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Che - Guerrilla

(Che: Part Two, 2008)

Dt.Start: 23. Juli 2009
DVD: 11. Dezember 2009
Premiere: 21. Mai 2008 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Dokumentation, Krieg
Länge: 133 min Land: USA
Darsteller: Demián Bichir (Fidel Castro), Rodrigo Santoro (Raul Castro), Benicio Del Toro (Ernesto Che Guevara), Catalina Sandino Moreno (Aleida March), Maria D. Sosa (Aledita), Othello Rensoli (Pombo), Franka Potente (Tania), Norman Santiago (Tuma), Joaquim de Almeida (President René Barrientos), Pablo Durán (Pacho), Ezequiel Diaz (Loro), Juan Salinas (Polo)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Peter Buchman, Benjamin A. van der Veen


Inhalt

Nach seiner misslungen Guerilla-Mission im Kongo taucht Ernesto Che Guevara unter und verschanzt sich unter anderem in Prag. Während Kubas Präsident Fidel Castro einen Brief von Guevara öffentlich vorliest, in welchem dieser seinen Ministerposten und seine kubanische Staatsbürgerschaft zurückgibt, reist Guevara selbst Ende 1966 getarnt nach Bolivien. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe Guerillas will er die Militärdiktatur von Barrientos stürzen, muss aber schon bald feststellen, dass die Situation nicht dieselbe ist, wie sieben Jahre zuvor in Kuba.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Che - Guerrilla hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 56%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Florian Lieb
Che - Guerrilla hat eine Wertung von 56%
Sowohl die Bildsprache als auch der Inhalt lassen Soderberghs zweiten Teil seiner Che-Guevara-Biographie zur Spiegelseite des ersten Teiles werden. Konsequent werden Guevaras Ideale weitergesponnen, wie sie Che - Revolucion angedeutet hat. Soderbergh hüllt das Scheitern seines Symbols in blasse Bilder, die in ihrer Trostlosigkeit nichts mehr von dem farbenfrohen Optimismus des ersten Filmes versprühen. Dass der Regisseur seinen Helden Che plötzlich zur Nebenfigur degradiert, macht Che - Guerrilla noch unzugänglicher als seine sprichwörtliche bessere Hälfte.

Bild aus Che - Guerrilla Ein deutliches Merkmal von Soderberghs zweitem Teil seiner Che-Biographie ist die bereits in Che - Revolucion angewendete Sprunghaftigkeit. Zu Beginn ist es eine Texttafel, die dem Publikum erklärt, dass Guevara nach seiner Guerilla-Mission im Kongo seit einem Jahr untergetaucht sei. Plötzlich spurlos verschwunden. Kurz darauf verliest Castro im Fernsehen Guevaras Abschiedsbrief, in dem er alle seine Ämter niederlegt. Der Übergang vom sich nach Havanna aufmachenden Guevara am Ende des ersten Teils zu diesem im Untergrund lebenden Guevara des zweiten Teils ist hart. Die Prämisse von Che - Guerrilla findet sich dann in der Einleitung von Che - Revolucion, als Guevara in Mexiko-Stadt Castro bei ihrer ersten Begegnung erklärte, er würde ihm bei seiner kubanischen Revolution helfen, wenn Castro ihn anschließend bei seiner lateinamerikanischen Revolution unterstützen würde.

Somit bildet jenes Abendessen vom Juli 1955 die Ausgangsbasis für beide Che-Filme. Wo Che im ersten Teil noch Castro in der Befreiung Kubas unterstützte, widmet sich der Argentinier nunmehr der Befreiung von ganz Lateinamerika - angefangen mit Bolivien. Mit abrasiertem Bart und Haupthaar, als Uruguayer getarnt, reist Guevara nach La Paz. Am 3. November 1966 betritt er Bolivien. Jenes Land, das er zuletzt vor 13 Jahren besucht hatte. Es sind die Erlebnisse aus Ches Studentenzeit, wie sie Walter Salles in Die Reise des jungen Che geschildert hat, die dem Arzt und Guerilla dazu bestreben, das Bauernvolk Boliviens und später auch anderswo von der staatlichen Diktatur befreien zu wollen. Guevara, kubanischer Revolutionsheld und Autor des Buches Der Partisanenkrieg, stellt jedoch schon bald fest, dass die Situation in Bolivien nicht mit der seiner Zeit in Kuba zu vergleichen ist.

Im Folgenden ist Che - Guerrilla dann auch primär eine Spiegelung dessen, was in Che - Revolucion zu sehen war. Die andere Seite der Medaille oder das Yang zum vorherigen Ying. Die Guerilla-Bemühungen wollen nicht wirklich fruchten, eine Akzeptanz bei der Bevölkerung findet nicht statt und die Moral innerhalb der Gruppe ist auch nicht besonders stark. Die Gründe liegen dabei eigentlich auf der Hand und umso erstaunlicher ist es, dass Guevara sie nicht erkannt oder zumindest nicht beachtet hat. Handelte es sich Ende der fünfziger Jahre auf Kuba um Kubaner, die die Regierung stürzen wollten, so ist es verständlich, dass sich die bolivianischen Bauern nicht auf eine Seite mit Ausländern wie Guevara und seinen kubanischen Mitstreitern stellen wollen. Auch die Bolivianer innerhalb der Gruppe akzeptieren Che und Co. mehr aufgrund ihres Namens, denn ihrer Herkunft. Eine Identifikation des Volkes mit den Guerilleros ist somit nicht gegeben.

