Im Zweiten Weltkrieg: Die Spezialtruppe der Bastarde, bestehend aus meist jüdischen Soldaten, soll durch möglichst grausame Exekutionen möglichst vieler feindlicher Soldaten Angst und Schrecken unter den Nazisoldaten Deutschlands verbreiten und so die Truppenmoral zerrütten. Als sich die Möglichkeit bietet, dass sogar der größte Fisch von allen ins Netz geht, wird ein Plan geschmiedet, der den Krieg beenden könnte. Geniale Rachefantasie gegen das Dritte Reich, erzählt wie ein Western, ein Meisterwerk.
Im Zweiten Weltkrieg stellt Leutnant Aldo Raine eine Truppe von Soldaten zusammen, deren einzige Aufgabe es ist, möglichst viele Nazis möglichst grausam zu töten. Sinn dieser Taktik ist neben persönlicher Rache der zumeist jüdisch stämmigen Soldaten das Verbreiten von Angst und Schrecken unter den Deutschen. Daher gibt es auch die stehende Order für jedes Mitglied der Truppe, einhundert Skalps deutscher Soldaten zusammenzubekommen. Ein paar Mitglieder der Truppe zeichneten sich jedoch bereits im Vorfeld durch besonders grausames Verhalten gegenüber deutschen Soldaten aus. So auch der Deutsche Hugo Stieglitz, der nicht wenige seiner eigenen Kameraden tötete und sich damit für die Mitgliedschaft bei den Bastarden mehr als qualifizierte, ohne je von ihnen gehört zu haben.
Während die Bastarde tief im besetzten Frankreich Angst und Schrecken verbreiten, bahnt sich eine einmalige Gelegenheit an, den Krieg ein für allemal zu beenden: Für die Premiere des (fiktiven) Films "Stolz der Nation", der sich um die (im Film) wahre Geschichte des Scharfschützen Zoller dreht, der im Alleingang hunderte von feindlichen Soldaten niedergeschossen hat, wird neben der Führungsriege des Dritten Reiches auch Adolf Hitler höchstpersönlich anreisen. Er will die Truppenmoral durch seine Anwesenheit stärken. Für die Bastarde also eine nicht zu verpassende Gelegenheit, sämtliche Häupter der Hydra ein für allemal abzuschlagen. Doch auch jemand anders kommt auf diese Idee: Die junge Besitzerin des Premierenkinos ist Jüdin, Shosanna leitet das Kino unter falschem Namen. Sie konnte als junges Mädchen dem "Judenjäger" Hans Landa knapp entkommen. Nachdem sie miterleben musste, wie ihre gesamte Familie von Landa und seinen Männern hingerichtet wurde, sinnt sie auf Rache. Die Gelegenheit, sämtliche Nazigrößen in ihrem Kinosaal vereint zu haben, will auch sie nicht verstreichen lassen. So kommt es, dass zwei Anschläge zur selben Zeit am selben Ort geplant werden.
Quentin Tarantino arbeitete eine gute Dekade am Drehbuch für diesen Film. Bereits die Typographie der ersten Titel macht, zusammen mit der Musik, unmissverständlich klar, dass es sich um einen Western handelt und keineswegs um ein Drama oder gar einen Kriegsfilm. Wer sich auf diesen ungewöhnlichen Genresprung einzulassen vermag, erlebt einen fulminanten Ritt durch eine klassische Westerndramaturgie mit Showdown vor der Kulisse des durch die Nazis besetzten Frankreichs.
In einzelnen Kapiteln baut sich die Konfliktsituation auf, lediglich das erste Kapitel ist von den anderen abgespalten und zeigt die Vorgeschichte von Shosanna. Allein dieser eigenständige Vorfilm zeigt, aus welchem Holz Tarantino geschnitzt ist: Dialoge, Dramaturgie, Farbe, Licht, Kamera, Schnitt, Toneffekte und Tonschnitt lehnen sich an die klassischen Western an, jede Einstellung meint man schon irgendwo anders gesehen zu haben. Die Neuinszenierung, die Hommage ist Tarantino jedoch perfekt gelungen. Allen voran schürt dieses Kapitel jedoch den glühenden Hass auf alles Nazi-deutsche, der den Zuschauer auf starken Flügeln durch den restlichen Film trägt.
