Rundes Drama mit komödiantischen, leicht skurrilen Einschlägen und herrlichtraurig-schrägem Setting. Hervorragende Schauspieler, sehr gelungene Dramaturgie. Etwas langsam und ein paar kleine Hänger im Mittelteil, doch definitiv ein Tipp für den etwas anderen Abend. Wie weit ist man selbst bereit zu gehen, um seine Existenz zu sichern?
Es braucht keine Wirtschaftskrise, um in finanzielle Probleme zu geraten. Genau dies ist den Schwestern Rose und Norah passiert, und nun krebsen sie mehr schlecht als recht durch den tristen amerikanischen Alltag. Norah lässt sich antriebslos von Job zu Job feuern, während Rose, die ihren Sohn Oscar ernähren muss, sich etwas besser diszipliniert und immerhin putzen geht. Ein Aha-Erlebnis hat Rose eines Tages im Haus einer ehemaligen Klassenkameradin: Sie, die ehemalige Cheerleaderin, die mit dem begehrten Quarterback zusammen war, putzt dieser Tage für eines der Mauerblümchen von damals, das sich einen guten Maklerjob und einen zahlungskräftigen Mann geangelt hat. Da Rose auch noch eine Freundschaft mit Privilegien für ihre heimliche Leidenschaft Mac stellt (der seine Frau jedoch nie für sie verlassen wird), fühlt sich die junge Mutter bald restlos ausgenutzt. Doch von Mac kommt immerhin auch die Idee für den Ausweg aus dieser Misere: Die Eröffnung einer Putzfirma. Einer Putzfirma für Tatorte.
Von der hervorragenden Bezahlung motiviert, rekrutiert Rose ihre unwillige Schwester, und zusammen tauchen sie bald beim ersten Job auf. Schnell müssen die beiden feststellen, dass normale Haushaltsreiniger und ein paar Müllsäcke nicht ausreichen, um einen Ort, an dem jemand brutal ermordet wurde oder wochenlang verrottet ist, wieder sauber zu bekommen. Doch Rose lässt sich nicht entmutigen und findet in Winston, der einen Fachmarkt für professionelle Reinigung betreibt, einen heimlichen Verbündeten. Als aber Norah in ihrer leichtfertigen Art ein hammermäßiger Fehler unterläuft, steht die Firma "Sunshine Cleaning" am Rande des Abgrundes.
Der größte Fehler, der bei der Vermarktung dieses Films gemacht werden kann, ist, ihn in irgendeiner Weise mit Little Miss Sunshine in Verbindung zu bringen. Ja, Alan Arkin spielt in beiden Filmen mit, und es gibt auch hinter den Kulissen einige gemeinsame Teammitglieder, doch kann der eine keinesfalls im Fahrwasser des anderen mitgerissen werden. Nicht, dass Sunshine Cleaning kein guter Film wäre. Aber er ist eben keine skurrile Komödie mit Tiefgang, sondern ein Drama mit komödiantischen Lichtblicken, und das ist etwas völlig anderes.
Die tiefe Not, in der Rose, Norah und auch ihr alternder Vater Joe stecken, siedelt den Film auf einer ernsthaften Ebene an. Die heruntergekommene westliche Wirtschaft und ihre allgegenwärtigen Opfer spielen die eigentliche Hauptrolle, und der Spross, den die Spezialreinigungsfirma "Sunshine Cleaning" in dieser tristen Landschaft treibt, ist es wert, Beachtung zu finden. Doch eine Komödie ist der Film auf keinen Fall.
Wer dem Film ohne ein Vorurteil dieser Art entgegentritt, wird nicht enttäuscht werden. Denn Amy Adams, Emily Blunt und Alan Arkin spiegeln die Verzweiflung der Wirtschaftsopfer hervorragend wider. Insbesondere letzterer, dessen Figur des Joe mit immer neuen Bauchladentricks versucht, doch noch etwas Kohle zu machen, und der auch im Alter noch nicht erkannt hat, dass es heute Lieferdienste, das Gesundheitsamt und strenge Vorschriften gibt. Fliegende Händler und Kofferraumverkauf sind Dinge der Vergangenheit, was bei Joe noch nicht angekommen ist.
Ein ruhiger, schöner Film mit leicht beißendem Anstrich. Wer absolut kein Blut sehen kann oder sich schnell ekelt, sollte den Film nicht unbedingt ansehen, obwohl er nicht viel mehr Körperflüssigkeiten aufweist als jeder zweite Krimi. Für alle anderen einmal ein anderer Blick auf die mordlüsterne Gesellschaft im Kino.