Gelungene Wiederaufnahme der Familiensaga der Sackbauers, die unter dem Titel Ein echter Wiener geht nicht unter seit 1975 Kultstatus erreichte. Zur gealterten, aber nicht minder sympathischen, Originalbesetzung von damals gesellen sich ein paar Neuzugänge, die sich gut in die Familie einfügen. Auch als eigenständiger Film und ohne Vorkenntnisse zu genießen.
Ausgerechnet kurz vor seinem 80sten Geburtstag muss der Mundl miterleben, wie sie ihm sein geliebtes Schrebergartenhäuschen abreißen, um Platz für eine Stadtautobahn zu machen. Höchst verzweifelt will der rüstige Wiener erst recht nichts von einer Feier wissen und schlägt noch wortgewaltiger um sich als bisher. Die Familie gerät in eine Krise. Doch nicht nur der alte Edmund ist schuld daran, auch sein Urenkel Edi macht Sorgen: Gerade mal 13, ist er im Umgang mit Alkohol schon recht erfahren. Außerdem plant er, nur von seiner Musik leben zu können. Sein Vater René ist offenbar überfordert mit dem Alleinerziehen, doch eine neue Frau taucht natürlich weder im Büro, noch zu Hause auf. Und Hanni, die seit langem entfremdete Tochter vom Mundl und seiner lieben Toni, ist bis nach Hamburg geflohen, möglichst weit weg von Wien.
Die liebende Verwandtschaft beschließt, den grantigen Opa zu seinem Glück zu zwingen und organisiert gegen dessen Willen eine Geburtstagsfeier. Während die Vorbereitungen laufen, geraten die verschiedenen Parteien wegen unterschiedlichster Lappalien natürlich immer wieder aneinander. Doch der zugrundeliegende Zusammenhalt der Familie ist stärker als die doch recht oberflächlichen Zwistigkeiten. Es kommt, wie es kommen muss: Auf der Geburtstagsfeier kommen so einige Konflikte an den Tag und finden, zumindest vorläufig, ihren Abschluss. Und über allem thront laut wetternd der Mundl: Ein echter Wiener geht eben nicht unter.
Die Handlung setzt dort ein, wo sie vor 30 Jahren geendet hatte: In der Wiener Großfeldsiedlung, ein Hochhausgedränge am Rande der Stadt. Wer die Fernsehserie Ein echter Wiener geht nicht unter, die der ORF mit denselben Personen von 1975 bis 1979 produzierte, nicht kennt, wird Echte Wiener - Die Sackbauer-Saga als eigenständiges, absolut sympathisches und originelles österreichisches Statement in Sachen Dramödie kennenlernen.
Kenner der Serie werden natürlich die Hauptpersonen von damals wiedererkennen. Sie alle sind entsprechend gealtert, aber daraus wird ja auch vom Setting der Geschichte keinerlei Hehl gemacht. Auch erlauben 30 Jahre Pause einige Änderungen vorzunehmen und eine ganze Menge neuer Personen einzuführen, ohne dass dies irgendwo unangemessen wirkt.
Leider ist der Film auch verhältnismäßig verheult, nicht selten kullern auch gestandenen Mannsbildern die Tränen hinunter. Das ist im Kino heutzutage natürlich absolut gesellschaftsfähig, doch sind Männertränen auch dieser Tage immer noch nur etwas für einen absoluten dramatischen Höhepunkt, nicht für jeden Akt im Film.
Abgesehen davon garantiert der Film eine ganz andere Art von Kinovergnügen als zum Beispiel die Brenner-Krimis von Wolfgang Murnberger mit Josef Hader. Allein die großzügige Verwendung des Wiener Schmähs wiegt so ziemlich alles auf, was man je bemängeln könnte. Wer selbst noch nicht in Wien war, kann hier schon einmal schnuppern, welche sprachlichen Hürden auf einen zukommen könnten. Und wer Wien und seine Bewohner kennt, kommt aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus. Eh kloa!