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Phantomschmerz

(Phantomschmerz, 2009)

Dt.Start: 30. April 2009
DVD: 06. November 2009
Premiere: 30. April 2009 (Deutschland)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 98 min Land: Deutschland
Darsteller: Til Schweiger (Marc), Jana Pallaske (Nika), Stipe Erceg (Alex), Ralf Dittrich (Dr. Speicher), Julia Brendler (Anna), Carina Wiese, Luna Schweiger (Sarah), Yvo Rene Scharf (Dr. Keil)
Regie: Matthias Emcke
Drehbuch: Matthias Emcke


Inhalt

Der Weltenbummler Marc Sommer lebt auf der Sonnenseite des Lebens: Ohne Druck reist er mit seinem Fahrrad durch die Welt und genießt das Leben in vollen Zügen. Seine Tochter Sarah aus einer früheren Beziehung liebt ihn wie er ist, doch seine ewigen Geldsorgen und seine Unzuverlässigkeit belasten die Beziehung der beiden. Eines Tages trifft er Nika und die beiden verlieben sich ineinander. Doch als er kurz darauf bei einem Verkehrsunfall ein Bein verliert, ist Marc plötzlich gezwungen, zwischen Depressionen und Phantomschmerzen ein neues Leben zu beginnen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Phantomschmerz hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 58%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Phantomschmerz hat eine Wertung von 58%
Till Schweiger gibt sich die Ehre im Charakterfach. Der deutsche Superstar, von der Öffentlichkeit gelobt und von der Presse gescholten, scheint eher für Klamauk im Stile von 1 ½ Ritter - Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde prädestiniert zu sein, erntete aber nicht zuletzt Kritikerlob wegen seiner Leistung in der Romanze Keinohrhasen. Mit Phantomschmerz, der Geschichte eines ungewöhnlichen Menschen, der ein schweres Trauma zu verarbeiten hat, begibt sich Schweiger in schwierige Gefilde. Das Resultat wird, trotz brauchbarer Ansätze, die Gemüter wieder mal spalten.

Bild aus Phantomschmerz Melodramstoff und der Mann, der seine Karriere mit Streifen wie Manta, Manta startete und immer noch nicht die Finger von cineastischen Supergaus im Stile von Far Cry lassen kann? Das erscheint auf den ersten Blick wie eine Paarung aus Wasser und Öl. Mit Phantomschmerz wagt sich Schweiger an für ihn ungewöhnlichen Stoff: Die Story beruht auf einem realen Hintergrund und erzählt in Auszügen die tragische Lebensgeschichte Stephen Sumners nach, eines engen Freundes des Regisseurs Matthias Emcke; künstlerische Freiheiten natürlich erlaubt. Eine Chance für Schweiger seinen Kritikern das lose Schmähmaul zu stopfen und unter Beweiß zu stellen, was er auf dem Kasten hat.

Marc (Till Schweiger) ist ein nicht-mehr-schreibender, dafür Geschichten-erzählender Fahrrad-Philosoph, der sich trotz seines regen Geistes und eloquenter Natur nicht zu schade ist, seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs zu bestreiten. Diese Gedankenlosigkeit treibt seine Ex-Frau (Carina Wiese) zur Weißglut. Seit Monaten hat er keinen Unterhalt mehr für die gemeinsame 12-jährige Tochter Sarah (Luna Schweiger) gezahlt. Nicht, dass er sich seiner Verantwortung nicht bewusst wäre, nur irgendwie kommt er mit dieser schlecht zurande. Vielleicht ein Produkt seines Verhältnisses zum eigenen Vater, über den er unfähig ist zu reden; ein Motiv mehr über das der Filmfreund die Stirn runzeln darf, während er sich mit der Hauptfigur "anzufreunden" versucht.

Sarah vergöttert aber ihren Vater. Ihr sind seine finanziellen Verpflichtungen Schnuppe. Das einzige, was sie sich wünscht, ist, dass er seine Versprechen hält, wenn er ihr sein Wort gegeben hat. Aber damit hat Marc ebenfalls seine liebe Not. Er scheint einfach nicht ganz im Hier-und-Jetzt verhaftet zu sein. Ganz Philosophenseele lässt er sich treiben. Und das schließt regelmäßig wechselnde Bettgespielinnen ein. Ein wenig ändert sich das zumindest, als er die attraktive Nika (Jana Pallaske) kennenlernt. Bei ihr scheinen seine Gefühle tiefer zu gehen.

