Mario Barths erster Spielfilm hat zwar ein paar nette Gags zu bieten, ist aber insgesamt in jeder Hinsicht viel zu schwach, um sich aus dem untersten Mittelmaß hervor zu heben. Sowohl die lieblos zusammengeschusterte, vorhersehbare Geschichte, als auch die schwache Inszenierung bewegen sich auf Kinderfernsehfilmniveau und so kann auch Mario Barths sympathische Präsenz Männersache nicht retten. Mario Barth selbst mag zwar auf der Bühne wirklich witzig sein, im Film kommt jedoch sein Humor nicht ansatzweise so gut an. So reiht sich Männersache nahtlos in die ohnehin schon viel zu lange Reihe typischer, deutscher Komödien ein.
Der sympathische Berliner Mario Barth ist schon ein Phänomen: Mit seinem Geschlechterkampf-Konzept wurde er in wenigen Jahren zu einem der größten deutschen Comedians und einem durchweg gefragten Entertainer. Sein Ruhm ist durchaus berechtigt, denn bei seinen Live-Shows ist er ohne Zweifel genial und witzig. Was lag da näher, als seine Berühmtheit zu nutzen und einen eigenen Film auf die Beine zu stellen? Offensichtlich nichts und so trommelte er ein paar seiner Kumpels und Kollegen, wie beispielsweise Dieter Tappert, besser bekannt als Paul Panzer, zusammen, garnierte das Ganze mit ein paar bekannten Gesichtern in Nebenrollen wie Jürgen Vogel (Der freie Wille) und einem Gastauftritt von Sido (Christoph Schlingensief - Die Piloten).
Wenn man sich nun das Endergebnis betrachtet, muss man sagen, dass es hätte schlimmer kommen können. Männersache ist zumindest teilweise unterhaltsam und ein paar nette Kalauer gibt es auch. Ja, es hätte wirklich schlimmer kommen können. Doch auch wenn ein Radrennfahrer bei einem schweren Unfall seine Beine verliert und sich denkt, dass es hätte schlimmer kommen können, weil ja immerhin noch die Arme dran sind, so weiß er dennoch nicht so recht, was er nun mit seinem Rennrad anfangen soll. Die Beine, das sind bei Männersache die tatsächlichen Standbeine eines guten Filmes: Eine gute Story, gute Schauspieler, eine interessante Inszenierung und letztlich bei einer Komödie auch wirklich was zum Lachen. Die Arme, die gerade noch gerettet werden konnten, sind sicherlich ein gewisses Unterhaltungspotential und natürlich Mario Barth an sich, würde dieser fehlen könnte man Männersache nur noch einstampfen. Gut, die Arme sind also dran, laufen kann der Film dennoch nicht.
Wirklich traurig ist dabei, dass so vieles aus offensichtlicher Unwissenheit und Unlust, einen guten Film zu machen, einfach verschenkt wurde. So könnte man die langweilige 08/15 Story, die Männersache zu so etwas wie einem Film machen soll, noch mit ein wenig Motivation und Kreativität in eine gute Richtung lenken, vielleicht sogar eine anspruchsvolle, aber dennoch witzige Charakterstudie formen, aber daran sah ganz offensichtlich niemand eine Notwendigkeit. So bewegt sich der gesamte Film auf allerhöchstens mittelmäßigem TV-Niveau. Auch ist der Titel im Grunde genommen vollkommen irreführend. Männersache schert sich einen Dreck um die Beziehung zwischen Mann und Frau wie sie von Mario Barth bei seinen Bühnenshows dargestellt wird. Lediglich in ein paar kurzen Auftritten von Mario Barths Alter Ego Paul kommen die berühmten, witzigen Alltagskonflikte überhaupt zur Sprache und sind letztlich auch nur ein kleiner Aufhänger für die Story, die dann aber dummerweise in eine komplett andere Richtung gelenkt wird.
Ist Männersache in den ersten Minuten noch locker und durchaus amüsant, geht das Fiasko spätestens dann los, wenn versucht wird, eine Geschichte zu erzählen. Die gesamte Story ist aus dem Baukasten für deutsche Komödien zusammengepuzzelt und um einige Szenen ergänzt, die zwar nicht ins Drehbuch passen und mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun haben, aber irgendwie witzig sein sollen. Das kann nicht funktionieren und ist letztlich derart hohl, dass man sich einmal mehr fragt, wie ein wirklich großartiger Comedian guten Gewissens so einen schwachsinnigen Blödsinn auf die Menschheit loslassen kann. Mario Barth wird derartige Kritik, mit der er wahrscheinlich noch häufiger konfrontiert werden wird, sicherlich nicht stören und wenn dann doch einmal die meckernden Stimmen zu laut werden, kann er immer noch in seinem Geldspeicher tauchen und sich Euroscheine in die Ohren stecken.
Wenn dann die Outtakes, die durchweg witziger sind als der gesamte Film mit seinen Großteils altbackenen Witzchen, vorbei sind, verlässt man das Kino auch nicht erzürnt über das Gesehene. Denn im Grunde genommen dürfte niemand von Männersache überrascht sein. Man erwartet einen kleinen Happen, sehr sehr leichter Kost und das bietet Barths Streifen auch. Wenn man also sein Hirn zu Hause in eine Kiste gesperrt und sich vergewissert hat, dass es auch wirklich nicht rauskommt, oder man es über jahrelanges Training mit deutschen Komödien schon abgehärtet hat, kann man Männersache schon nebenbei laufen lassen, eine Kinokarte zu kaufen ist allerdings verschwendetes Geld.