Oliver Stones brütendheißer Wüstentrip ist ein durchweg unterhaltsamer, spannender Thriller, der von der ersten bis zur letzten Minute zu gefallen weiß. Leider krankt die eigentlich raffinierte Story jedoch an der ein oder anderen Drehbuchschwäche, im Gesamtbild kann diese aber durch Humor und dichte Atmosphäre wieder gut gemacht werden. Vor allem die grandiose Besetzung und die faszinierende Optik machen Oliver Stones Neo-Noir-Thriller zu einem sehenswerten Film.
Auch wenn sich Oliver Stone in den letzten Jahren einige Fehltritte erlaubt hat und durch Filme wie Alexander sein Image als genialer gesellschaftskritischer Regisseur von Klassikern wie Platoon oder Natural Born Killers einen kleinen Schaden nahm, weißt er dennoch insgesamt eine beeindruckende Filmographie auf. U-Turn gehört mit Sicherheit zu den guten Filmen Stones. Sein Neo-Noir-Thriller kümmert sich nicht um Politik oder sonstige tiefgründige oder sozialkritische Themen. Er erzählt eine einfache Geschichte originell, raffiniert und spannend.
Was besonders auffällt ist die grandiose Optik des Films. Stone wechselt gelegentlich seine Einstellung auf eine wackelige Handkamera, die auch mal bewusst ins Leere zeigt und blendet zwischenzeitlich immer wieder in schnellen Schnitten Bilder der Kleinstadt Superior und der Wüstengegend ein. Das sieht nicht nur gut aus, sondern gibt dem Film auch die nötige hitzige Atmosphäre. Regietechnisch ist U-Turn also durchweg gelungen, warum Oliver Stone also für die goldene Himbeere für die schlechteste Regie nominiert wurde, wird wohl ein Geheimnis der Veranstalter des Anti-Oscars bleiben.
Besonders interessant zu sehen sind die vielen Stars in ihren teils untypischen Rollen. So sind absolute Highlights Joaquin Phoenix (Walk the Line) als verblödeter Kleinstadtschläger im leicht an seine Rolle als Johnny Cash erinnernden 50er-Jahre-look, der kaum zu erkennende Billy Bob Thornten (Astronaut Farmer), der 25 Kilo zunahm um die Rolle des widerlichen Mechanikers Darrell zu übernehmen und natürlich der für diese Rolle ebenfalls für eine Goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller nominierte Jon Voight (Ali) als blinder Indianer. Die damals noch relativ unbekannte Jennifer Lopez (Out of Sight) ist ein wenig das Problemkind des Films. Zwar passt sie augenscheinlich perfekt auf die Rolle der hübschen Grace, doch was sie im Film zu sagen hat, vor allem in einem haarsträubenden Monolog und in diversen wenig überzeugenden Dialogszenen mit dem wieder einmal großartigen Sean Penn (Milk), wirkt dann doch unausgegoren und etwas platt. In weiteren Nebenrollen geben sich auch Claire Danes (Der Sternwanderer), Powers Booth (Men of Honor) und grandios aufspielend Nick Nolte (Clean) die Ehre.
U-Turn stellt keine großen Anforderungen an sein Publikum. Er ist durchgehend unterhaltsam und auch wenn die Story immer wieder überraschende Wendungen zeigt, verliert man als Zuschauer nie den Faden. Außerdem ist U-Turn allein wegen seines Humors auf jeden Fall ein Film, den man guten Gewissens empfehlen kann. Wer dazu noch Filme wie Lucky Number Slevin und Kiss, Kiss, Bang, Bang mag, wird an U-Turn ohnehin seine Freude haben.