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Die Frau des Anarchisten

(The Anarchist's Wife, 2008)

Dt.Start: 30. April 2009 Premiere: 26. Juni 2008 (Festival, Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Drama
Länge: nicht bekannt Land: Deutschland, Spanien, Frankreich
Darsteller: Nina Hoss (Lenin), Laura Morante (Lucienne), Nathalie Grauwin (Marie), Pilar Lopez de Ayala, Jean-Marc Barr (Pierre), Juan Diego Botto (Justo), Maria Valverde (Manuela), Ivana Baquero (Paloma), Pere Arquillué (Jaime), Biel Durán (Luis), Irene Montalà (Pilar), Adrià Collado (Francisco), Irene Visedo (Paloma)
Regie: Peter Sehr, Marie Noelle
Drehbuch: Marie Noelle, Peter Sehr, Dominique Garnier


Inhalt

Winter 1937: Madrid wird von faschistischen Einheiten umzingelt und die republikanischen Verteidiger versuchen sich zu wehren. Justo Alvarez Calderon bekämpft den Feind gleich an zwei Fronten: als "Stimme der Revolution" im Radio und direkt in den Schützengräben. Der Glauben an die gerechte Sache und die Liebe zu seiner Faru Manuela und seiner Tochter sind die treibenden Kräfte seines Inneren.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Die Frau des Anarchisten hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
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Kritik

von Harald Witz
Die Frau des Anarchisten hat eine Wertung von 65%
Peter Sehr und Marie Noëlle entpacken ein Stück spanische Zeitgeschichte: Die Frau eines Wortführers der kommunistischen Freiheitskämpfer erlebt den Spanischen Bürgerkrieg und den Widerstand gegen den Putsch der faschistischen Franco-Anhänger. Die europäische Koproduktion schwelgt in großen Bildern und Gesten. Dabei erweckt sie ein düsteres Kapitel der Geschichte zum Leben, ohne dabei den Optimismus zu verlieren. Spaniens Vergangenheitsbewältigung bleibt eine gesamteuropäische Angelegenheit.

Bild aus Die Frau des Anarchisten Der spanische Bürgerkrieg bleibt auf der europäischen Kino-Agenda. Die filmische Aufarbeitung der Franco-Ära erfolgt international unter besonderer Mitwirkung der Deutschen, so als ob man sich der besonderen Verantwortung durchaus bewusst wäre. Nach Salvador (2006) mit Daniel Brühl in der Titelrolle legen Peter Sehr und Marie Noëlle ein Liebesdrama vor, das sich den Kampf der Kommunisten um Madrid und den Widerstand der Linken nach dem Franco-Sieg als treibende Kraft herausgesucht hat.

Im Mittelpunkt steht die rassige Manuela (Maria Valverde), die ganz in ihrer Liebe zu ihrem Mann, dem charismatischen Anwalt Justo Alvarez Calderon (Juan Diego Botto), aufgeht. Es ist 1937 und die faschistischen Truppen Francos, unterstützt von den Deutschen, wollen den revolutionären Umtrieben ein Ende setzen. Justo wettert als eloquenter Redner im Radio gegen die Faschisten und sieht sich mit zunehmender Einkesselung der Hauptstadt zum bewaffneten Kampf gezwungen. Zurück bleiben Manuela und die kleine Tochter Paola (Juan Diego Botto), die das ganze Leid der Belagerung, die Säuberungen und Schikanen der Sieger ertragen müssen. In einem Zimmer in Justos ehemaliger Kanzlei sind sie ausgerechnet dem Willen ihres alten Sekretärs Munoz und seiner Familie ausgeliefert, der sein Fähnchen eifrig nach dem Wind hängt.

Nach Jahren der Ungewissheit erhalten sie Nachricht von Justo aus Frankreich. Als Manuela und die mittlerweile 16-jährige Paola endlich ihren Mann/Vater in die Arme schließen können, zeigt sich, dass die Zeit nicht spurlos an der Familie vorbeigegangen ist. Tiefe Gräben und unterschiedliche Lebensläufe machen das Zusammenfinden schwierig. Und da ist noch immer Justos verbissener Kampf gegen die Faschisten. Nach Krieg, Gefangenschaft und KZ kämpft er im Exil zusammen mit der blonden Fliegerin Lenin (Nina Hoss) heimlich weiter. Doch der Wille zum Zusammenleben ist in dieser Familie außergewöhnlich stark.

Der Umgang mit der spanischen Vergangenheit war selten so gegenständlich und offen wie hier in dieser auf wahren Ereignissen beruhenden Geschichte. So pflegte Guillermo del Toros Pan's Labyrinth (2006) noch die schaurige Fantasy, flüchtete sich Altmeister Carlos Saura, beispielsweise mit Der Garten der Lüste (1970) oder Lied der Freiheit (1990), in spöttischen Sarkasmus.

Das Drehbuch, an dem neben Sehr und Noëlle auch Dominique Garnier mitschrieb bemüht in der ersten Hälfte noch einige Ausflüge in schwülstige Romantik, die mit dem Umzug in die Kanzlei einem Kampf ums Dasein weicht. Manuelas Sohn und ihr Bruder sterben, Armut und Hunger werden durch den Krieg immer größer, während die Ungewissheit die Sehnsucht auffrisst. Erst als sie Justo auf einem Photo mit Befreiten aus dem KZ Mauthausen wiedererkennt, keimt Hoffnung auf. Das Team sucht die Balance der Erzählung, indem sie persönliches Drama und historische Ereignisse eng koppelt und die Zuschauer sie vor allem durch die Augen der Protagonistin erleben. So dürfen weder der republikanische Schlachtruf "No pasaran - Ihr kommt hier nicht durch" noch rote Seidennégligés fehlen. Es riecht ein wenig nach Telenovela, und gleichzeitig meint man die Nüchternheit einer Hemmingway-Reportage zu verspüren. Selten kippt die Balance, aber manches Detail (wie die immerzu proppere Maria Valverde) wirkt mitunter zu schön, um Leiden zu verdeutlichen.

Das Regie-Duo versteht es, den Zuschauern die Geschehnisse trotzdem eindringlich nahe zu bringen. Besonders das letzte Drittel, das im französischen Exil spielt und das erneute Zusammenwachsen der Familie in den Mittelpunkt stellt, besticht durch eine sensible Inszenierung, die sowohl die Zerbrochenheit als auch das Überwinden des Trennenden berücksichtigt. Hier und im Duell mit dem opportunistischen Sekretär besitzt das Familienepos seine stärksten Szenen. Was beweist, dass weder Frau Valverde noch Juan Diego Botto nur wegen ihres Aussehens die Hauptrollen erhielten.

Fürs deutsche Publikum darf Nina Hoss eine leidenschaftliche Kommunistin spielen, während Jean-Marc Barr mit Tatkraft die Franzosen zufrieden stellt. Eine europäische Großproduktion eben, die der Komplexität des Faschismus ebenso Rechnung trägt wie dem aufopferungsvollen Kampf für die Freiheit.



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