Stimmungsvolles Skurrilitätenkabniett im österreichischen Outback, bevölkert mit Paradiesvögeln und Originalen mit Seelen verdreht wie Nusswurzelholz. Der Besuch Brenners als einzigem Städter ermöglicht dem Publikum einen Blick von außen auf das Geschehen, dessen Zusammenhänge sich nur langsam erschließen, aber nicht minder wuchtig einzuschlagen vermögen. Geheimtipp für Freunde des besonderen Kinos, eher ungeeignet für die breite Masse.
Exkommissar Brenner verdient sich ein wenig Geld hinzu, indem er Mahnungen eines Autoleasingunternehmens zustellt und gegebenenfalls auch mal den einen oder anderen Wagen einkassiert. Brenner hasst den Job, und er kann seinen Chef und Freund auch nicht unbedingt leiden, und nur durch ein dummes Missverständnis am Telefon kriegt er doch noch einen neuen Auftrag reingewürgt. Ein Mann namens Horvath hat seine letzte Rate nicht bezahlt, also muss Brenner aufs Land fahren, was für einen Wiener eine Zumutung ist, und ihn finden. Doch Horvath ist verschwunden, nur seine gut gefüllten Koffer sind noch da. Der Ex-Polizist wittert ein ernsteres Problem und beschließt spontan, über Nacht im Löschenkohl, einem Backhendlrestaurant, das auch Horvaths Adresse ist, zu bleiben.
Als der Sohn des Wirtes, ein Verlierertyp, spitzkriegt, dass Brenner einen kriminalistischen Spürsinn hat, will er ihn für eine ordentliche Summe auf ein Geheimnis ansetzen: Sein Vater, Inhaber und Wirt des Löschenkohl, scheint Geld in großen Summen zu veruntreuen. Warum, weiß er nicht. Weil er aber eines Tages die Wirtschaft übernehmen will und dies schuldenfrei, soll Brenner recherchieren. Dieser nimmt den Auftrag an und stößt auf einen äußerst skurrilen Filz von Verknüpfungen aller Art. Da gibt es Prostituierte und Zuhälter, eine Hühnerfarm und Knochenmehl, einen Maskenball und diverse sexuelle Verschlingungen, sowie Erpressung, Mord und Totschlag, bis Brenner kaum noch weiß, wo ihm der Kopf steht.
Wieder einmal eine hervorragende Verfilmung eines Wolf Haas-Romans. Nach Komm, süßer Tod und Silentium serviert Kult-Kabarettist Josef Hader in seinem dritten Auftritt als Brenner unter der Regie von Josef Murnberger wieder einmal die Filetspitzen österreichischer Leidenskunst und menschlicher Selbstaufgabe. Es wäre vermessen, mehr über die Handlung zu erzählen, denn auch wenn die triste Landschaft und das kühle Klima die Zuschauer scharenweise aus dem Saal treiben sollten, so hält die lakonische Gesamtstimmung das Publikum gekonnt im Bann, und stets befindet sich irgendeine kleine Frage in der Cliffhanger-Phase, so dass der Film einen absolut zu packen vermag.
Ein absoluter Geheimtipp für Freunde des österreichischen Films, Haas-Leser, Hader-Fans sowie Liebhaber schräger Typen, skurriler Settings und menschlicher Dramen in der Einöde. Wirklich empfehlenswert - wenn man etwas Ruhe und Gelassenheit mitbringt, denn der Spannungsaufbau erfolgt sehr langsam.