Ähnlich verhält es sich mit der kommunistischen Partei um Mario Monje, die weder Guevara noch die bolivianischen Guerilleros unterstützen möchte. Ein Widerstand sei nur ohne Waffengewalt möglich, meint Monje und stößt damit auf einen Grundsatz, den Guevara bereits beinahe zehn Jahre zuvor abgelehnt hat. Die Ausgangslage für Ches Guerillabestrebungen waren also schlecht bis unzureichend, selbst wenn sich dieser seinen Optimismus nicht nehmen ließ. Generell läuft in Che - Guerrilla jedoch alles schief, was in Che - Revolucion noch geglückt war. Wobei das eine letztlich das andere bedingt. Das Misstrauen und die Angst der Bauern sorgt für den Ausverkauf einiger Guerilla-Gruppen wie der von Tania, einer ostdeutschen Kommunistin, die versucht zu Guevaras Einheit zu gelangen.

Tania selbst zählt wie eigentlich alle Figuren - einschließlich Guevara selbst - zu den Persönlichkeiten, die wenig bis gar keine Beleuchtung erfahren. Man sieht sie zu Beginn adrett im Kleid und später dann im bolivianischen Dschungel an Ches Seite. Gelegentlich taucht sie in Szenen auf, die jedoch zusammenhangslos zusammengeschnitten sind. Als ihr Jeep geklaut wird und ihre Tarnung auffliegt, verstößt sie Guevara aus dem Camp, in welchem sie einige Einstellungen später dann krank dargestellt wird. Kurz darauf turnt sie wieder mit ihrer Truppe durch den Dschungel. Die wilden Sprünge durch die Chronik der knapp einjährigen Bemühungen in Bolivien machen eine stringente Erzählung unmöglich. Hinzu gesellt sich dann, dass der Fokus dieses Mal weniger direkt auf Guevara selbst, sondern der scheiternden Mission liegt. So verkommt der Titelgebende Held zur Nebenfigur seiner eigenen Geschichte.

Die positive Seite des Ganzen ist, dass Che - Guerrilla weit weniger verglorifizierend daherkommt, als noch der erste Teil. Hier ist Guevara kein Commandante, dem seine Männer blind folgen und tun was er von ihnen verlangt. Der von den Bauern bejubelt wird wie ein Star, sodass sein Kumpel Camillo ihn wie eine Attraktion durchs Land kutschieren möchte. Seinen Traum, Lateinamerika zu einen, unter einer gemeinsamen freien Gesinnung, zerbricht hier. Die Bauern akzeptieren ihn nicht, die Bolivianer vergrößern nicht das Guerilla-Kontingent und die Straßenschlachten verlaufen nicht glimpflich. Als Kontrast zu den farbenfrohen Bildern des saftig-grünen kubanischen Dschungels wirkt Bolivien nun eher trostlos. Einige nette Landschaftsaufnahmen trösten nicht darüber hinweg, dass diese Revolution unter einem sehr viel ungünstigeren Stern steht, als die Kubanische.

Die negative Seite ist, dass der Film nun relativ dröge ist. Erneut vermisst man den Einblick in Ches Innenleben, was er denkt, wie er mit der Situation umgeht. Stattdessen präsentiert Soderbergh eine gefilmte Abfolge von Ereignissen, die oft scheinbar wahllos oder unzusammenhängend aneinander geschnitten sind, wie man es im Vorjahr schon bei Uli Edels Der Baader Meinhof Komplex feststellen musste. Das ist zwar schön und gut, erlaubt jedoch wenig Zugang zur Materie in seiner Form eines in Bilder umgesetzten Geschichtsbandes. Zudem fällt es einem schwer, sich um Charaktere wie Tania oder Régis Debray - einen kommunistischen französischen Journalisten - zu scheren, wenn man diese für den Zuschauer in keinen Kontext einordnet. Alles reißt Soderbergh kurz an - hierzu gehören auch Präsident Barrientos und vor allem die CIA und ihre Involvierung -, ohne die Zusammenhänge greifbar zu machen. Erneut ist also Vorkenntnis gefragt, um das, was man auf der Leinwand sieht, verstehen, nachvollziehen und einordnen zu können.

Zur allgemein schlechteren Darstellung gesellen sich dann auch Soderberghs weniger imposante Kamerafahrten (wieso er für die Autofahrt zu Beginn die SteadiCam benutzt, weiß wohl nur er selbst) sowie Alberto Iglesias' kaum vorhandene musikalische Untermalung. Im Vergleich zu Che - Revolucion entfernt sich Soderbergh noch mehr von seinem Protagonisten, sodass die stark subjektive Sicht des ersten Teils durch eine beinahe schon desinteressierte "objektive" Sicht ausgetauscht wird. Vermochte es Buchman zuvor kein neutrales Bild von Guevara zu zeichnen, so bemüht er sich nunmehr nicht einmal, überhaupt eines zu entwerfen. Che ist anwesend, aber wirkt neben Inti, Urbano und Co. lediglich wie einer von vielen. Insofern misslingt die wenn auch in Ansätzen gelungene Dekonstruktion eines Symbols, das im Nachhinein wohl an seinen eigenen Idealen scheitern musste. Letztlich vermögen weder Che - Revolucion noch Che - Guerrilla dem Mann oder dem Symbol Ernesto Che Guevara wirklich gerecht zu werden.



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