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Morgen, Ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film

(Morgen, Ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film, 2008)

Dt.Start: 23. April 2009
DVD: 12. November 2009
Premiere: 14. Oktober 2008 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Komödie
Länge: 91 min Land: Deutschland
Darsteller: Holger Müller (Ausbilder Schmidt), Axel Stein (Rainer Zielinski), Collien Fernandes (Prinzessin Shirin), Bernhard Hoëcker (Adjutant Klein), Ingo Appelt (Jackie), Elton (Blinder 1), Simon Gosejohann (Blinder 2), Hedi Kriegeskotte (Gundula Scheel-Golowski), Fahri Ogün Yardim (Prinz Ravan / Prinz Habib), Rainer Hunold (Oberst Herold), Horst Krause (Opa Schmidt), Heinz W. Krückeberg, Friedrich Schoenfelder, Carolin Kebekus (Reporterin), Hans Meiser (Reporter)
Regie: Mike Eschmann
Drehbuch: Jakob Hilpert, Rudolph Jula, Florian Gärtner


Inhalt

Ausbilder Schmidt hat alle Hände voll zu tun. Eine Horde junger Rekruten lechzt nach seinem Drill. Nur er kann aus diesen Memmen Männer machen. Zunächst aber gilt es, ein paar Terroristen zur Raison zu bringen und ein Prinzenpaar aus Kalluschistan vor einem schlimmen Schicksal zu bewahren. Die Aufgabe, die anfangs wie ein Spaziergang für den zigarrenkauenden Hardliner aussah, wächst sich schnell zu einer internationalen Verschwörung aus. Ausbilder Schmidt muss plötzlich nicht nur die Landesehre hoch halten und das Leben des Prinzenpaars retten, sondern womöglich den Weltfrieden bewahren.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Morgen, Ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 33%
Kurzkritik
von Lutz Granert
Wertung von 9 für Morgen, Ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film

Dass bei der Militärkomödie oft Grobheiten mit Humor verwechselt werden, ist seit Auf Kriegsfuß mit Major Payne nicht neu. Doch Ausbilder Schmidt (Holger Müller) stapelt mit dauerhafter Homophobie und permanentem Sexismus als "Humor" in diesem Flop noch tiefer. Die idiotisch konstruierte Verwechslungsgeschichte um einen persischen Prinzen ergibt keinen Sinn, weswegen man sich schon gar nicht fragt, warum blinde Judo-Kämpfer, militante Opas und - in einem der zahlreichen Gastauftritte - Tine Wittler als singende Hippie-Gitarristin diesen Klamauk bevölkern. Eine ungenießbare, ja regelrecht schmerzhafte Ansammlung von Dummheit, gegen die jeder Film mit Bud Spencer und Terence Hill tiefschürfende Filmkunst mit feinsinnigem Humor ist.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Morgen, Ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film hat eine Wertung von 56%
Er lässt kein Auge trocken und macht aus Memmen Männer. Ausreden gibt es bei ihm ebenso wenig, wie er Weicheier und Drückeberger duldet. Und wenn er richtig loslegt, kommt ihm besser niemand in die Quere. Seit seinem Debüt als Ausbilder Schmidt 2001 bei WDR Nightwash ging es für den Kölner Comedian Holger Müller steil bergauf. Die Figur des Rekrutenschrecks erreichte schnell Kultstatus und eroberte sich eine treue Fangemeinde. Jetzt wagt sich der Ausbilder auf die Kinoleinwand mit einem Abenteuer, das die Anhänger lieben und seine Kritiker wie Hyänen zerreißen werden.

Bild aus Morgen, Ihr Luschen! Der Ausbilder-Schmidt-Film Eine Szene wie aus Apocalypse Now. Nein, besser: Im Trommelfeuer der feindlichen Luftabwehr schlingert abschmierbereit der brennende Hubschrauber über das dichte Grün. Über dem Blätterdach eines imaginären Dschungels tobt das Inferno, der Wahnsinn des Krieges. Und Ausbilder Schmidt (Holger Müller) hat angesichts der aussichtslosen Lage nur ein todesverachtendes Grinsen übrig. Ja, genau hier ist er in seinem Element! Er macht sich bereit zum Absprung, eine schüchterne Stimme hinter ihm fragt: Herr Ausbilder, einen Fallschirm? Schmidts Gesichtszüge verfinstern sich. Was fragt ihn dieses Weichei, dieser Sockenbügler und Bergaufbremser - diese Megalusche? Fallschirm? Schwul oder was!? Und schon geht es hinab, im freien Fall.

Vorneweg und um eines klarzustellen: Unabhängig geschlechtlicher Ausrichtung, also ganz gleich ob hetero-, homo-, metro-, trans-, inter-, oder sonstwie-sexuell: Es ist nicht empfehlenswert aus einem brennenden Kampfhubschrauber ohne funktionstüchtigen Fallschirm zu springen. Das funktioniert nur in Ausbilder-Schmidts-Welt. Der kultige Kasernenhofschreihals hat es tatsächlich von den Kölner Comedybühnen auf die Kinoleinwand geschafft und liefert anderthalb Stunden lachsalvenproduzierende Komik aus dem schlammigsten Schützengraben der Militärklamotte.