Von dem inneren Wunsch getrieben, vielleicht im Leben irgendwo anzukommen - reine Spekulation, da der von Schweiger verkörperte Charakter bis dahin immer noch keine greifbare Substanz hat - verkauft er seinen heißgeliebten 72er Dodge Charger, einen Oldtimer-PS-Boliden mit sattem 8-Zylinder-Sound, um mit dem Geld die Unterhaltsschulden zu begleichen. Fortan fährt er Motorroller, aber nur solange bis er einen schweren Unfall erleidet: Um sein Leben zu retten, sind die Ärzte gezwungen, ihm sein linkes Bein zu amputieren. Nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wird, muss sich der rastlose Tunichtgut vielen Problemen stellen. Zu allem Überfluss quälen ihn obendrein furchtbare Phantomschmerzen: Schmerzen, die er eigentlich in seinem Bein hatte, als es zerschmettert war, er aber im künstlichen Koma lag und sie nicht empfinden konnte. Doch wie ein Leid bekämpfen, das an einer Stelle auftritt, die es nicht mehr gibt?

Ein wenig könnte man sich als unschuldiger Zuschauer das auch fragen. Besonders die eindringlichen, leidvollen Augenblicke, in denen Schweiger das gequälte Innere seiner Figur zu offenbaren hat, wirken, trotz aller liebgemeinter Mühe, eher grotesk bis unfreiwillig komisch. Vor allem aber ist die Summe der filmischen Mittel unvollkommenes Stückwerk: Schon zu Beginn wirkt alles, als wären die Macher mit aller Macht bemüht gewesen, eine Figur zu erschaffen, die keiner Stereotype entspricht. Verschiedene aber letztendlich ebenfalls stereotype Elemente zu mischen, generiert aber eben nichts Neues.

Ohne wissen zu können, wie nahe die Filmfigur an der realen Vorlage ist, wirkt der Charakter regelrecht wie auf Unstimmigkeit hin getrimmt: Smart und intelligent, aber weder beziehungsfähig, noch in der Lage sein Leben zu organisieren, gelegentlich ein wenig wie ein Tuning-Freak auftretend, aber in Wahrheit Zen-hafter Freigeist und Fahrrad-Philosoph. Ein bisschen des Guten zu viel scheint es schon, und streckenweise wirken eben diese "nach Bedarf" wiederkehrenden Motive wie Krückwerk, welches den Film von innen heraus stützen soll.

Besonders gilt dies für Marcs Phantomschmerzen, die bestenfalls als Metapher für etwas herhalten, das der Charakter schon vor langer Zeit verloren hat, ihm aber erst jetzt schmerzlich bewusst wird. Etwas weniger winken mit dem Zaunpfahl und der subtilere Einsatz schauspielerischer Mittel hätten dem Streifen mehr Intensität verliehen und der Intelligenz des Zuschauers deutlich mehr Rechnung getragen. Es wirkt, als wäre man sich nicht schlüssig gewesen, ob man nun den Verlust eines Beins ins Zentrum rückt - damit eine Geschichte um das Überwinden des körperlichen Traumas erzählt - dann wäre der Radsport das tragende Element gewesen oder sich mit den inneren Dämonen der Figur befasst. Das Ergebnis der Verquickung beider Erzählstränge wirkt unvollkommen und überladen.

Nur in einigen wenigen Szenen, als die Abwärtsspirale in der sich Marc eigentlich schon sein Leben lang befindet, aber immer wieder fliehen konnte, deutlich aus den Bildern ersichtlich wird, packt der Film wirklich mal zu - aber nur kurz. Am Ende könnte die Erkenntnis stehen, dass man einen Film mit reichlich guten Ansätzen gesehen hat, der bittersüß und melancholisch viel besser in den Herbst gepasst hätte. Und bei dem sich Schweiger nach bestem Können müht, zum Charakterdarsteller zu mutieren, aber fraglich bleibt, ob das wirklich eine Weise Entscheidung ist.



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