Wie alle Filme Dumonts ist auch L'Humanité ein sehr ruhiger Film, mit langen Einstellungen und einer einfachen, etwas merkwürdigen aber an sich unspektakulären Geschichte. Doch für sich genommen funktioniert L'Humanité und teilweise weiß der langsame Erzählstil Dumonts zu gefallen. Leider ist der Film aber mit 146 Minuten unnötig lang und eigentlich auch viel zu unspektakulär, um den hohen selbstgesteckten Zielen gerecht zu werden.
Bruno Dumont ist und bleibt ein umstrittener Regisseur. Sein langsames bis langweiliges Kunstkino ist wahrlich nicht jedermanns Sache. Will und muss es auch nicht sein. Doch wenn man sich dazu entschließt, seine Zeit einem Film zu widmen, so möchte man auch etwas geboten bekommen, etwas mitnehmen, erleben, oder zumindest unterhalten werden. In seinem gähnend langweiligen Twentynine Palms hatte Dumont nichts dergleichen zu bieten. Acht Jahre zuvor, man schrieb das Jahr 1999, erschien mit L'Humanité ein ganz typischer Dumont. Langsam, karg, sperrisch. Doch in gewisser Weise bringt dieser Film auch eine ganz eigene Faszination mit sich.
Er ist weder spannend, noch sonderlich unterhaltsam, schafft es aber unglaublicherweise, trotz der gewaltigen Spieldauer von 146 Minuten, nicht langweilig zu werden, ist aber in jeder Minute ganz kurz davor. Die drei Protagonisten haben etwas geheimnisvolles, dem Zuschauer ist klar, dass etwas nicht stimmt, ein wenig unheimlich wirkt das Verhältnis der Drei. Im Grunde hält nur die Neugier den Zuschauer bei Laune und am Ende wird dieser dann doch enttäuscht. Das ist wirklich Schade und bringt den Film um einiges, hätte doch ein packendes Ende der ganzen Vorgeschichte Sinn geben können, doch so dominiert hinterher der Eindruck, dass in diesem Film einfach nichts los war.
Die Geschichte an sich hätte man auch in einem Film von 30 Minuten Länge transportieren können, die restlichen zwei Stunden gehen im Grunde genommen für die filmischen und ehrzählerischen Spielereien Dumonts drauf, ohne die der Zuschauer sicherlich auch glücklich geworden wäre. Verwunderlich sind einige konfus bizarre Szenen, die man wieder einmal nach belieben interpretieren kann, aber einfach nicht so recht die Erleuchtung finden will.
Zu guter letzter ist L'Humanité ein halbwegs interessanter Film, den man weder gesehen haben, noch gut finden muss. Wenn man sich jedoch dazu entschließt, sich durch diesen sehr sehr langen Film zu kämpfen, fühlt man sich aber dennoch um ein ganz klein wenig Filmerfahrung reicher, denn der eigene Stil Dumonts funktioniert letztlich in L'Humanité doch irgendwie. Man kann über den Film durchaus geteilter Meinung sein, sicher ist allerdings, dass man die beinahe zweieinhalb Stunden Spielzeit wesentlich sinnvoller nutzen könnte.
L'Humanité ist nicht in Deutschland erhältlich. Lediglich in Frankreich und den USA steht die DVD im Laden, allerdings nur auf Französisch mit englischen Untertiteln, was den Zugang zusätzlich erschwert. Die hohen Importkosten werden wahrscheinlich ohnehin nur für sehr ambitionierte Sammler die Anschaffung des Films wert sein.