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The Limits of Control

(The Limits of Control, 2009)

Dt.Start: 28. Mai 2009
DVD: 11. Dezember 2009
Premiere: 01. Mai 2009 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Thriller
Länge: 116 min Land: USA
Darsteller: Tilda Swinton (Blonde), Bill Murray (Amerikaner), Paz de la Huerta (Nackte), John Hurt (Gitarrenspieler), Gael García Bernal (Mexikaner), Isaach De Bankolé (Lone Man), Youki Kudoh (Molekül), Luis Tosar (Geiger), Hiam Abbass (Fahrer)
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch


Inhalt

Eine dunkle Gestalt ist unterwegs quer durch Spanien, um einen geheimnisvollen Auftrag zu erledigen. Auf seinem Weg verfolgt der Mann skrupellos sein Ziel, ohne sich um Gesetze oder gar Menschen zu kümmern. Hin und wieder begegnet er Fremden, die ihm Nachrichten überbringen, von denen der geheimnisvolle Mann nicht weiß, ob er ihnen vertrauen kann oder nicht. Auf diese Weise verwirrt und verunsichert, verlagert sich die Reise mehr und mehr in sein Bewusstsein, wo ihn Vorahnungen quälen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

The Limits of Control hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 25%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
The Limits of Control hat eine Wertung von 25%
Kultregisseur Jim Jarmusch ist zurück und liefert ein besonderes Stück seines Könnens ab: Selten wurde ein Film mit dermaßen reduzierten Mitteln dem Zuschauer als Virtual Reality-Geschichte präsentiert. Bis man aber darauf kommt, dauert es. Rätselraten und Puzzlestücke nach Facon zusammensetzen ist angesagt, während der Protagonist sich auf eine Reise begibt, die vorbestimmt scheint, aber niemals schlüssig begründet wird. Geschweige denn, dass Jarmusch überhaupt hilfreiches zur Entschlüsselung liefert. Man muss nicht alles gesehen haben, was von der Filmrolle springt, selbst wenn Jarmusch draufsteht.

Bild aus The Limits of Control Jim Jarmusch ist sicherlich schon mehr als ein Enfant Terrible der Filmszene. Der Autor und Regisseur hat dem Autoren- und Independentfilm seinen ganz eigenen, markanten Stempel aufgedrückt. Bezeichnend für ihn: seine enge Bindung zu einem festen Schauspielerensemble, das er immer wieder für seine Filme aktiviert sowie die Art und Weise wiederkehrend zentrale, aber wenig redselige, Figuren zu erschaffen und um diese herum, die gesamte Handlung aufzubauen. Sorgsam achtet Jarmusch stets dem Zuschauer die größtmögliche gestalterische Freiheit bei der Interpretation der Geschichte zu lassen. Die visuellen Mittel, sind manchmal schon kaum mehr als aufs Erträgliche reduziert; wie zum Kontrast, setzt Jarmusch dafür ganz besonders auf die Wirkung von Musik, die unvermittelt machtvoll einsetzt und der Story eine neue Richtung verheißt. Wundern braucht das nicht: Neben seinen Langfilm-Projekten gehörten Musikvideos, beispielsweise mit Tom Waits und den Talking Heads, zu Jarmuschs favorisierten Betätigungsfeldern.

Bei The Limits of Control scheint sich der Meister in Punkto Purismus regelrecht übertroffen zu haben - böse Zungen könnten glatt von einer ins Nihilistische übersteigerten, wahnhaften Vision künstlicher Realität sprechen. Um es zu verdeutlichen: Ein geheimnisvoller Fremder - in Wahrheit, den Jarmusch-Kennern bekannt, der Eisverkäufer aus Ghost Dog - reist durch Europa, trifft auf noch schrägere Figuren und tauscht Streichholzschachteln aus. In jeder neuen, die er erhält, findet sich ein kleiner Zettel mit einer kryptischen, alphanumerischen "Botschaft". Kaum gelesen, steckt er sich den Zettel in den Mund und spült ihn mit einer Tasse Espresso runter (aus diesem Grund bestellt er sich immer zwei). Was haben diese Botschaften zu bedeuten? Koordinaten für seinen nächsten Treffpunkt? Zu den Zetteln gibt es einen Hotelzimmerschlüssel; in jeder Stadt hat er immer eine Zeitlang zu verweilen, bevor er den nächsten Kontakt trifft und so weiter und so fort: Transit folgt auf Transit.

