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Hilde

(Hilde, 2009)

Dt.Start: 12. März 2009
DVD: 02. Oktober 2009
Premiere: 13. Februar 2009 (Berlinale, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 137 min Land: Deutschland
Darsteller: Heike Makatsch (Hildegard Knef), Dan Stevens (David Cameron), Monica Bleibtreu (Else Bongers), Michael Gwisdek (Karl Gröhn), Hanns Zischler (Erich Pommer), Anian Zollner (Ewald von Demandowsky), Trystan Pütter (Kurt Hirsch), Johanna Gastdorf (Frieda Knef), Sylvester Groth (Boleslaw Barlog), Roger Cicero (Ricci Blum)
Regie: Kai Wessel
Drehbuch: Maria von Heland


Inhalt

Sie war eine der größten Persönlichkeiten in der Kultur des Nachkriegsdeutschland: Hildegard Knef. Mit ihren Filmen schaffte sie durch ein Angebot des Produzenten David O. Selznick den Sprung nach Hollywood und war ab Mitte der 50er Jahre dort als Broadwayschauspielerin und Sängerin sehr erfolgreich. Ende der 70er Jahre, nach Jahren des Pendelns zwischen Deutschland und den USA, begann ihr Stern allerdings zu sinken und schließlich verschuldete sie sich hoch.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Hilde hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 68%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Hilde hat eine Wertung von 68%
Die Knef, wie sie bezeichnet wurde, war vieles und wurde vielfach gescholten, aber auch oft umjubelt. Machte als Schauspielerin Karriere in Deutschland, kehrte der Republik den Rücken, suchte ihr Glück in Hollywood und scheiterte. Kehrte wieder zurück und sorgte sofort wieder für Aufruhr. Verlies Deutschland abermals und kehrte erst wieder, als sie sich neu erfunden hatte. Eine schillernde Persönlichkeit, der nun, verkörpert von Heike Makatsch, ein filmisches Denkmal gesetzt werden sollte, das aber zu oberflächlich und collagenhaft inszeniert ist, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Bild aus Hilde Als Mann getarnt, in Uniform mit Gewehr und Stahlhelm, zieht die junge Hildegard Knef (Heike Makatsch) mit dem Volksturm in den Krieg. Eben noch träumte sie von einer Karriere als Schauspielerin und die Fürsprache, per Brief, des Nazi-Propagandaministers Joseph Goebbels öffnete ihr die Türen der UFA-Studios in Berlin. Jetzt liegt ihre Zukunft, ebenso wie die ganz Deutschlands, in Trümmern. Und dabei hatte Hilde so hart gearbeitet und auch mit den Mächtigen paktiert, wo es nötig war. Männer sollten in ihrem zukünftigen Leben ohnehin, auf die eine oder andere Weise, immer eine große Rolle spielen; vor allem "die Richtigen", die mit den besten Kontakten und dem meisten Einfluss.

Einer der ersten 1943, als die Knef gerade mal 18 ist, der berühmte Filmproduzent und NSDAP-Mitglied Ewald von Demandowsky (Anian Zollner). Natürlich kein Zweckbündnis, alles der Liebe wegen. Die Rote Armee nimmt Berlin ein und die Knef gerät in Gefangenschaft, wird zunächst für einen deutschen Soldaten gehalten. Erst in einem Hospital für Kriegsgefangene lüftet sich das Geheimnis: Hilde arrangiert sich mit dem Arzt. Sie ist jung und schön, hat einiges anzubieten. Später in Berlin und wieder in Freiheit, kämpft sie, wie alle anderen auch, ums Überleben. Den Traum der Schauspielerei verliert sie aber nicht aus den Augen: Hilde besorgt sich eine Bühnenlizenz und der Theaterregisseur Boleslaw Barlog (Sylvester Groth) nimmt sie ins Ensemble auf. Und schon ist ein neuer Gönner zur Stelle: Erich Pommer (Hanns Zischler), der vor seiner Flucht aus Nazideutschland einer der erfolgreichsten Filmproduzenten war, ist von den westlichen Besatzungsmächten eingesetzt worden, um die deutsche Filmindustrie wieder aufzubauen. Mit seiner Hilfe dreht Hilde 1946 Die Mörder sind unter uns und avanciert über Nacht zum Star des deutschen Nachkriegskinos.

