Kaum einem anderen, würde man den Frauenhelden so gut abnehmen, wie Matthew McConaughey. Der Märchenprinz aus der Traumfabrik verkörpert in Der Womenizer den fleischgewordenen Albtraum aller Frauen. Wachs in seinen Händen, sind sie für ihn nur solange interessant, bis die Kerze heruntergebrannt ist. Noch nie durfte eine gemeinsam mit ihm aufwachen, geschweige denn, eine Beziehung führen. Doch die Geister der Vergangenheit sinnen auf Rache. In der Interpretation eines Literatur-Klassikers geht es durchaus unterhaltsam und turbulent zu, zur Kult-Comedy reicht es aber nicht.
Was braucht ein Mann mehr, wenn er reich, gutaussehend, charmant und erfolgreich ist? Celebrity-Fotograf Connor Mead (Matthew McConaughey) hat es im Leben zu was gebracht, und die Frauen liegen ihm zu Füssen. Genauso behandelt er sie auch: wie Fußabtreter oder besser: wie warme willige Matratzen. Wenn sie "verschlissen" sind, werden sie schnell wieder ausgewechselt. Am zügigsten und effizientesten geht das über eine Onlinekonferenz; das spart Zeit und man braucht nicht mehrfach denselben Text runterzuleiern. Während Connor also die nächste Interimsgespielin klarmacht, werden drei andere simultan per Webcam abserviert.
Connors Bruder Paul (Breckin Meyer) ist da ganz anders und kurz davor, den heiligen Bund der Ehe zu schließen. Natürlich ist Connor auf den Polterabend eingeladen und nutzt prompt die Gelegenheit, um nach einigen Whiskeys, lauthals seine Meinung über die Liebe kundzutun und die Braut und die geladenen Gäste damit ordentlich vor den Kopf zu stoßen. Selbst seine Jugendfreundin Jenny (Jennifer Garner), die einzige Frau, die Connor beinahe in eine feste Beziehung gekriegt hätte, ist über so ein Verhalten mehr als empört. Wie konnte aus Connor bloß so ein furchtbarer Mensch und ekelhafter Chauvinist werden? Es gab ein exzellentes Vorbild: den Superplayboy Wayne (Michael Douglas), Connors verstorbenen Onkel. Eine Art Hugh Haffner-Light, der Connors Erziehung nach dem plötzlichen Unfalltod seiner Eltern in die Hände nahm. Und ebendieser erscheint als Geist und mahnt Connor nicht so zu enden wie er. Natürlich eine Halluzination - zuviel getrunken, oder? Doch plötzlich tauchen noch mehr Geister auf. Entführen Connor in die Vergangenheit und zeigen ihm seine Zukunft. Die ist alles andere als erfreulich. Kann Connor sein unausweichliches Schicksal noch umbiegen?
Wie immer dieser Streifen auch heißen mag, es handelt sich schlicht und ergreifend um Charles Dickens Weihnachtsgeschichte. Natürlich neu interpretiert und frei nach Facon variiert; steckt doch im Kern, eben dieser Klassiker im neuen Gewand. Etwas merkwürdig sieht das Ganze schon aus, und die vorsommerliche Jahreszeit, die als Starttermin gewählt wurde, mag befremden. Diesmal steht auch nicht der Geizknochen Ebenezer Scrooge im Mittelpunkt, der seinen armen Neffen quält. Doch spätestens wenn Connor ein Geist aus der Vergangenheit, einer aus der Gegenwart und einer aus der Zukunft nacheinander erscheinen, sollte jedem ein Licht aufgehen.
Witzig und unterhaltsam ist die seichte Komödie allemal. McConaughey verkörpert wunderbar den Frauenbenutzer. Dem smarten Schauspieler mit idealer Körperarchitektur und der adäquaten Mischung aus Maskulinität und einschmeichelnd-verführerischem Charme, nimmt man den Womenizer sofort ab. Aber vor allem einem glänzend aufgelegten Michael Douglas ist der besondere Kick dieser Show zu verdanken. Ohne ihn als Ex-Mentor und ätherisches Über-Ich des Protagonisten, wäre Der Womenizer nicht halb so spaßig.
Völlig neu ist die Idee einer etwas anderen Interpretation der Weihnachstgeschichte aber nicht: In der skurrilen Komödie Die Geister, die ich rief aus dem Jahre 1988, nahmen sich drei Geister eines Ekels an, damals von Bill Murray verkörpert, und drehten ihn so richtig durch die Mangel, um möglicherweise doch noch einen besseren Menschen aus ihm zu machen. Gegen diesen Film kann Der Womenizer nicht gut anstinken. Das liegt mitunter am Grundkonzept: Murray gab als Medien-Mogul grandios das "Arschloch vom Dienst", McConaughey hingegen lediglich den beziehungsphoben Flachleger, der so geworden ist, als er seine einzig wahre Liebe verschmähte.
Diese schmalzig-romantische Grundgeschichte beraubt den Film viel seines peppigen Potenzials. Gelegentlich ist es nicht viel mehr als Comedy mit angezogener Handbremse. Zu sehr wurde eben auf hohe Familientauglichkeit Wert gelegt. Allein schon wegen der Performance eines Michael Douglas wäre mehr drin gewesen. Zur völligen Luftnummer verpufft sogar der Auftritt Jennifer Garners. Die Hollywood-Aktriss entfaltet den hölzernen Charme einer antiken Kleiderpuppe, doch glücklicherweise hält sich die Zahl ihrer Auftritte in Grenzen. Unterm Strich bleibt dennoch genug Substanz für einen amüsanten Kinoabend. Wer sich nett berieseln lassen möchte, wird nicht enttäuscht werden.