Wie in einer surrealen Abwärtsspirale, mit ungewissem Endpunkt, kreist die Handlung um einen imaginären Kontext. Der schweigsame Held reist von Stadt zu Stadt, spricht während dieser Zeit und bei den Treffen mit seinen Kontakten kaum mehr als fünf zusammenhängende, längere Sätze. Was seine Kontaktpersonen von sich geben, wirkt hingegen wie die Simulation von Smalltalk. Jedes Gespräch startet mit: Sie sprechen kein Spanisch - oder? Die Antwort ist immer die selbe: ein Kopfschütteln. In jedem neuen Ort, mit einem weiteren Kontakt, wird die Umgebung zusehends eremitischer und zivilisationsärmer. Eine Metapher für - was? Jarmuschs Film bleibt dermaßen wage, struktur-und sinnarm, dass grundsätzlich alles hineininterpretierbar wäre: Zu Beginn entwickelt The Limits of Control Spionage- und Agententhrillerambitionen, die grundsätzlich stringent erhalten bleiben, aber das Drumherum wird zusehends absonderlicher und unwirklicher; Film und vordergründige Handlung sind in Wahrheit (sofern von so etwas überhaupt die Rede sein kann) nicht mehr als Konstrukt.

The Limits of Control ist Jarmuschs höchst eigene Interpretation des Virtual Realities-Themas. Hinweise werden subtil geliefert: Die Figuren, welche er trifft (zu denen zählen durchaus hochkarätige Schauspieler, wie Tilda Swinton und John Hurt), sind massiv überzeichnet, wie aus einem Computer-Rollenspieladventure. Ihre Texte scheinen vorgegeben, ihre Handlungs- und Interaktionsspielräume limitiert. Sie reagieren auf bestimmte Signale und spulen ihr Programm ab. Einzig der Held ist anders, sagt einmal: Ich bin keiner von euch! Wie bei einer Schnitzeljagd tastet sich der Protagonist von Mission zu Mission und nähert sich seinem Ziel: In einer menschenleeren Einöde und einem bunkerähnlichen, schwerbewachten Gebäudekomplex, wartet sein Endgegner (Bill Murray). Der Fremde muss offensichtlich versuchen, ihn zu eliminieren - und dann? Game Over?

Wer kein ausgesprochener Jarmusch-Fan ist, wird sich bei diesem Film reichlich verschaukelt vorkommen. Und selbst die eingefleischten Liebhaber werden nur schwer Zugang und noch schwerer Gefallen finden. Was sich Jarmusch hierbei gedacht hat, erschließt sich noch weniger als der Sinn dieses Elaborates. Auch wenn Kino in seinem Ursprung Kunstform ist und Kunst nicht der Legitimation bedarf, ist Jarmusch, der sich für Drehbuch und Regie gleichermaßen zu verantworten hat, hier mal richtig einer durchgegangen. Vielleicht hat er sich vorher beim jamaikanischen Eisverkäufer mehr als Schokolade- und Vanilleeis gegönnt. The Limits of Control ist eindeutig nicht von dieser Welt, damit aber trotzdem alles andere als überirdisch gut. Kurzgesagt: die pure Verschwendung von Zeit und Filmmaterial. Wer es knapp zwei Stunden lustvoll im Kino aushält, gehört eindeutig mit Orden behangen.



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