Sie haben eine große und eingeschworene Fangemeinde: Die kultigen Kinderdetektive mit den "???" auf der Visitenkarte. Und nun sind sie zurück. Diesmal ist es ein sehr persönlicher Fall für den Chef der Truppe. Justus Jonas erfährt überraschend Neues über seine Eltern, das ihren Tod in einem anderen Licht erscheinen lässt. Mehr als genug Motivation sich aufzumachen. Mit naiven Vorstellungswelten ist es so eine Sache: Sie bieten viel Gestaltungsspielraum. Man kann aber übers Ausgestalten auch so viel reinpacken, dass Stimmung und Glaubwürdigkeit den Bach runter gehen.
Ein wenig MacGyver, ein bisschen Mission: Impossible. Und irgendwie kommen die drei, scheint es, mit allem zurecht: Justus Jonas (Chancellor Miller), Peter Shaw (Nick Price) und Bob Andrews (Cameron Monaghan) sind das Detektivteam, dem kein Fall zu schwer ist. An Justus' Geburtstag fällt ihnen ein mysteriöses Videoband zu. Darauf enthalten, Informationen über den wahren Beruf von Justus' Eltern: dachte er bis jetzt, sie wären als Wissenschaftler durch die Welt gereist, erfährt er nun, dass sie (genau wie er) Ermittler waren; der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Seit ihrem letzten Fall, den sie nicht abschließen konnten, sind sie verschollen. Auf dem Tape befinden sich Informationen über ihren letzen Aufenthaltsort: etwas vage, irgendwo in Nordkalifornien.
Alles kein Problem. Etwas Satelliten-Triangulation und schon lotst das GPS-Gerät die drei punktgenau zum Ziel: mitten in einem einsamen Wald gelegen, das Spukschloss des zwischen Genie und Wahnsinn tendierenden Erfinders Stephen Terill. Zutritt natürlich strengstens verboten. Das macht ihnen sofort der ebenfalls in diesem Wald lebende Sheriff Hanson (Jonathan Pienaar) klar. Ein recht ungemütlicher Geselle, der den dreien sehr deutlich ans Herz legt, sich schleunigst auf die Heimreise zu machen. Weit gefehlt: Natürlich betreten die drei das Schloss und stellen mit Grauen fest, dass es dort wirklich zu spuken scheint; Poltergeist-like. Die Tochter des Sheriffs Caroline (Anette Kemp) geistert ebenfalls im Haus umher, erfreut sich aber bester Gesundheit. Vater und Kind sind irgendwie in den Fall verstrickt und haben einiges zu verbergen. Zum Glück ist die Tochter des Gesetzeshüters gerade dabei, sich mächtig in einen der Detektive zu vergucken. Ob die drei über diese Schiene an die Wahrheit gelangen?
Kaum zwei Jahre ist es her, dass mit Die drei ??? und das Geheimnis der Geisterinsel das Kultteam der drei Kinderdetektive den Sprung auf die große Leinwand schaffte. Schon steht der nächste Streifen auf der Matte. Die Geburt als Roman feierte die Serie bereits in den 60ern. Erfinder und Autor, der Journalist Robert Arthur, wollte ursprünglich für Kinder einen anspruchsvollen Mystery-Mix kreieren: etwas Krimi, ein wenig Grusel. Der Erfolg gab ihm Recht. Auch in Deutschland eroberten zuerst die Bücher und später die Hörbücher die Kinderzimmer und sicherten eine feste Fangemeinde. So lockte das erste Abenteuer der drei Detektive nahezu eine Million Zuschauer in die Kinosäle. Kein Wunder, dass die erfolgreiche Kuh noch ein bisschen gemolken werden soll.
Gingen die Meinungen der Kritiker über den ersten Teil - gelinde gesagt - auseinander, wähnten die Macher die drei Protagonisten nun im passenden Alter, um etwas "reifere Komik" in das Geschehen zu bringen. Das mag gelegentlich auch gelungen sein. Die restliche Zeit, fragt man sich aber nur: "Wovon faseln die da eigentlich?" Gelegentlich ist es so schlimm, dass die drei auch mit dem Drehbuch in der Hand voreinander stehen und sich die Handlung gegenseitig vorlesen könnten. Warum einen Film machen, wenn es auch ein Hörbuch mehr getan hätte? Bringt eindeutig mehr Geld!
Wer schreibt solche Dialoge? Und legt sie netten Kindern in den Mund. Da stehen die drei voreinander, so am Anfang der Pubertät und quatschen ein Zeug, wie 18-Jährige Nerds. Von der Kassette, heutzutage CD oder gleich Mp3, mag das ja Sinn machen und hilft sich die Handlung plastischer Vorstellen zu können, aber im Kino? Ob als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener, man fühlt sich schon etwas ver... na was wohl? Der schrullige Sheriff haut dann dem Fass ganz den Boden raus: Diese Figur ist derart darauf getrimmt, das zu sein, was immer sie darstellen soll, dass es einfach zum schreien und unfreiwillig komisch ist. Jenseits einer einstelligen Alterszahl bringt der Spießgeselle kein Bedrohungspotenzial mit sich.
Was bleibt ist eine, zugegebenermaßen hanebüchene, aber temporeiche und zuweilen überladene Story. Ein gagreicher, Micky-Maus-detektivischer Plot, der nur selten mit seinen Pointen wirklich überzeugen kann und drei Jungdarsteller, die vor lauter Textaufsagen-Müssen kaum zum Schauspielern kommen. Ob diese Konstruktion dem nahe kommt, was in mehreren Dekaden in den Köpfen der Fans an Vorstellungswelten erschaffen wurde, ist durchaus zu hinterfragen. Für Kinder im vorpubertären Segment mag aber der technische Schnick-Schnack und die Gadgets der Detektive (alles sehr zeitgemäß) sowie die Gruseleffekte, durchaus ein Aha-Erlebnis mit sich bringen.