C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben Poster

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C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben

(Le Premier jour du reste de ta vie, 2009)

Dt.Start: 23. April 2009
DVD: 04. September 2009
Premiere: 2009 (Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 112 min Land: Frankreich
Darsteller: Jacques Gamblin (Robert), Zabou Breitman (Marie-Jeanne), Deborah Francois (Fleur), Marc-Andre Grondin (Raphael), Pio Marmai (Albert), Roger Dumas (Pierre), Cecile Cassel (Prune), Stanley Weber (Eric), Sarah Core-Hadria (Clara), Camille de Pazzis (Moira), Aymeric Cormerais (Sascha)
Regie: nicht bekannt
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Marie-Jeanne und Robert haben drei Kinder: Albert, Raphael und Fleur. Eine ganz normale Familie, doch auch fünf sehr unterschiedliche Menschen. Das zeigt sich vor allem im Wandel der Jahre, während die Kinder erwachsen werden und das elterliche Nest verlassen. Höhen und Tiefen bleiben ebenso wenig aus, wie manch Wendepunkt im Leben der Familienmitglieder.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 92%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben hat eine Wertung von 92%
Gleich neun César-Nominierungen ("französischer Oscar") für C'est la vie, einem Episodenfilm aus Frankreich, der das Leben einer ganz normalen Familie über 12 Jahre nachzeichnet. Voller Vitalität, Komik und Tragik - eben so, wie nur das Leben selbst zu sein vermag. Gemeinsam mit Marie-Jeanne, Robert und ihren drei Kindern erlebt man alle Höhen und Tiefen, lacht, trauert und vergisst sehr schnell, dass man eben nur einen Film sieht, so verbunden fühlt man sich mit dem Geschehen. Abgerundet von einem wunderschönen Soundtrack, wird C'est la vie zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

Bild aus C'est la vie - So sind wir, so ist das Leben Es ist für Albert (Pio Marmai) langsam an der Zeit flügge zu werden. Mit 20 und als angehender Medizinstudent möchte man sein eigenes Reich haben, selbst wenn es nur eine, zum Apartment ausgebaute, Kemenate über der Wohnung des Großvaters ist. Fast alle haben sich mit dem Auszug des Ältesten arrangiert. Sein Vater Robert (Jacques Gamblin) sieht dem gelassen entgegen, der jüngere Bruder Raphael (Marc-André Grondin) freut sich mehr Ruhe zu haben und die jüngste Schwester Fleur (Déborah Francois) spekuliert auf das freiwerdende Zimmer. Nur die Mutter Marie-Jeanne (Zabou Breitman) spürt die aufkommende Leere. Sie ahnt, dass nach und nach die Familie auseinanderbrechen könnte.

Während die Kinder erwachsen werden, entschließt sich Marie-Jeanne wieder zu studieren, um ihren Universitätsabschluss nachzuholen. Robert fährt weiter Taxi und streitet sich, wie gewohnt, mit seinem Griesgram von Vater, der ein viel besseres Verhältnis zu den Enkeln als zum eigenen Sohn hat. In den Augen des Alten hat Robert nicht die Erwartungen erfüllt, die man in ihn gesetzt hatte. Zeit verstreicht und die Familiemitglieder entwickeln sich auseinander, entfremden sich mitunter sogar. Besonders zwischen Robert und seinem ältesten Sohn hat sich ein tiefer Graben aufgetan: Fast scheint es, als würde sich das Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn eine Generation später noch einmal wiederholen. Dabei hat Albert sein Medizinstudium erfolgreich beendet und augenscheinlich viel mehr als sein Vater, der Taxifahrer, erreicht. Eine Aussprache ist dringend notwendig, und Robert bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, das Verhältnis zu seinem Sohn wieder geradezurücken.

