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Vorstadtkrokodile

(Vorstadtkrokodile, 2009)

Dt.Start: 26. März 2009
DVD: 15. Oktober 2009
Premiere: 26. März 2009 (Deutschland)
FSK: ab 6 Genre: Familie
Länge: 93 min Land: Deutschland
Darsteller: Nick Romeo Reimann (Hannes), Fabian Halbig (Kai), Manuel Steitz (Olli), Leonie Tepe (Maria), Axel Stein (Kevin), Jacob Matschenz (Dennis), Oktay Özdemir (Achmed), Nora Tschirner (Hannes' Mutter), Smudo (Kais Vater), Maria Schrader (Kais Mutter), Martin Semmelrogge (Minigolfplatzbesitzer), Ralf Richter (Polizist), Campino, Esther Schweins, Nicolas Schinseck (Elvis), Robin Walter (Peter)
Regie: Christian Ditter
Drehbuch: Christian Ditter, Martin Ritzenhoff


Inhalt

Hannes wünscht sich nichts mehr als von der coolsten Clique überhaupt, den "Vorstadtkrokodilen", aufgenommen zu werden. Bei der obligatorischen Mutprobe gerät der Anwärter allerdings in Lebensgefahr und wird ausgerechnet von dem im Rollstuhl sitzenden Kai gerettet. Dieser kann sich ebenfalls nichts Größeres vorstellen, als von den Vorstadtkrokodilen aufgenommen zu werden. Doch für die ist Kai nur ein "Spasti". Er wird erst Interessant für die Clique, als er einen nächtlichen Einbruch beobachtet.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Vorstadtkrokodile hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 76%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Vorstadtkrokodile hat eine Wertung von 76%
Für viele, Ende der 1960er oder Anfang der 70er Jahre Geborener, stellten die Vorstadtkrokodile, die erstmals 1977 verfilmt wurden, eine Art Kompass ihres jugendlichen Wertesystems dar. Vor allem aber für Kinder aus der Arbeiterschicht lieferte die Geschichte reichlich Identifikationspotenzial. Nach über 30 Jahren erlebt die Jugendgang mit der zahnbewährten Echse als Wappentier nun ihr cineastisches Comeback. Und auch wenn die neuen Krokos nicht ganz soviel Biss wie die Vorgänger besitzen, weht ein feiner, leicht anarchischer Revivalwind durch die triste Vorstadt.

Bild aus Vorstadtkrokodile Da hängt er wieder: der zehnjährige Hannes (Nick Romeo Reimann), an der Dachrinne einer stillgelegten, abbruchreifen Ziegelei. Und wieder muss ihn die Feuerwehr retten, die der Querschnittsgelähmte Kai (Fabian Halbig) in letzter Sekunde übers Handy verständigt hat, als er die Mutprobe durchs Teleskop beobachtete. 30 Jahre ist es her und als sich inzwischen "in den besten Jahren Befindlicher" führen diese Bilder unmittelbar in die eigene Jugendzeit zurück. Wäre da nicht das unvermeidliche Mobiltelefon, die Handlung hätte auch Ende der 70er oder 80er spielen können. Ansonsten ist alles so wie es sein soll: Bonanza- und BMX-Räder, Vorstadtödnis und gefährliche Spielstätten in halbverfallenen Fabrikruinen. Zeitsprung gelungen - willkommen bei der Jugendbande der Vorstadtkrokodile.

Die "Gang" besteht aus Olli (Manuel Steitz), dem Chefkrokodil; Maria (Leonie Tepe), dem einzigen Mädchen in der Truppe, die so was wie die mahnende Stimme der Vernunft bei dem wilden Haufen ist; Frank (David Hürten), einem etwas ungehobelten Rüpel aus kaputter Familie; Elvis (Nicolas Schinseck), ein Mann weniger Worte, dafür stets Mucke auf den Ohren und die Ambition eines Tages Rockstar zu werden; Peter (Robin Walter), dem ängstlichen Quoten-Nerd und Jorgo (Javidan Imani), dem griechischen Gastarbeitersprössling mit Handyfetisch. Natürlich ist da noch der bereits erwähnte Hannes - bis eben an der Dachrinne hängend - der es gerade erst zu Krokodilehren gebracht hat und Kai. Der hat Hannes zwar das Leben gerettet und würde gerne auch ein Krokodil werden, aber der Rest der Clique will den "Spasti", wie sie ihn unfein titulieren, nicht dabei haben.