Noch ein weiterer Mann tritt in ihr Leben: der junge amerikanische Filmoffizier jüdischer Herkunft Kurt Hirsch (Trystan Pütter). Dieser hat die geeigneten Kontakte in Hollywood. Die beiden heiraten, ziehen nach Kalifornien und Hirsch verschafft Hilde einen Vertrag bei David O. Selznick, dem Produzenten von Vom Winde Verweht. Doch Hollywood entpuppt sich als kein gutes Pflaster für Hilde. Das amerikanische Kino ist noch nicht bereit für einen Star aus deutschen Landen. 1950 kehrt sie wieder zurück und dreht unter der Regie von Willi Forst Die Sünderin. Die Nacktszenen darin verschaffen ihr sofort einen mehr als zweifelhaften Ruhm. In der Öffentlichkeit wird sie regelrecht gebrandmarkt, zur "persona non grata" erklärt. Das verklemmte Nachkriegsdeutschland kann solch liederliche Moral nicht ertragen.

Hier genau hat man plötzlich das Gefühl einen guten Film zu sehen, der die bigotten Moralvorstellungen eines Deutschlands in den 1950ern, das noch lange nicht entnazifiziert ist, an den Pranger stellt. Doch ist es auch etwas befremdlich, wenn Heike Makatsch als Hildegrad Knef plötzlich ausflippt und diejenigen anfaucht, ob sie den vergessen hätten, was vor wenigen Jahren in diesem Land noch passierte und fragt, ob sie nun nichts Besseres zu tun haben, als sich wegen ein wenig nackter Haut so aufzuführen? Bedenkt man, dass die Knef einer ernstlichen Infragestellung ihrer Vergangenheit entgangen ist. Zwar hat sie, als junge angehende Schauspielerin, bestimmt keinen nennenswerten Platz im ehemaligen Regime eingenommen, aber der Protegierung durch Nazigrößen hat sie sich auch nicht gerade verwehrt.

Der Film lässt die Wertung außen vor, blendet aber nichts aus. So mag der Zuschauer sich sein eigenes Urteil bilden. Aber eigentlich ist der Streifen nicht wirklich gut als Biopic geeignet. Wer diese Hildegard Knef nun wirklich war, was sie tief im Inneren antrieb, wird man nicht wirklich erfahren. Es ist mehr eine bunte Biografie-Collage, erzählt mit reichlich Rückblenden über einen Zeitraum von 23 Jahren. Und begonnen 1966, als die Knef (mal wieder) nach Deutschland zurückkehrte. Diesmal als Sängerin, um ihren großen Auftritt in der ausverkauften Berliner Philharmonie zu haben. Die beste Sängerin aller schlechten Stimmen, wie sie auch schon mal tituliert wurde.

Bis dahin war es ein langer Weg; mit Höhen, aber auch von vielen Rückschlägen begleitet. Mehrere Anläufe als Schauspielerin bis der internationale Durchbruch gelingt; mal Ruhm mal Schelte; gescheiterte Beziehungen und Ehen und fortwährend die Suche nach der wahren Bestimmung. Und eben diese Ansätze wären es wirklich wert gewesen, tiefer beleuchtet zu werden. Heike Makatsch müht sich redlich. Hat ein Jahr lang Gesang- und Schauspielunterricht genommen. Kommt der Knef gelegentlich wirklich nahe. Die Raue Stimme, die Gesten, Körperhaltung und Mimik. Gesanglich reicht sie nicht wirklich an das Original heran - nur manchmal, da denkt man wirklich die Knef in der Makatsch auszumachen. Aber alles Mühen reicht nicht aus, wenn die Story, so wie sie zusammenmontiert wurde, nicht mehr hergibt. Das ist wirklich schade, denn hier wurde die Chance vertan, einen großen Film zu machen. So bleibt es bei, mehr oder weniger, plakativ gemusterten Lebensausschnitten, ohne packende Intensität erzählt und ohne eingehende charakterliche Zeichnung der Knef.



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Dt. Start: 07. Okt 2010
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