Die weiteren Kapitel behandeln die Geschichte von Aldo Raines Truppe sowie die Verkettung der Umstände, die zur Folge haben, dass die Premiere des unsäglich patriotischen Propagandadrecks "Stolz der Nation" (herrlich sarkastisch übrigens und ein heftiger Seitenhieb auf Leni Riefenstahl und die gesamte Filmpropaganda dieser Zeiten) ausgerechnet in Shosannas Kino in Anwesenheit des Führers stattfinden wird.
Das Bemerkenswerte an Tarantinos Nazischlächter-Drehbuch ist die Tatsache, dass solch eine Idee eher zu einem zornigen Teenager mit gewaltiger Motivation aber Null Erfahrung passen würde, als zu einem ausgefuchsten Hollywoodregisseur. Dieser Film aus der Hand jedes beliebigen anderen Regisseurs hätte garantiert absolut Schiffbruch erlitten und wäre in die Lächerlichkeit abgerutscht. Nur Tarantino kann es sich, dank seines einmaligen Geschmacks und seiner Stilsicherheit leisten, so einen Film zu inszenieren. Allein der Erzählstil des Westerns mit seinem sich schon ab dem ersten Kapitel abzeichnenden Showdown ermöglicht es, dass dieser Film funktioniert. Dieser dramaturgische Winkelzug der Genre-Transposition erlaubt es dem Filmemacher wie dem Publikum, sich wohlig und ohne schlechtes Gewissen im Blutrausch zu suhlen. Eine emotionale Rechtfertigung von Gewalt, die sonst nur der Horror- und der Zombiefilm ermöglichen.
Ebenfalls lobend zu erwähnen ist das Geschick der Schauspielführung, das Tarantino in die Wiege gelegt sein muss. Sämtliche deutsche Schauspieler, von Til Schweiger über Diane Kruger in kleineren Rollen bis August Diehl, Daniel Brühl und allen voran Christoph Waltz, blühen dermaßen auf, dass man sie kaum wiederzuerkennen glaubt. Während genau diese Leute und ihre hier nicht genannten Kollegen in deutschen Produktionen oft zum Underacting gezwungen scheinen und sich meist auf Gestenarmut in Kombination mit möglichst bedeutungsschwangeren Blicken beschränken müssen, lichtet Tarantino sie in weit besserem Licht, vorteilhafteren Winkeln und beseelten Fahrten ab. Dabei haben die Schauspieler aber offenbar genug Raum und Regieanweisungen erhalten, um das absolut Beste aus einer Szene herauszuholen und dabei stets den Puls des fertigen Films zu spüren. Wie gesagt, man erkennt die Schauspieler praktisch nicht wieder. Etwas Pech hat natürlich Martin Wuttke als Hitler, denn auch er muss sich natürlich an Bruno Ganz' bahnbrechender Meisterleistung in Der Untergang messen lassen. Wuttke trifft den Akzent des Führers meisterlich, doch wirkt er dabei bei weitem nicht so furchteinflößend wie Ganz. Außerdem ist sein Bart ein wenig zu breit. Nichtsdestoweniger nimmt man ihm den Hitler sofort ab.
Auch finden sich nicht wenige nennenswerte Besetzungen im Film: So ist zum Beispiel Rod Taylor (Die Zeitmaschine) als Winston Churchill zu sehen, ihm zur Seite steht in größtmöglicher schauspielerischer Diskrepanz Mike Myers in der gemeinsamen, leicht skurrilen Szene. In der englischen Originalversion kommt man zudem in den Genuss der meisterlichen Jongleur-Akrobatik, mit der Tarantino eine Vielzahl von Sprachen und Akzenten so zu verknüpfen mag, dass auch dem Zuschauer nichts verborgen bleibt, der nur des Englischen mächtig ist. Dennoch wird der Film nicht mit Untertiteln und Erklärungen überladen. Wie Aldo Raine in einer Undercoverrolle mit seinem angeblich fantastischem Italienisch zu punkten versucht, ist allein den Besuch der Originalversion wert. Im Grunde ist der Film gar nicht deutsch zu synchronisieren.
Inglourious Basterds empfiehlt sich natürlich allen Tarantino-Fans, doch werden auch Freunde guter Western sicherlich nicht enttäuscht werden und außerdem eine gewaltige Menge an Referenzen finden. Für Menschen, die gezielt Kriegsfilme bevorzugen und diese auf historische Richtigkeit abklopfen, ist der Film dahingegen nur mit Vorsicht zu genießen. Dennoch wird am schweren Erbe des Dritten Reiches nicht gerüttelt, auch gibt es keinerlei Konflikte, Geschmacksverirrungen und andere Peinlichkeiten wie in anderen Produktionen.