Mottolas Film beschäftigt sich auf liebevolle Art und Weise mit seinen Figuren, schuf Charaktere, die so nah am Leben sind, dass man trotz relativ einfacher Geschichte mit ihnen mitfühlen kann. Dazu benötigt er erneut keine großen Namen und spornte seine unverbrauchten Gesichter zu durchweg guten Leistungen an. Adventureland ist ein ehrlicher Coming-Of-Age-Film, der sicherlich schnell seine Fans finden wird.
Es war eine der größten Box Office Überraschungen im Jahre 2007: Mit einem relativ geringen Budget von knapp 20 Millionen Dollar spielte der mit Ausnahme von Seth Rogen ohne große Namen auskommende Superbad alleine in Amerika über 120 Millionen an den Kinokassen ein. Da der Film sowohl die Kritiker als auch das Publikum überzeugen konnte, war die Erwartung an Mottolas neuesten Streich, Adventureland, natürlich groß; um dann zumindest finanziell an den Kinokassen baden zu gehen.
Zu den größten Wünschen nach einem Collegeabschluss steht für viele sicherlich eine Reise ins Ausland. So auch für James, der seine Reise nach Europa schon komplett durchgeplant hat, als seine Eltern ihm aufgrund von Finanzproblemen den nötigen Geldhahn zudrehen. Da sogar seine Studiengebühren in Gefahr sind, muss er sich nun selbst finanziell versorgen und nimmt einem Job in dem Freizeitpark Adventureland an. Während der Ausübung dieses stinklangweiligen Jobs trifft er auf allerhand unterschiedliche Menschen, Freunde und Feinde, und verliebt sich dabei sogar in seine Kollegin Em.
Wer nach Superbad nun erneut ein Gagfeuerwerk erwartet, wird wohl enttäuscht sein. So schraubt Mottola die Gagquote deutlich zurück, um sich ausgiebiger der Stärke seines vorangegangenen Filmes, den Charakteren, zu widmen. Diese sind Menschen aus dem realen Leben, Menschen wie du und ich und Mottola versteht es, diese ehrlich und würdig in Szene zu setzen, so dass niemand zu einer klischeebeladenen Figur verkommt. Jeder Charakter hat in Adventureland seine Stärken und Schwächen, so kann man ihnen trotz einigen unsympathischen Zügen und Fehlentscheidungen nie böse sein... sie sind einfach menschlich. Da fällt es, aufgrund der Liebe des Drehbuchschreibers zu seinen Figuren, auch nicht weiter ins Gewicht, dass die Grundstory relativ einfach gehalten ist.
Verstärkt wird das Ganze noch durch sein herrliches Setting, dem titelgebenden Adventureland. Der Ort, in dem die Träume kleiner Kinder wahr werden und der gleichzeitig die Hölle für so ziemlich jeden angestellten in diesem Freizeitpark sein muss. Es ist herrlich einen Blick hinter die Kulissen dieses Parks zu werfen. Daraus resultieren die meisten Gags des Filmes in Persona von Bill Hader und Kristen Wiig, aber auch ein atmosphärisches Umfeld für das Treiben auf der Leinwand.
Wie schon bei Superbad setzte man hier wieder auf die Stärke der unbekannten Namen. Das funktioniert erneut hervorragend, da man das Gefühl hat, wahre Charaktere auf der Leinwand zu sehen und diese zu keinem Zeitpunkt mit ihren vorherigen Rollen vergleicht. Bestes Beispiel hierfür ist Jesse Eisenberg, der in der Titelrolle kaum besser hätte besetzt werden können, aber auch die Leistungen des restlichen Casts können sich sehen lassen. Auch die beiden einzigen bekannten Namen, Ryan Reynolds und Kristen Stewart, machen ihre Sache gut: Vor allem Stewarts Performance zeigt, dass sie mehr drauf hat, als nur ihren Marktwert durch den Rummel von Twilight - Biss zum Morgengrauen zu vergrößern.
Warum Adventureland so untergegangen ist, ist nicht wirklich nachzuvollziehen. So hat Mottola im Grunde alles richtig gemacht, erneut ehrliche Charaktere geschaffen, die nah am Leben sind und um sie herum eine liebevolle Story kreiert. Dazu ging erneut das Konzept der unbekannten Darsteller auf und so konnte sich der Regisseur qualitativ sogar noch verbessern. Schade, dass dem großen Publikum in Deutschland nun eine Kinoauswertung verwehrt bleiben wird, denn nach den katastrophalen Ergebnissen aus Amerika wird der Film hier nur ganz klein gestartet. Wer jedoch die Möglichkeit haben sollte, ein Ticket für diesen Film zu lösen, sollte sie nutzen.