Ein schnell getakteter, mitreißender Schweizer Minithriller über ein zusammengewürfeltes Trio, das relativ spontan einen Bankraub durchzieht. Einiges geht schief, und schon bald kreisen die Geier über den flüchtenden Bankräubern. Doch nicht die Polizei ist auf der Spur der Möchtegernganoven, sondern das gegenseitige Mißtrauen. Schönes Spielfilmdebut mit geradliniger Handlung, die dennoch einige Überraschungen bietet.
Roger hat keinen Bock mehr. Zumindest wird dies offenbar, als er sich ein Gewehr ins Gesicht hält und abdrückt. Der Knall stört Chris und Lisa, die gerade im Stockwerk darüber ein Schäferstündchen feiern wollen. Als sie Nachschauen kommen, stellen sie fest, dass Roger im letzten Moment den Kopf zur Seite gerissen haben muss und so mit einem blutenden Ohr statt einem geplatzten Schädel davongekommen ist. Einen Selbstmörder lässt man natürlich nicht alleine, und so nehmen die beiden Roger mit in ihre Wohnung.
Für Roger wird schnell klar, dass auch Chris und Lisa so ihre Probleme haben: Nicht nur das generelle Verhalten der beiden, auch die halbfertige Planung eines Bankraubs auf dem Wohnzimmertisch - in Zürich eigentlich nie eine schlechte Idee - macht klar, dass normale Nachbarn anders ticken. Doch da Roger ja keine weiteren Pläne für die nächste Zeit hatte, macht er eben spontan mit bei dem Bankraub. Als dieser ein Todesopfer fordert, von dem das Trio aber erst nach der Flucht auf eine halbwegs abgelegene Berghütte erfährt, wird Roger klar, dass sein neues Leben, keine drei Tage alt, schon echt problematisch geworden ist. Er beschließt, sich abzusetzen. Doch das geht nun ganz klar gegen die Vorstellungen von Chris, der zusammen mit Lisa verhindern will, dass Roger alleine aus dem Schlamassel spaziert, in dem das Trio nun sitzt.
Regisseur Markus Weller suchte sich für sein Spielfilmdebüt drei interessante Schauspieler für seine Hauptrollen aus: Nils Althaus (Roger) war bereits in Tannöd zu sehen und überzeugt hier als zögerlicher, doch grundsätzlich zum Anpacken fähiger junger Mann, der eben noch tot sein wollte. Stipe Erceg, der gekonnt den offenbar dauermanischen Chris spielt, die eigentliche Hauptfigur des Films, geht total in der (gut begründeten) Borderline-Persönlichkeit seiner Figur auf. Und Lena Dörrie, fast zehn Jahre jünger als ihr Filmpartner Stipe Erceg, arbeitet die Mitläufermentalität, aus der sich dann doch noch eine eigene Täterseele schält, nahezu mustergültig aus. Ob sie mit Doris Dörrie verwandt ist, mag zwar vermutet werden, soll hier jedoch keine Rolle spielen.
Die geradlinige und doch verschlungene Handlung des Kammerthrillers, wie man so eine Konstellation wohl nennen muss, führt über verschiedene Spannungsebenen zu immer neuen Überraschungen. Dass man bei einem kleinen Schweizer Spielfilmdebut kein Die Üblichen Verdächtigen erwarten darf, ist klar, doch andererseits könnte so eine relativ kleine Geschichte auch recht leicht in die Hose gehen, was hier eben nicht passiert. Ein Film für den Kinoabend abseits des Mainstream, mit Cast und Crew, die es zu beobachten gilt.