Nach nicht ganz 20 Jahren Abstinenz vom Horrorgenre widmet sich Regisseur Sam Raimi nach der Evil Dead-Reihe und einem Abstecher zur Spider-Man Trilogie wieder einem echten Genrefilm. Mit Drag Me to Hell erzählt er die Geschichte einer vom Fluch besessenen Frau, die mit Exorzismus und viel Hoffnung versucht, das Böse von sich abzuwenden. Dabei gelingt ihm ein solides Comeback ins Horrorgenre, mit genau der richtigen Mischung aus Witz und Grusel.
Christine Brown arbeitet als Sachbearbeiterin in einer Bank in Los Angeles. Mit ihrem Freund Clay führt sie ein glückliches Leben. Ihr Job ist es, über die Kreditwürdigkeit der Kunden zu entscheiden. Im ständigen Konkurrenzkampf mit einem Kollegen um eine Beförderung versucht sie, möglichst jede Risikoentscheidung zu vermeiden. Deshalb lehnt sie auch den Kreditwunsch einer alten Frau ab, was fatale Folgen für sie hat. Die geheimnisvolle Alte belegt Christine mit einem Fluch, der sie binnen drei Tagen in die Hölle führen wird. Einzig im Seher Jas findet sie eine Person, die versucht, ihr Schicksal zum Guten zu wenden.
Kein anderer als Regisseur Sam Raimi zeichnet sich für diesen Horrorfilm verantwortlich. Vor mehr als 27 Jahren legte er mit The Evil Dead den Meilenstein im Horrorgenre. Lange Zeit zeigte sich Raimi bezüglich seines Lieblingsgenres abstinent, wechselte sogar in die Comicecke und brachte die Spider-Man-Trilogie auf die Leinwand. Im Horrorbereich tauchte er lediglich als Produzent über seine Firma Ghosthouse Pictures in Erscheinung und brachte Filme wie The Gift - Die dunkle Gabe oder Boogeyman sowie die Fortsetzungen The Evil Dead 2 und Armee der Finsternis ins Kino. Allesamt recht ordentliche Filme, wovon jedoch insbesondere die Letzteren nur lauen massentauglichen Horror bieten konnten.
Bei Drag Me to Hell sieht das ganz anders aus. Zunächst steht eindeutig der Spaßfaktor im Vordergrund. In humoristischer Hinsicht lehnt sich das Werk an den Humor von Armee der Finsternis an, rutscht dabei aber nie in die alberne Ecke ab und kann dadurch wunderbar unterhalten. Zudem gelingt es dem Drehbuch, zahlreiche Spannungsmomente einzubauen, eine düstere Atmosphäre zu schaffen, und die Ekelszenen gekonnt über die gesamte Filmlänge zu platzieren, so dass ein steter angenehmer Grusel vorhanden ist.
Das Drehbuch zum Film schrieb Raimi gemeinsam mit seinem Bruder Ivan. Beiden gelingt es, den Film schnell in Fahrt kommen zulassen und dem Zuschauer nur wenige Entspannungsmomente zu gönnen. Eine abwechslungsreiche Geschichte ist das Ergebnis, die oben drein noch mit einem guten Darstellerensemble aufwarten kann. Alison Lohman übernimmt den Hauptpart und vermag ihrer Figur das Grauen, welches ihr widerfährt, stets ins Gesicht zu zaubern. Unterstützt wird sie von gut spielenden Nebenrollen um Justin Long als Clay, Lorna Raver als Zigeunerin und Dileep Rao als Jas.
Ungewöhnlich an dem Film sind seine drei finalen Höhepunkte, die dem Zuschauer jeweils kurze Ruhephasen bieten, bevor sich die Handlung abrupt noch einmal komplett ändert und mit einer weiteren Entwicklung aufwarten kann. Über die Effizienz dreier Showdowns mögen sich die Geister scheiden, Fakt ist, dass sie sich in ihrer erzählerischen Kraft stetig steigern und dabei nie vermeidbar erscheinen.
Drag Me to Hell ist ein wunderbar unterhaltsamer, schnell erzählter, spannender Horrorfilm, mit vielen Wendungen, die dem Zuschauer kaum Ruhe gönnen. Dezent eingebaute Situationskomik und einige überzogene Szenen lockern die böse Geschichte auf und erinnern an Armee der Finsternis. Fans des Genres werden weiterhin Tanz der Teufel für den echten Grusel bevorzugen, mit Sam Raimis neuem Werk aber trotzdem sehr zufrieden sein.