C'est la vie ist einer der Filme, in die man förmlich eintaucht, um unvergleichliche emotionale Augenblicke zu erleben, die man nur schwer wiedergeben oder in Worte fassen kann. Beinahe so, als wären diese Augenblicke Teil des eigenen Lebens geworden. Dabei gibt es nicht einmal extrem absurde oder besonders konstruierte Wendungen. Falls überhaupt überzeichnet, dann höchstens mit dem weichen Bleistift. Alles ist so pur mitten aus dem Leben: Das erste mal der Tochter, das zum Desaster wird. Die Mutter, die ihren zweiten Frühling erlebt, sich ihre Kommilitonen nach Hause einlädt, die halb so alt sind wie sie und in den 90ern plötzlich wieder ein bisschen wie ein Späthippie rumläuft; Joints rauchend, die sie vor kurzem noch ihrer Tochter wegnahm.

Beim Älterwerden und im eigentlich nie enden wollenden Selbstfindungsprozess, im Wandel der Zeit, versuchen alle ihren Platz im Leben, immer wieder aufs Neue zu finden. Dass so manche Irrung und Wirrung nicht ausbleibt, ist nur natürlich und nichts, was nicht jedem anderen Menschen ebenso widerfahren könnte. Es sind eben diese Erlebnisse, die das eine oder andere Deja-vu auslösen, und an die man sich Jahre später zurückerinnert, um in schallendes Gelächter auszubrechen oder mit den Tränen zu kämpfen. Gelegentlich mag dabei mal eine Wendung gar zu sehr auf den Lacher oder die Zuspitzung getrimmt sein: was tun, wenn am schönsten Tag des Lebens, wenn der Sohn heiratet, der eigene Vater plötzlich stirbt? Feiern oder Trauern? Hat man das Recht seinem Sohn den Tag zu zerstören, weil das Leben selbst einen Strich durch die Rechnung macht? Und wie mit der eigenen Mutter verfahren, die einen als Schönheitschirurg konsultiert, um zu erfahren, ob ihr Busen noch attraktiv ist und Männer sexuell zu erregen vermag. Solche Pointen erfüllen im Plot ihre Funktion und wirken mitunter etwas überdreht, den fein abgestimmten Takt des Films aber stören sie keinesfalls.

Die Episoden, in denen das Leben der Familie gezeichnet wird, springen fortwährend im "Paar-Jahre-Rhythmus" Schritt für Schritt weiter in die Zukunft. Gelegentlich wird diese Zeitreise von Rückblenden durchbrochen, welche die Protagonisten in melancholischen Augenblicken erleben und mittels denen sie für den Zuschauer noch authentischer werden. Verleihen ihnen schließlich diese Erinnerungen die Greifbarkeit, die eben realen Menschen zu Eigen ist. Damit lösen sie sich aus der Eindimensionalität der Zelluloidkonserve und entwickeln Charme, Lebendigkeit und Kraft, die wie frischer Wind durch den Kinosaal wehen. Diese authentische Ebene wird noch durch die Referenzen und Bezüge der jeweiligen Zeit verstärkt, in der die einzelnen Episoden angesiedelt sind, von 1988 bis zum Jahr 2000. Moden und Musikrichtungen wechseln synchron zur jeweiligen Zeit und diejenigen, welche die 80er und 90er bewusst erlebten, kommen vermutlich um ein paar wehmütige Momente nicht herum.

Die besondere Stärke aber und der Grund aus dem C'est la vie mit Applaus und Ehrungen überhäuft wurde, ist, dass eben nichts ausgespart wird. Dort wo Freude ist, wird auch Tragik sein, und der Film lebt gleichermaßen von allen diesen emotional bewegenden Augenblicken - guten oder schlechten - wie auch jeden Menschen alles erlebte Positive, ebenso wie das überstandene Negative ausmacht. Eine plakative Wertung über den Film abzugeben ist deshalb eigentlich völlig nebensächlich. Er ist eben so gut, und der Daumen sollte so weit nach oben gehen, wie man eben das Leben selbst bewerten kann und mag.



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