Es ist ein Irrglaube zu denken, viele klassische Elemente in einem Film zu vereinen, schafft wieder einen Klassiker. Offensichtlich aber erliegen Filmemacher dieser Versuchung gerne, stehen anschließend staunend vor dem großartigen Werk und wundern sich über mangelnden Beifall. Trotz liebevoller Hommage und fein gestalteter Gag-Collage stellt Mord ist mein Geschäft, Liebling nichts weiter als eine Aneinaderreihung von altbekannten Motiven aus den Meisterwerken vergangener Tage dar. Für ein paar amüsante Augenblicke eben so ausreichend.
Ein bisschen Screwball-Komödie, ein wenig Killer-Klamotte, garniert mit allerlei bekannten Motiven, abgeschmeckt mit zwei abgetakelten Italostars und mit, zugegebenermaßen, der wunderschönen Musik eines Dean Martin gekrönt, fertig ist das neueste Comedy-Süppchen aus deutschen Landen. Da sich die Macher aber um eine vernünftige Antwort über den Sinn des Ganzen gedrückt haben, sammeln sich Fragezeichen in den Köpfen der Cineasten älteren Semesters, die sehr wohl die Anspielungen auf die großen Klassiker verstehen und sich fragen, was diese wilde Mischung eigentlich Neues bringen soll?
Toni Ricardelli (Rick Kavanian) ist ein Gentlemen-Killer der alten Schule: elegant, effizient, überaus verlässlich und dabei immer höflich. Ein Mann, der jeden Job erfolgreich zu Ende bringt. Und Ricardelli mag sogar seinen Job: Gute Bezahlung, flexible Arbeitszeiten, und man hat viel mit Menschen zu tun. Es gibt nur einen Haken an der Sache: Ricardelli ist eine grundehrliche Seele und erzählt jedem, der ihn nach seinem Job fragt, was er in Wirklichkeit macht. Insbesondere bei der holden Weiblichkeit kommt das nicht besonders gut an. Und so löst sich manch ein Date in Wohlgefallen auf. Niemand ist halt vollkommen. Nicht mal ein perfekter Profi-Killer.
Ricardellis aktueller Job verschlägt ihn nach Italien. Er soll den populären, aber öffentlichkeitsscheuen, Autor Enrico Puzzo (Franco Nero) liquidieren. Der hat gerade ein Enthüllungsbuch in der Mache, das auf keinen Fall zur Veröffentlichung gelangen darf. Puzzo gehörte ehemals selber zur Mafia. Durch seinen Roman würden die Köpfe des organisierten Verbrechens enttarnt werden können. Er muss also verschwinden. Für Ricardelli keine große Sache; nur just mitten in der Entsorgung taucht die schusselige Verlagsmitarbeiterin Julia Steffens (Nora Tschirner) auf. Sie soll Puzzo samt Manuskript pünktlich zur Pressekonferenz der Buchpräsentation bringen. Da Puzzo nun gerade verhindert ist und Julia Ricardelli für den Autor hält und dieser voll auf Julia abfährt, gibt sich Ricardelli als Puzzo aus. Damit fangen die Schwierigkeiten erst richtig an: Wenn Ricardelli sich als Puzzo ausgibt, ist der offiziell noch am Leben, und da gibt es einige, die etwas dagegen haben.
Man wollte den Geist des klassischen Hollywoods einfangen. Den Flair von Filmen wie Bettgeflüster, Ein Hauch von Nerz, Pyjama für zwei, mit Stars wie Doris Day, Rock Hudson und Cary Grant. Modernisiert sollte das Ganze werden, für heutige Generationen zugänglich gemacht. So die Zielsetzung. Ein gewagtes Unterfangen. Diese Klassiker haben in ihrer Zeit genial funktioniert und den Nerv des Publikums getroffen, da sie eben diesem Zeitgeist entstammen. "Modernisieren" geht da nicht ohne weiteres. Vielleicht war in diesem Falle nur bezweckt, die alten Motive mit den Heutigen zu mischen. Letzten Endes findet man sich aber in einem Sammelsurium filmischer Epochen wieder und stolpert von romantischen Szenen, die mitten aus einem Doris-Day-Film stammen könnten, in "Pistolen-Slapstick" a la Der Rosarote Panther (das Original wohl gemerkt, nicht das Remake) und landet in der "Moderne". Angekommen ist man sich nicht mehr ganz sicher, was nun imitiert, was parodiert und was persifliert werden sollte.
Schnitt, Schurkencharaktere und Kamerafahrten wie aus einem Guy-Ritchie-Werk, Martial-Arts-Kloppereien im Niemandsland zwischen Bond-und-Bourne sowie beliebigem Jet-Li-Film. Und Anspielungen entweder auf Der Pate oder Leon - Der Profi. Man darf es sich aussuchen. Die Rekrutierung zweier Legenden der Spaghetti-Filmszene mit Franco Nero und Bud Spencer, sollte wohl in Kombination mit all diesen Motiven dem Film etwas Anspruch verleihen, macht ihn aber eher absonderlicher und wirkt etwas abgeschmackt. Es scheitert schon daran, dass Nero sehr schnell wieder abtritt und Spencer wie eine drittklassige Parodie eines Mafiadons wirkt.
Was bei all der Nörgelei bleibt, sind, wenn man über alles andere hinwegsehen möchte oder die Anleihen aus den Vorbildern gleichgültig erscheinen, viele aberwitzige Situationen mit zuweilen sehr skurriler Komik. Man kann sich also amüsieren. Ein wenig ist Mord ist mein Geschäft, Liebling wie die Bully-Parade auf Ecstasy - nur ohne Michael Herbig. Dafür ist Christian Tramitz an Bord und mimt einen Killer mit bayerischem Akzent und ausgeprägtem Familiensinn. Nora Tschirner, die vor nicht allzu langer Zeit mit Keinohrhasen einen großen Erfolg landete, wirkt wieder mal hinreißend und jeder Mann würde sich glatt in die schusselige Schöne, die sie mimt, auf der Stelle verlieben. Sie schafft es dem Film tatsächlich so etwas wie Charme zu verleihen, aber auch sie ist keine Doris Day. Wer solch wilden Slapstick mag, mangelndes Tempo kann man dem Film wirklich nicht vorwerfen, wird seinen Spaß haben. Allen anderen seien die Originale empfohlen.