An einem idyllisch gelegen Haus am See lässt es sich aushalten. Dem Töchterchen aber ist es zu langweilig. In einer nahe gelegenen Kleinstadt gabelt sie, gemeinsam mit einer Freundin, einen Kiffer auf. Zu dritt ziehen sie sich anschließend auf seiner Bude ein paar Joints rein. Doch nur solange bis der Psychovater und sein Gewaltverbrechergefolge auftauchen. Kultregisseur Wes Craven legt als Produzent seinen Kultschocker Last House on the Left neu auf. Regie übernimmt der Newcomer Dennis Iliadis und beschert, trotz einer Reihe guter Schauspieler, eine stupide, geistlose Blut- und Metzelorgie.
Es gibt nur wenige Namen, die auf dem Etikett eines Films Hochspannung, Horror und beklemmende Gänsehautatmosphäre garantieren: Wes Craven ist einer davon. Seine Filme sind nicht nur dem Genrefan längst ein Begriff. Einige genießen in der eingeschworenen Fangemeinde bereits mehr als bloßen Kultstatus. 1973 kam der Schocker Last House on the Left in die deutschen Kinos und sorgte wegen seiner schonungslos erzählten Geschichte, der es an expliziten Gewaltmomenten nicht mangelte, für große Aufregung. Das Lexikon des internationalen Films kommentierte damals knapp: Eine widerliche Brutalitätenshow. Das erste Release der FSK-18-Fassung, damals als VHS-Tape, wurde sofort beschlagnahmt und ist bis heute indiziert.
Für das Remake hat Wes Craven diesmal den Regiestuhl für den jungen griechischen Regisseur Dennis Iliadis geräumt, der mit dieser Neuauflage sein US-Debüt gibt. Craven ist lediglich als Produzent mit an Bord, gemeinsam mit Sean Cunningham, dem man Filme wie Freitag, der 13. zu verdanken hat und der 1972 bereits das Original produzierte.
An der grundlegenden Story hat sich indes nicht viel verändert: Erzählt wird die Geschichte einer Familie, die ihre Ferien an einem abgeschiedenen See genießen möchte und in die Fänge einer Soziopathen-Gang gerät. Erwartungsgemäß lebt der Film überwiegend von der Spannung, wer am Ende die Oberhand gewinnt. Wichtigste Frage: Über wie viele leblose Körper muss der Sieger dieser blutigen Auseinandersetzung schreiten? Was die Skizzierung der Guten und der Bösen angeht, ist prinzipiell ebenfalls nichts spektakulär Neues zu erwarten. In solchen Streifen sind diese Polaritäten schließlich anfänglich ebenso klischeebehaftet, wie klar voneinander abgegrenzt.
Die Guten sind schön anzusehende Sauberleute; in diesem Falle eine nette kleine Familie: Eltern (Tony Goldwyn und Monica Potter) und ein süßes Teenagertöchterchen (Sara Paxton). Auf der anderen Seite gibt es an der puren Boshaftigkeit der Verbrecher von vornherein wenig zu rütteln: Schon die Vorgeschichte, in der der Chef der Gangstertruppe Krug (Garrett Dillahunt) aus dem Polizeigewahrsam befreit wird, lässt keinen Zweifel, dass Menschenleben diesen Psychos völlig gleichgültig sind. Der harsche Schnitt, nach diesem Vorgeplänkel auf die Familie und der damit beabsichtigte Kontrast verstärken diese Wirkung noch: Spielte sich die erste Gewalttat nachts auf einer einsamen Landstraße ab, wird der Zuschauer, während er die späteren unschuldigen Opfer kennenlernt, in schwelgerischen Bildern einer lichtdurchfluteten wunderschönen Waldlandschaften gebadet.
Anders als nach dem brutalen Start erwartet, braucht der Film aber im Anschluss reichlich Zeit, um wieder Tempo aufzunehmen. Man mag das als dramaturgisch sorgsamen Aufbau interpretieren, der diesen Genrefilm aus dem splattrigen B-Movie-Sumpf herausheben soll, tatsächlich sind es aber lediglich inhaltlose Längen, welche die Horrorshow auf Spielfilmformat dehnen. Zusätzliche Spannungsmomente kommen durch das Warten auf eine neuerliche Gewaltexplosion nicht auf. Und diese kommt unausweichlich, wirkt aber - trotz der explizit dargestellten Bestialität des Grauens - nicht sonderlich überraschend. Viel zu durchschaubar ist dafür der simple Plot.
Die Überraschungsarmut geht sogar soweit, dass selbst an ein "Sicherungsnetz" für die Guten gedacht wurde: Die Gangstertruppe hat den jugendlichen Sohn den Chefs Justin (Spencer Treat Clark) im Schlepp, der ist aber eher naiv-gutherzig veranlagt und möchte mit dem ganzen grauenvollen Morden nichts zu tun haben. Man darf also die Minuten runterzählen, bis er "umkippt" und sich den Guten anschließt. Ebenso schematisch die Figur der jungfräulichen Teenagerin Mari (der Tochter der Familie), die funktionell die Rolle eines Eye-Catchers übernimmt, vergleichbar der Hauptdarstellerin in The Unborn.
Diese Vorhersehbarkeit und ein allgegenwärtiger Schematismus zeichnen die Figuren besonders negativ aus. An den Darstellern an sich liegt das weniger: Garett Dillahunt, der eigentlich überzeugend den Chefbösewicht gibt, war vor kurzem noch selber auf der Flucht vor einem durchgeknallten Killer in No Country for Old Men. Tony Goldwyn, spielte bereits in einigen großen Produktionen an der Seite vieler Hollywood-Stars, beispielsweise neben Tom Cruise in Last Samurai. Und Spencer Treat Clark stand als kleiner Junge sowohl in Unbreakable - Unzerbrechlich als auch in Gladiator vor der Kamera.
All das hilft letztendlich aber wenig. Und hätte die Grundidee und die talentierten Schauspieler durchaus das Format für einen solide konstruierten Thriller, liefert diese Inszenierung nicht mehr als eine Aneinanderreihung von widerlichen Gewalttaten. Durch die vielen Längen und den ebenfalls zu lang geratenen Prolog muss sich obendrein die blutige Eskalation auf das letzte Viertel des Films komprimieren. Das sorgt gegen Ende zwar für einige Spannungsmomente, ergeht sich aber schlussendlich und erwartungsgemäß in einer Blutorgie. Und besonders die fürs Finale aufgesparte Schlusspointe besticht - sogar für dieses Genre - mit höchst fragwürdiger moralischer Aussage. Ein guter, dicht inszenierter Horrorfilm sieht allemal anders aus.