Das Leben ist kein Ponyhof und der Wehrdienst nichts für Luschen, würde Ausbilder Schmidt sagen. Der zackige Drill-Instructor, bei dem selbst die hartgesottensten Marines um Gnade winseln, schleift mit Vorliebe junge Rekruten; besonders diese verweichlichte Memme Zielienski (Axel Stein) hat er in sein kaltes Soldatenherz geschlossen. Doch im Augenblick sind alle in der Kaserne in heller Aufregung. Hoher Staatsbesuch kündigt sich an: Aus Kalluschistan befinden sich Prinz Ravan (Fahri Ogün Yardim) und seine Gemahlin Shirin (Collien Fernandes) im Anflug. Nach jahrelangem Bürgerkrieg in ihrem Land soll nun auf neutralem Boden ein Friedensvertrag unterzeichnet werden.

Aus Angst vor Terrorakten hat man die Kaserne dementsprechend in den höchsten Alarmzustand versetzt und zusätzlich ein ganzes KSK-Kommando zur Verstärkung herangezogen. Chef dieser Spezialeinheit ist Brigadegeneral Scheel-Golowski, eine Frau! Die kann man doch unmöglich Ausbilder Schmidt vor die Nase setzen - diese Politesse. Um Komplikationen zu vermeiden und da Schmidt gelegentlich selber die Angewohnheit hat, wie ein Terrorkommando zu wüten, wird er weit draußen mit einem Sonderauftrag betraut. Doch kaum ist der Jet mit dem Herrscherpaar gelandet, schlagen die schwarzmaskierten Terroristen zu: Raffiniert haben sie sich als KSK'ler "getarnt", aber Ausbilder Schmidt ist auf dem Posten. Freund oder Feind - ganz egal - er wird diesen Pfeifen schon den Marsch blasen.

Morgen, ihr Luschen ist die filmische Ode an den einzigen Mann, für den das Wort Folter süße Assoziationen liebevoller Liebkosungen enthält. Ein brikettfressender Kasernenhof-Bullterrier, der unter Strom gesetzt glatt eine Erektion bekommt. Dieser Film ist genau das, was man erwartet: abgeschmackt, unterirdisch und brutal an der Grenze dessen, was ein gesunder Verstand ertragen mag. Wenn Rambo flennend den Schulranzen packt und nach Hause fährt, legt Ausbilder Schmidt erst richtig los. Wer sich hier wissentlich ins Kino begibt, kann sich darauf gefasst machen, ab einem bestimmten Punkt nicht mehr genau zu wissen, ob er noch lacht, weil es witzig ist oder aus Verzweiflung, weil es einfach so sehr an der geistigen Gesundheit zerrt.

Man könnte glatt meinen, dieses (Mach)Werk, welches weit jenseits der Grenzen politischer Korrektheit rangiert, hätte nicht mehr Daseinsberechtigung als ein Schneeball in der Hölle. Obendrein ist der Streifen noch augenscheinlich frauen-, schwulen-, und behindertenfeindlich. Mitunter so sehr, dass es verwundert, Alice Schwarzer nicht mit gezückter Kalaschnikow am Set erblickt zu haben, um Holger Müller alias Ausbilder Schmidt eine bleihaltige Lektion in praktisch gelebtem Feminismus zu verabreichen. Und dennoch, selbst wenn sich der Verstand noch so wehrt und alle Synapsen des guten Geschmacks laut NEIN, AUFHÖREN und GNADE schreien; dieser ultrabekloppte Trip macht Spaß und produziert gute Laune.

Unterschätzt wird sogar, dass der Film möglicherweise Potenzial für eine hintergründige Satire hätte. Die Figur des Kasernenhofschreihalses mit all seinen Marotten und Machoaffekten bietet dafür reichlich Substanz. Leider aber ist das Konzept zu sehr auf eine bestimmte Zielgruppe hin optimiert. Inflationär mitwirkende "Unterhaltungsikonen" wie, Axel Stein, Elton und Simon, sind eigentlich sinnvoll wie Kühlschränke in Alaska, entfalten aber vermutlich eine zusätzliche Sogwirkung an der Kinokasse. Kultige Ausnahme: Ingo Appelt in seiner "wärmsten" Rolle. Hier beweißt das Chauvi-Urgestein der Comedyszene Mut zur Selbstkasteiung.

Vielleicht wird sogar, trotz hirnverbranntem Witz, komatösen Kalauern und zwischen den im Kommandoton gebrüllten Zeilen, die "Genialität" der Satire übersehen. Ausbilder Schmidt enthüllt schamlos die Absurdität des Militärs und zeigt in dieser manischen Persiflage, wie es um die stolzgeschwellte Männerbrust der Uniformträger bestellt ist. Keine leichte Aufgabe. Aber wie würde es Ausbilder Schmidt ausdrücken: Marsch, marsch, ihr Luschen!



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