|
Wickie und die Starken Männer segeln wieder. Zu verdanken ist dies keinem anderen als dem Chef-Comedian und Filmemacher Michael Herbig, bekannt als "Bully". Das Klamauk-Genie liefert diesmal aber keine liebevoll-boshafte Parodie ab, sondern inszeniert die Realfilm-Adaption der Trickfilm-Serie als ernstgemeinte Verbeugung vor dem Original. Mit dem TV-Casting für einige der Rollen der starken Männer hatte er bereits vor einiger Zeit begonnen, die Werbetrommel für das Projekt zu rühren. Jetzt heißt es Segel hissen und ab aufs Meer. Gelungener Spaß für die ganze Familie.
Hey, hey, Wickie! Hey, Wickie, hey! Zieh fest das Segel an! Hey, hey, Wickie! Die Wikinger sind hart am Winde dran. Nananana na nananana nana Wickie!, so lauten die ersten Zeilen der Filmmusik (im Original performed von der Gruppe Stowaway) von Wickie und die Starken Männer. Die deutsch-österreichisch-japanischen Anime-Serie, die erstmalig von 1974 bis1975 im ZDF ausgestrahlt wurde, eroberte innerhalb kürzester Zeit die Herzen und avancierte zum Kult. Vorlage zur Serie war die Jugendbuchreihe Vicke Viking, des schwedischen Autors Runer Jonsson, dessen erster Band 1963 veröffentlicht wurde und für die er 1965 den Deutschen Jugendbuchpreis erhielt
Jeder, der als Kind mit der "Droge Wickie" infiziert wurde, fiebert seit damals mit dem kleinen Wikingerjungen mit. Anders als für seine Landsmänner üblich, zeichnet er sich nicht durch körperliche Brachiallogik aus, sondern setzt auf seinen Verstand: Wickie ist gewitzter, cleverer und erfindungsreicher als alle anderen Wikinger; rettet damit seinem Vater Halvar, dem Dorfhäuptling von Flake (Heimatort von Wickie und Co.) und seinen "starken Männern" mehr als einmal die Haut. Auf 78 Folgen mit jeweils 23 Minuten sowie einen 85-minütigen gleichnamigen Trick-Spielfilm brachten es die Abenteuer von Wickie. Damit avancierte die Show in Deutschland zu einer der erfolgreichsten Trickfilm-Serien aller Zeiten. Darüber hinaus gab es Comics und Geschichtenbücher und auch ein Hörspiel, für das kein geringerer als Marius Müller-Westernhagen dem Wikingerjungen die Stimme lieh.
Nach Der Schuh des Manitu und (T)Raumschiff Surprise: Periode 1 nimmt sich nun Persiflagen-Guru Nummer eins, Michael "Bully" Herbig, des Stoffes an und liefert seine persönliche Interpretation der Geschichte. Im Grunde hat sich nicht viel verändert: Die Wikinger fahren aufs Meer hinaus und segeln zu friedlebenden Völkern, um diese um ihre Habseeligkeiten zu erleichtern. Schließlich haben sie nichts anderes gelernt. Halvar (Waldemar Kobus), der Boss der Truppe, grämt sich, dass sein Sohn Wickie (Jonas Hämmerle) sich nicht so entwickelt, wie er sich das wünschen würde. Wickie ist halt anders, erfindet lieber ständig irgendwelche Gerätschaften und läuft vom großen bösen Wolf davon.
Die Angst vor'm Wolf macht ihn nicht froh und im Taifun ist's ebenso, doch Wölfe hin, Taifune her, die Lösung fällt ihm gar nicht schwer. , ja so heißt's. In Flake ist alles wie gehabt; sogar Snorre (Christian A. Koch) und Tjure (Nic Romm) hauen sich bei jeder Gelegenheit die Köpfe ein. Eines Tages aber werden, während alle Erwachsenen nach einer Siegesfeier noch ihren Rausch ausschlafen, alle Kinder von einem unheimlichen Geisterschiff entführt, auch Wikies Freundin Ylvi (Jadea Mercedes Diaz), nur er selber nicht. Er verbrachte die Nacht, aufgrund eines verunglückten Flugexperimentes, auf einem Baum. Halva und seine Mannen machen sich sofort auf, die Entführer zu verfolgen - und Wickie, der eigentlich nicht mitdarf, schleicht sich als blinder Passagier an Bord. Es dauert nicht lange, bis sich herausstellt, wer eigentlich Drahtzieher dieser Entführung ist: kein anderer, als der Erzfeind der Flakebewohner und Schrecken der sieben Meere, der Schreckliche Sven (Günther Kaufmann) und seine Schergen. Diesmal hat der sich einen ganz boshaften Plan ausgedacht, für dessen Umsetzung er die Kinder aus Flake benötigt. Werden Wickie, Halvar und die starken Männer dies zu vereiteln wissen?
Obwohl der Film voll auf der Deja-vu-Schiene fährt, ist Wickie und die Starken Männer nicht einfach eine originalgetreue Umsetzung des Anime-Stoffes. Wenn Bully seine Finger im Spiel hat, wird immer auch sein eigenes Ding draus. Doch Flair, Atmosphäre und Optik stimmen recht gut und die Musik ist eben das, was Wickie seinen besonderen Charme verleiht. Viele der szenischen Highlights wirken dann auch als wären sie unmittelbar aus den Trickfilmepisoden real geworden und hätten sich auf der großen Leinwand manifestiert.
Überhaupt ist es ein recht ansehnlicher Abenteuerfilm geworden, natürlich familienfreundlich und kindgerecht. Das war auch die Vision, die hinter dem Projekt stand. Den Aufwand sieht man dem Film an: ganze Sets wurden in idyllische Landschaften gesetzt und fahrtüchtige Wikinger-Drachenboote gebaut. Die Besetzung ist eine Mischung aus Laien, hierfür gab es sogar Casting-Shows im Fernsehen und gestandenen Schauspielern, wie Günther Kaufmann und Christoph Maria Herbst. Aus 4.000 Bewerbern wurden für die Rollen der starken Männer ganze sechs Leute ausgewählt und Jonas Hämmerle alias Wickie musste sich gegen 600 Mitbewerber durchsetzen.
Am Ende fällt es nicht schwer Wickie und die Starken Männer als gelungene Hommage an das Original und kurzweilig inszenierten Abenteuer-Kinderfilm anzusehen. Ein paar Stellen, werden dem Puristen, der Wickie noch aus seiner Jugend kennt, vielleicht sauer aufstoßen: So hat Bully sich selber in einer kleinen Rolle reingeschrieben. Er wollte alle die nicht enttäuschen, die ihn auf der Straße ansprachen und ihre Enttäuschung darüber äußerten, als er ihnen erklärte, er würde nicht mitspielen. Und Faxe's (Jörg Moukaddam) amouröse Attitüden erinnern ein wenig an Obelix's Schmachteinlagen der schönen Falbala gegenüber; sei's drum: Alles in Allem ist Bully mal wieder eine vergnügliche Adaption gelungen. |