Doch Kai hat noch ein Ass im Ärmel: jüngst hat er einen Einbruch beobachtet und notiert wohin die Verbrecher auf ihren Motorrädern geflohen sind. Auf deren Köpfe sind 1000 Euro Belohnung ausgesetzt, die Neu-Krokodil Hannes sehr gut gebrauchen könnte. Seine Mutter (Nora Tschirner) muss ihn alleine großziehen, geht dafür täglich in einem Tankstellenshop arbeiten und versucht irgendwie noch nebenher ihr Studium abzuschließen. Den beiden soll es schließlich eines Tages besser gehen. Zeit also auf Verbrecherjagd zu gehen. Die Spuren führen in die abbruchreife Ziegelei und ebenfalls zu einem der Brüder eines der Krokodile.

Selbst wenn der Streifen eigentlich für ein Publikum so zwischen 10 und 14 Jahren gemacht ist, wird man als Erwachsener, der womöglich mit dem Original groß wurde, ebenfalls sein Vergnügen haben können. Es ist einfach gut gemachtes Jugendkino mit bei weitem besseren Dialogen und wesentlich glaubwürdiger gespielt, als beispielsweise Die Drei ??? - Das verfluchte Schloss. Allerdings konnten die Macher auf einem sehr guten Fundament arbeiten: Der 1977 erschienene, deutsche Jugendbuchbesteller, der sich bis heute 800.000-mal verkaufte, liefert die famose Grundlage für die Geschichte, und dessen erste filmische Adaption gibt die Richtung vor. Nötig war also lediglich eine dezente Modernisierung, ohne den ursprünglichen Charme zu zerstören. Und das ist gut gelungen. Zugeständnisse an die Zeit sind moderne Gadgets wie Handys, Digitalkameras, nachbrennerbetriebene Rollis (wenn da Daniel Düsentrieb nicht die Finger im Spiel hatte), aber das alles ist nahezu vernachlässigbar.

Das Bild, welches Buch und Film zeichnen, ist erwartungsgemäß reichlich klischeebehaftet: Diese Mischung aus Arbeitermilieu- und Vorstadttristes-Studie kann eben nicht mehr liefern, als drinsteckt: Arbeitslosigkeit, Migrantensiedlungen, allein erziehende Mütter, zerrüttete Familien und Kriminalität. Die Stärke der Geschichte ist aber nach wie vor, dass sie auf eine sehr nüchterne und anschauliche Weise mit heißen Eisen wie Ausländer-, Frauen-, und Behindertendiskriminierung umgeht. Das war in den 70ern sicherlich noch notwendiger, hat aber an Aktualität auch heute nichts verloren. Wie ihre Vorgänger, sind die Vorstadtkrokos des 21. Jahrhunderts ebenfalls keine weichgespülten Sockenbügler und erscheinen im heutigen Vergleich, wie ein anachronistischer Gegenentwurf zu einer durch den Computer verweichlichten Generation. Auch wenn einige der Stunts nicht unbedingt nachahmenswert sind, wäre es vielleicht für einen Teil der heutigen Kids nicht verkehrt, sich eine Scheibe bei den Krokodilen abzuschauen. Ein bisschen im Dreck spielen, hat noch niemandem ernstlich geschadet.

Eine kleine Verbeugung ist vor allen Jungdarstellern dafür notwenig, die ihre Sache ausnahmslos gut machen und eine sehr glaubwürdige und charmante schauspielerische Leistung abliefern. Ein paar Fragezeichen wirft allerdings Fanta-Vier Mitglied und Hip-Hopper Smudo in der Rolle des Vaters des gelähmten Kais auf. So recht natürlich wirken dessen Versuche vor der Filmkamera nicht. Viel schlimmer aber Axel Stein als junger Krimineller. Der passt nun so gar nicht in diese Geschichte, da er wie ein Fremdkörper aus einer anderen "Zeitkultur" wirkt. Aber selbst er schafft es nicht, den Film zu kippen. Vorstadtkrokodile ist und bleibt durch und durch empfehlenswert.



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