Vielleicht werden manche Menschen leicht übers Ohr gehauen, weil sie Opfer ihrer Selbst werden. Sie begehren übersteigert dieses oder jenes und hoffen, jemand kommt genau damit um die Ecke. Diese magische Fee mit getürktem Zauberstab ist Frank. Er spürt was sich sein Gegenüber wünscht, was seine Träume und Schwächen sind, wo seine wahren Defizite schlummern. Filmemacher Alexander Adolph geht nach seinen Doku-Projekten nun einen Schritt weiter und realisiert eine ebenso feine wie grotesk anmutende Hochstapler-Dramödie. Kino, das etwas Zeit braucht, aber Charme und Magie entwickelt.
Anlagenganove, Immobilienbetrüger oder Heiratsschwindler; allesamt haben eines gemeinsam: Sie sind geniale Performer. Schlüpfen, gleich einem mentalen Chamäleon, in die Haut und das Leben eines anderen. Wechseln nach Belieben die Rollen und spiegeln immer genau das wieder, was andere gerne in ihnen sehen. Bieten die ideale Projektionsfläche für Wünsche, Träume und Begierden. Wenn die Geschädigten aufwachen und registrieren, dass sie auf einen riesengroßen Bluff hereingefallen sind, ist der Hochstapler schon längst über alle Berge und bereits in seiner nächsten Rolle unterwegs.
Frank (Devid Striesow) gibt den Menschen, das was sie sich wünschen - scheinbar. Sie fallen auf ihn und vielleicht noch mehr auf sich selber herein: Sie erliegen ihrer Gier nach immer mehr. Betrüger sind aber auch nur Menschen und nicht davor gefeit, Illusionen zu verfallen. Während Frank in einer Boutique versucht, zukünftige Klienten an Land zu ziehen, begegnet ihm die attraktive Tanja (Nadja Uhl). Frank ist gleich fasziniert, hält sie aber zunächst lediglich für ein weiteres verwöhntes Frauchen. Er versucht sich einzuschmeicheln, seinen Avancen widersteht aber Tanja. Die Folgen des Flirts sind für Frank jedoch fatal: Er wird von der Polizei geschnappt und wandert für seine wiederholten Gaunereien, mit denen er bereits hunderte von Menschen über den Tisch gezogen hat, für zwei Jahre hinter Gitter.
Nach seiner Entlassung zieht er zu seinem Bruder Peter (Jörg Schüttauf) und seiner Freundin Marie (Floriane Daniel). Peter ist das genaue Gegenteil Franks: Arbeitsam, ehrlich und rechtschaffen. Frank gibt sein Bestes, um sich ebenfalls ein normales Leben aufzubauen. Er findet einen Job in einer Putzfirma und scheint in einer biederen Existenz angekommen, bis ihm Tanja wieder begegnet. Sie führt ebenfalls ein geheimes Leben: als Prostituierte. Um sie regelmäßig sehen zu können, beginnt Frank den reichen Geschäftsmann und gönnerhaften Freier zu spielen. Mit dem Spiel ist es aber nicht getan. Frank verliebt sich in Tanja und möchte sie aus dem Milieu herausholen. Doch Tanja ist nicht frei zu gehen. Sie schuldet ihrer Puffmutter einen großen Batzen Geld. Frank muss zusehen, wie er an Knete kommt. Sein altes Handwerk könnte ihm nützlich sein.
Mit So glücklich war ich noch nie realisiert Dokumentarfilmer Alexander Adolph sein erstes Spielfilmprojekt. Dem Thema seiner letzten Arbeit Die Hochstapler bleibt er treu. Fasziniert von der Seele des Hochstaplers, portraitiert er einen Menschen, der auf vielfältige Weise nicht nur anderen etwas vormacht. Komödienhafte Züge sind mitunter gewollt, aber gewissermaßen ebenfalls Illusion. Im Kern handelt es sich um eine zutiefst traurige Geschichte: Der Hochstapler kennt alle Leben und alle Rollen und hat doch kein eigenes und kann nirgends ankommen. Wie eine (geistige) Kleiderpuppe wechselt er mannigfaltig den Dress, um immer wieder genau zu dem zu werden, was die anderen gerade wünschen zu sehen. Wie viel von ihm selber noch vorhanden ist und ob er überhaupt in seinem Inneren mehr als die illustre Camouflage ist; damit stellt sich die entscheidende Frage.
Auf den ersten Blick ist Frank eine völlig durchschnittliche Erscheinung. Umso faszinierender der nahtlose Wechsel: andere Klamotten, veränderte Körpersprache, Ausdruckweise und Manieren, schon wird er zum Starverkäufer, Topmanager, Künstler, Anwalt oder Unterweltboss. Das birgt viel groteske Komik, zeichnet aber eine manische Figur, die eben nichts anderes kann, als auf Knopfdruck zu performen. Die Glaubwürdigkeit dieses Wandels steht und fällt mit der darstellerischen Leistung. Mit eleganter lakonischer Note und antiheldischem Glamour lieferte Devid Striesow eine brillante Performance. Gelegentlich wird es gar nebensächlich, der Handlung zu folgen. Zu sehr fällt zwischendurch die reine Schauspielleistung ins Gewicht.
So glücklich war ich noch nie stellt unter Beweis, dass es in erster Linie Schauspielerkino ist. Nadja Uhl, die vor nicht allzu langer Zeit in Der Baader Meinhof Komplex zu sehen war, liefert als Prostituierte eine authentische und griffige Figur, die nicht plump schematisch funktioniert. Es handelt sich nicht einfach um ein liebes Mädel, das ins Milieu rutschte und nun dem Retter auf einem weißen Schimmel entgegensehnt. Nicht im Ansatz eine Pretty Woman-Story. Ebenso gelingt es Jörg Schüttauf als gutherziger Bruder und Floriane Daniel in der Rolle der resoluten Partnerin, Akzente zu setzen, dem Film die notwendigen Zwischentöne und Kanten zu verleihen und somit den Nebenplot zu einem tragenden Element zu machen.
Dieser Film ist ein kleines Juwel, das sicherlich seine Macken und Fehler hat. Nicht alles glänzt durchgehend, nicht jede Figur brilliert in jeder Szene und nicht jedes Motiv wirkt immer plausibel. Besonders der Anfang holpert reichlich und wirkt übers Knie gebrochen, aber So glücklich war ich noch nie gehört zu den wenigen Filmen, die desto länger sie laufen, umso ansprechender werden. Wie ein Edelstein, der von der Natur nicht optimal geschaffen wurde, aber eine gewisse Unverwechselbarkeit besitzt, die ihm einen eigenen, ganz eigenwilligen, Charme verleiht.