Wenn dieses Jahr ein Film gewaltig rocken wird, dann wohl dieser, denn Richard Curtis' zweite Regiearbeit dreht sich um einen Piratensender auf dem im Grunde der ganze Tag eine einzige Party ist. Dies überträgt sich dank der tollen Atmosphäre und auch aufgrund des perfekt ausgewählten Soundtracks auf den Zuschauer, so dass der Kinosaal ebenfalls zur Partyzone erklärt werden darf. Party on!
Richard Curtis! Obwohl er bislang erst einen Film in Szene setzen durfte, hat sich der Mann in den letzten 20 Jahren einen Namen als einer der wohl besten Drehbuchautoren Englands gemacht. Seine Produktionen stehen für Qualität, ganz gleich ob man nun Anhänger seiner kultigen Serien (unter anderem Blackadder und Bean - Der ultimative Katastrophenfilm) oder seinen überaus unterhaltsamen Filmausflügen ( z. B. Tatsächlich Liebe, Vier Hochzeiten und ein Todesfall, Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück) ist. Daher sind die Erwartungen an Radio Rock Revolution natürlich umso höher, auch weil sich erneut das Who is Who des britischen Kinos ein Stelldichein gibt.
Nachdem Teenager Carl von der Schule geworfen wurde, wird er aus erziehungstechnischen Gründen von seiner Mutter auf den Kutter seines Onkels Quentin geschickt. Ob er dort jedoch eine vernünftige Erziehung geboten bekommt, ist fraglich, denn sein Onkel ist Inhaber des berüchtigten Piratensenders Radio Rock, welcher der britischen Regierung schon seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge ist und deren Minister Dormandy alles daran setzt, ihn auszuschalten. In der Zwischenzeit geniest Carl das Leben in vollen Zügen, wo dieses eine einzige Party zu sein scheint.
Standen bei Richard Curtis bislang immer seine sympathischen Charaktere mit ihren tollen Dialogen im Vordergrund, fragt sich der Fan doch was hier mit ihm durchgegangen ist. Dem Film fehlt jeglicher roter Faden, die Figuren des Filmes sind reinste Karikaturen und... ach, wen juckt das eigentlich, denn Curtis will im Grunde nur eines: Party machen! Dies gelingt ihm ohne Frage, denn obwohl Radio Rock Revolution nicht mal im Ansatz eine Geschichte zu erzählen hat, macht der Film dank seiner herrlich schrägen Charaktere einfach nur unglaublichen Spaß. Und dass sich Curtis erlaubt das Ganze mit einem so ungewöhnlichen und überzeugenden Finale enden zu lassen, zeigt erneut die Qualitäten des Drehbuchautors.
Inszenatorisch gibt es ebenfalls nur wenig zu bemängeln, so gefällt die Retrooptik des Filmes, welche den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute bei Laune hält. Der Regisseur inszeniert seinen Film wie eine einzige Party, so sehen wir den Großteil der 135 Minuten die Bootsmitglieder nur beim Feiern. Wer jetzt meint, dies würde bei einer solchen Laufzeit schnell langweilig werden, der irrt, denn das Ganze wird zudem noch mit einem fantastischen Soundtrack aufgewertet, der diese Stimmung ohne Mühe auf den Zuschauer übertragen kann.
Wenn sich eine solch namhafte Schauspielerriege die Klinke in die Hand drückt, könnte man schnell vermuten, dass zu viele Köche den Brei verderben. Hier jedoch nicht, denn Curtis versteht es, die Last der Akteure relativ gleichberechtigt zu verteilen, so dass keiner in den Schatten gestellt wird und die enorme Spielfreude aller Charaktere das Treiben auf dem Boot noch unterstützen kann. Ob nun die konkurrierenden DJs (ein herrliches Duell von Philip Seymour Hoffman und Rhys Ifans) oder die Regierungsmitglieder (Kenneth Brannagh als aberwitziger Hitlerverschnitt, sowie der wie immer souveräne Jack Davenport): Hier sprüht alles nur so vor Spielfreude und auch der männliche Zuschauer darf sich auf ein paar nette Auftritte von Talulah Riley, Gemma Arterton und January Jones freuen. Was will man mehr?
Auch wenn dieser Film nicht ganz an Richard Curtis Erstlingswerk Tatsächlich Liebe heranreicht, kann man sagen, dass er dennoch Wort gehalten hat, denn der englische Originaltitel The Boat that Rocked könnte treffender kaum sein! So ist Radio Rock Revolution eine Spaßperle, ein echtes Feel-Good-Movie mit spielfreudigen Darstellern, einem unglaublichen Soundtrack und einer liebevollen Inszenierung. Wer im Kino einfach nur Spaß haben möchte und auch mal auf einen roten Faden verzichten kann wird an dieser Komödie kaum vorbei kommen.