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Kleine, herzliche Komödie über einen nicht mehr ganz jungen italienischen Sohn, der bei seiner Mutter wohnt und drei weitere Seniorinnen für eine Nacht unterbringen muss. Durch ihre Nicht-Übertriebenheit und den stets gemächlichen Schritt entwickelt die Komödie ihre Attraktivität auf ganz unangestrengte Weise. Ein Film wie der Genuss eines Gläschens italienischen Weines in der Nachmittagssonne, gemütlich draußen in der Gasse sitzend.
Gianni hat es nicht leicht: Er ist Junggeselle, kinderlos, auf die 60 zugehend und noch (oder wieder) bei Muttern wohnend. Die alte Dame hält ihn ganz schön auf Trab: Gianni kümmert sich fortwährend um sie, muss sie mit den drei Musketieren in den Schlaf lesen, und verbringt jede Nacht auf Rufbereitschaft, sollte etwas passieren. Die Wohnung in einem der schöneren Teile Roms liegt in einer zauberhaften Gegend mit Kopfsteinpflaster, Torbögen und Hinterhöfen, natürlich kennt jeder Gianni und seine Mutter. Und manche nur zu gut: Gianni kann nicht arbeiten gehen wegen seiner Mutter, er muss überall anschreiben lassen und hat seit drei Jahren keine Stromrechnung mehr bezahlen können. Der Hauswart ist auch nicht unbedingt froh um die Situation (ebenso wenig die anderen Hausbewohner), doch er versucht einmal mehr, bei Gianni und seiner alten Mama ausstehende Kosten einzutreiben.
Als Gianni wieder einmal nicht zahlen kann, macht der Hauswart ihm einen Vorschlag: Da Gianni doch sowieso immer zuhause ist und sich um seine Mutter kümmern muss, wäre es doch vielleicht möglich, wenn er auch auf des Hauswarts Mutter aufpassen könne, nur für eine Nacht, bis morgen Nachmittag. Denn morgen ist Ferragosto, ein großer Feiertag, an dem alle, die noch mobil sind, zur Zerstreuung aufs Land oder ans Meer fahren. Als Gianni zögert, reduziert der Hauswart, der offensichtlich unbedingt ein paar freie Stunden braucht, dessen Schulden und steckt ihm noch hundert Euro zu. Wer könnte dazu schon nein sagen? So kommt es, dass Gianni plötzlich zwei alte Damen umsorgen darf. Doch halt, durch weitere kleine Bosheiten des Schicksals sind es plötzlich vier Seniorinnen geworden, die in der kleinen Wohnung untergebracht werden müssen.
Der sonst so ruhige und entspannte Gianni stellt bald fest, dass ein Sack Flöhe kaum anstrengender sein könnte als vier alte Damen. Während die eine ungefähr gar kein Nahrungsmittel mehr verträgt, redet sich die andere lautstark selbst in den Schlaf, die dritte hat sich in ihr Zimmer eingeschlossen. Gianni ist dem Wahnsinn nahe, erträgt jedoch mit stoischer Gelassenheit alle Extravaganzen, auf dass morgen der Spuk doch bitte ein Ende habe.
Es gibt eine Menge Filme, in denen Senioren und Seniorinnen verwirrt umhertattern und unfreiwillig allerhand Unheil stiften. Doch selten werden die Senioren dabei mit Würde beleuchtet, in den meisten Fällen sieht man nur Opas und Omas beim Verlieren des Gebisses oder bei anderen Peinlichkeiten auf der Leinwand. Hier jedoch erhält jede Seniorin genug Spielraum, um ihre Figur auf passende Weise auszubauen und zu schmücken. Es gibt keine entwürdigenden Situationen und keine peinlichen Gags, sondern nur herrlich schrullige Omas, die nicht anders können, als nach ihren versteiften Charakterzügen zu entscheiden.
Das Festmahl im August ist eine herrliche kleine Komödie voll von italienischem Lokalkolorit und ohne große Kino-Ambitionen. Ein Kammerspiel gewissermaßen, doch dank Giannis regelmäßige Fluchten vor die Tür kein eingesperrter Film. Vom seelenruhigen Spiel des gutmütigen Gianni können sich eine Menge Schauspieler eine Scheibe abschneiden. Die alten Damen erobern sich die Herzen der Zuschauer mit ihrem erfahrenen Charme und ihren schrulligen Eigenheiten im Sturm. Bitte nicht missverstehen: An Giannis Stelle würde jeder andere auch bald durchdrehen, doch bietet die Leinwand den perfekten Abstand, um das Chaos schmunzelnd zu beobachten.
Besonders positiv fällt auf, dass keine übertriebenen Szenarien inszeniert werden. In einem Hollywoodfilm würde sicherlich eine Oma im Rollstuhl einen Berg hinunterrollen, doch in diesem Film ist nichts von solchen Übertreibungen zu spüren. Die Seniorinnen wissen sich zu benehmen, und ihre Macken zeigen sich auch so. Zum Beispiel im Handtuch, mit dem ein mitgebrachter Kuchen bedeckt wurde. Charmant und zu Genießen übrigens auch im italienischen Original mit Untertiteln, da bereits einfachste Italienischkenntnisse ausreichen, um der Handlung zu folgen. "Gianni!" - "Mamma!" versteht wirklich jeder, und so herrlich liebevoll wie die Italiener wird kein Deutscher jemals einen Satz betonen können. |