Die Geheimorganisation Cobra bedroht die Welt, nur die Spezialtruppe der G.I. Joes kann deren Pläne vielleicht noch verhindern. Actionknaller mit Effekten ohne Ende, mit Witz und Eye Candy für Jungs, alles großartig. Doch gegen Ende erlaubt sich Regisseur Stephen Sommers leider einen Schnitzer, der den Film komplett disqualifiziert: Dem gezeigten Universum werden nachträglich andere Naturgesetze andichtet, was die Solidarität des Publikums mit den Protagonisten unterminiert.
Generationen von Jungs spielten nicht nur in Amerika mit den G.I. Joe-Actionfiguren des Hasbro-Konzerns. Was ursprünglich als Barbie-Puppe für Jungs heruntergeputzt worden war, schaffte es jedoch unter dem Begriff "action figure" zu landesweitem Ruhm. War G.I. Joe ursprünglich nur der Eigenname des Soldaten, bohrte der Hersteller die Puppe bald zur Truppe auf. Nun nannte man sie alle G.I. Joe, die individuellen Figuren bekamen zusätzliche Eigennamen. Nach nicht wenigen Auftritten im Fernsehen und Werbespots liegt nun der erste Kinofilm der G.I. Joes vor.
Die US-Soldaten Duke und Ripcord überleben als einzige einen Spezialauftrag, nämlich der Transport von vier neuartigen Gefechtsköpfen. Ihr Konvoi wird von übermächtigen Unbekannten überfallen, die es auf die neuen Waffen abgesehen haben. Rettung naht in Form der G.I. Joes, doch woher sollen Duke und Ripcord wissen, welche der plötzlich heiß miteinander kämpfenden Parteien auf wessen Seite spielt? Die Joes gewinnen, doch Duke und Ripcord sind gezwungen, mitzukommen. So stoßen die beiden Elitesoldaten zu den G.I. Joes und werden alsbald in die Truppe der harten Kämpfer aufgenommen.
Keine Minute zu früh, denn es gelingt den Gegnern, unter Führung der Baroness, die Gefechtsköpfe aus der geheimen Wüstenbasis der Joes zu stehlen. Der Plan der Terrororganisation namens Cobra ist die Verbreitung von Angst und Schrecken mit Hilfe der Gefechtsköpfe, so dass die Bösewichte Gelegenheit finden, ihre eigenen Forderungen und Ziele durchzupauken. Dies können nur noch die Joes verhindern, und es wird extrem knapp.
Die Nanotechnologie ist der große Angstmacher in diesem Film: Die Gefechtsköpfe sind voll von kleinen Robotern, die Metall und andere Materialien pulverisieren, bis man ihnen per Funkbefehl den Saft abdreht. Ebenso sind diese kleinen Roboter in der Lage, in menschlichem Gewebe aktiv zu werden und so die körpereigenen Abwehrkräfte zu unterstützen bzw. selbst massiven Schaden anzurichten.
Natürlich ist zu erwarten, dass ein Film, der auf einer Soldaten-Actionpuppe basiert, ausschließlich heftigste Kampfeinsätze zeigt und dabei ein Effektfeuerwerk nach dem anderen abbrennt. Dieser Wunsch wird den Fans der Actionfigur garantiert erfüllt. Auch sind tiefgreifende Diskussionen, moralische Wertvorstellungen oder gar offensichtliches Nachdenken von vorneherein eher fehl am Platze in diesem Film. Alles kein Problem, denn G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra ist und bleibt ein bewusst völlig übertriebenes und überdrehtes Actionabenteuer für Jungs, die mittlerweile zu Männern herangereift sind.
Die Effekte sind absolut überzeugend, der Takt des Films so schnell, dass man den Platz keinesfalls verlassen sollte, die Kalauer genau an den richtigen Stellen, der Film macht einfach tierisch Spaß. Fans der Star Wars-Filme werden außerdem eine gewaltige Menge von Déjà-Vus erleben, die kein Zufall mehr sein können. Neben der Ähnlichkeit einzelner Figuren zu den bekannten Helden und Bösewichten des Lucas-Universums (oder auch nur zu einzelnen Merkmalen derselben) fällt dem Fan hierbei auf, dass teilweise sogar ganze Schlüsselszenen ganz oder teilweise nachgespielt wurden. Es fehlt eigentlich nur noch, dass am Schluss eine Horde Ewoks zum Feiern antritt. Doch all dies ist trotz allem Übermut G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra zuträglich und förderlich. Der Film nimmt sich selbst nicht ernst, alleiniges Programm ist Augenweide-Overkill.
Die im Grunde schwache Geschichte, das dümmliche Drehbuch, die flachen Kalauer, die übermenschliche Leistungsfähigkeit aller Joes und Cobras (trotz Exoskeletten und anderer Hilfsmittel), die allein durch ihre Lautstärke beeindruckenden Toneffekte und der ganze Rest lassen sich problemlos hinnehmen, sich verstehen als augenzwinkernde Anspielung auf die galoppierende Fantasie von spielenden Kindern, ja sogar genießen. Bis auf das absolute Totschlagargument, das diesem Film die Luft raubt. Den einen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Das eine Naturgesetz, das auch im G.I. Joe-Universum nicht außer Kraft gesetzt werden darf: Eis schwimmt in Wasser oben. Immer.
Wegen genau dieses einen Fehlers disqualifiziert sich der Film bedauerlicherweise selbst, er beraubt sich im Showdown allen Potentials, das er je zum Kult hatte, da er offenbart, wie sehr das Publikum für dumm verkauft worden ist. Denn wenn plötzlich andere Naturgesetze gelten, von deren Existenz man als Zuschauer die ganze Zeit über nichts geahnt hatte, relativiert das die gesamte Filmerfahrung im Nachhinein. Was für andere Naturgesetze mögen noch außer Kraft sein? Vielleicht können die Menschen des Universums auf der Leinwand ja nicht sterben? Vielleicht war das Mitfiebern also ganz unnötig? Solange solche Fragen offen sind, spielen Filmemacher mit dem Feuer, denn ganz schnell verliert das Publikum die Lust an der emotionalen Investition, kennt es doch die Spielregeln auf der Leinwand nicht. Im Grunde verhält sich das Filmerlebnis G.I. Joe - Geheimauftrag Cobra analog zum Besuch eines Baseballspiels im USA-Urlaub: Kaum ein Besucher aus Europa kennt die Spielregeln, und daher erscheint ihm auch die noch so spannende Konfliktsituation einfach nur langweilig. Wäre etwas Eis auch bereits zu Beginn des Filmes gesunken, hätte man sich damit anfreunden können.