biopic über den Rapper Notorious B.I.G. im Wettbewerb außer Konkurrenz. Es erzählt die kurze Lebensgeschichte des bekannten Künstlers, der mit nur 24 Jahren erschossen wurde. Neben guter darstellerischer Leistung weiß der Film durch eine interessante Aufarbeitung der Geschichte zu überzeugen, wenngleich er wenig Antworten zu tiefgreifenderen Fragen liefert.
George Tillmans Biopic beginnt mit dem tragischen Tod des bekannten Rappers am 8.März 1997, als er mit nur 24 Jahren nach einem Konzert erschossen wurde. Im Folgenden erzählt der Film die Lebensgeschichte von Christopher Wallace, beginnend mit seiner Jugend im Brooklyn der 70er:
Als dicker Junge weiß Christopher in der Schule nie seinen rechten Platz zu finden, ist ein guter Schüler und wird von seiner Mutter stets daran gehindert, auf der Straße zu landen. Als Jugendlicher wird sein Drang nach Ansehen und Geld jedoch immer wichtiger und er beginnt auf der Straße mit Drogen zu dealen. Als Biggie Smalls landet er im Knast, wird Vater und sich seiner Verantwortung nie wirklich bewusst. Sein Hang zur Musik und zum Reimen führen zur Aufnahme eines Demobandes und durch die Bekanntschaft zum Produzenten Puff Daddy wird aus Biggie Smalls quasi über Nacht das HipHop-Wunder The Notorious B.I.G.. Der ungewohnte Erfolg steigt Chris zu Kopf. Nach seiner Heirat mit der R&B-Sängerin Faith Evans ist sein Leben stets von zwei Problemen begleitet: Zum einen die sich aus der unkomplizierten Freundschaft zu Lil Kim ergebende Rivalität zwischen Faith und Lil, zum anderen seine Rivalität mit dem Westküsten-Rapper Tupac Shakur. Der Aufstieg des Notorious ist quasi auch die Geburtsstunde des Krieges zwischen East- und Westcoast-Rappern.
Kein geringerer als Freund und Rapperkollege Puff Daddy stand für die Entstehung des Films als Produzent zur Verfügung. Eine kritische Betrachtung von Wallace Leben ist vermutlich aus diesem Grund nicht herausgekommen. Überraschenderweise werden aber auch die negativen Seiten von Wallace nicht heruntergespielt Dafür hebt das Biopic alle bekannten Klischees über die Musikszene heraus: Sex, Drogen, viel Gehabe um die eigene Person, Musik und Aussehen als Kult, Frauen als Staffage und immer wieder Schimpfwörter ohne Ende. Insbesondere letztere finden in allen vorgetragenen Texten viel Platz. Eindruck konnte sich Notorious in der Szene damit durchaus verschaffen, beim Zuschauer löst manche Zeile nur Kopfschütteln aus und die Frage, ob auch Intelligenz beim Reinem vorhanden war.
Jamal Woolard leistet in der Figur des Wallace erstaunlich gute schauspielerische Arbeit. Selbst Rapper, hat sich der junge Musiker mehr als 25 Kilo für seine Rolle angefuttert und zudem monatelanges Sprach- und Gesangstraining auf sich genommen, um Wallace Stimme möglichst gerecht zu werden. Das gelingt ihm ausgesprochen gut, mit viel überzeugender Selbstsicherheit weiß er den großen Rapper darzustellen. Ebenso überzeugend sind die zahlreichen Nebendarsteller, die die bekannten Künstler rund um Notorious spielen.
Einziges Manko des interessant erzählten Films bleibt die Frage, warum aus einem Missverständnis zwischen Tupac und Notorious ein solch erbitterter Krieg zwischen East- und Westcoast entstehen konnte. Angeblich blieb nie die Zeit, um das Problem in Ruhe zu klären. Wiederum eine Bestätigung des Klischees, dass Intelligenz nicht in hohem Maße vorhanden gewesen ist und Ansehen mehr zählte als Einsicht.
Tillmans Biopic liefert schöne Musik und Bilder, für Laien der Rapszene viele interessante Einblicke, keine Antworten auf tiefgreifendere Fragen, aber dennoch einen guten Einblick auf die Figur des Christopher Wallace und die ihn umgebenden Kollegen und ist durchaus sehenswert.