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Avatar - Aufbruch nach Pandora

(Avatar, 2009)

Dt.Start: 17. Dezember 2009
DVD: 22. April 2010
Premiere: 10. Dezember 2009 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Action, Sci-Fi
Länge: 171 min Land: USA
Darsteller: Sam Worthington (Jake Sully), Zoe Saldana (Neytiri), Sigourney Weaver (Dr. Grace Augustine), Lola Herrera (Veronica Walsh), Laz Alonso (Tsu Tey), Wes Studi, Peter Mensah (Akwey), Stephen Lang (Colonel Quaritch)
Regie: James Cameron
Drehbuch: James Cameron


Inhalt

Auf der Suche nach rohstoffreichen Planeten ist die Menschheit auf das üppig blühende "Pandora" gestoßen. Da die Atmosphäre des Planeten allerdings giftig ist, wurde in einem wissenschaftlichen Projekt die DNA von Menschen und Na'vi, den Ureinwohnern von Pandora, gekreuzt. Die daraus entstehenden "Avatare" können vom Menschen mental gesteuert werden. Als der Ex-Marine Jake auf eine Mission nach Pandora geschickt wird, trifft er auf die Na'vi-Frau Neytiri. Fasziniert von der exotischen Schönheit ist er schnell unsicher, auf welche Seite er gehört.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Avatar - Aufbruch nach Pandora hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 77%
Kurzkritik
von Florian Tritsch
Wertung von 69 für Avatar - Aufbruch nach Pandora

James Camerons Motto: Besser gut geklaut als schlecht erdacht, geht im Großen und Ganzen eigentlich recht gut auf, denn die Geschichte von Pocahontas vor der Naturkulisse von Die Drachenjäger - Der Film nachzuspielen, gibt sich durch seine zahlreichen Schauwerte über weite Strecken durchaus unterhaltsam. Leider wiegt der Verzicht auf eine ausgeklügelte und weniger simple Geschichte letztlich aber doch zu stark, um Avatar - Aufbruch nach Pandora zu einem erfüllenden Filmerlebnis zu machen.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Avatar - Aufbruch nach Pandora hat eine Wertung von 84%
15 Jahre ging James Cameron mit der Idee zu einem revolutionierenden Sci-Fi-Projekt schwanger. Nachdem der Meisterregisseur die Mittel seiner Zeit bei The Abyss und Terminator 2 - Tag der Abrechnung ausgereizt hatte, wollte er dieses angehen; doch noch waren fotorealistische Computeranimationen Zukunftsmusik. 2005 war es endlich soweit und die Vision von einer Welt jenseits des Vorstellbaren begann Gestalt anzunehmen. Nach vierjähriger Produktionszeit und Produktionskosten von (inklusive Werbung) annähernd 500 Millionen Dollar gelangt Avatar - Aufbruch nach Pandora nun weltweit in die Kinos; die Erwartungen dürften dementsprechend hoch sein.

Bild aus Avatar - Aufbruch nach Pandora Mitten aus dem unendlichen Nichts erscheint eine blau-grüne Welt, die, von Weiten betrachtet, ein wenig an die gute alte Erde erinnert. Allerdings ist Pandora kein Planet sondern ein Mond, der einen türkisfarbenen Gasriesen umkreist. Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Welten hören auch spätestens bei der Atmosphäre auf: für Erdgeborene ist diese tödlich. Und trotzdem leben dort Menschen - seit 30 Jahren. Unter Pandoras Oberfläche schlummert ein Element, das die Energieprobleme der Erde, deren Ressourcen im Jahre 2154 ausgebeutet sind, für alle Zeiten lösen könnte: Unobtainium. Dafür lohnt sich jede Anstrengung und vor der Entrechtung und Beseitigung der Eingeborenen wird auch nicht zurückgeschreckt. Warum einen Gedanken daran verschwenden, dass ein paar "Primitive", die von Konzernbonzen gerne als "Blaue Affen" tituliert werden, ein Recht auf ihre eigene Welt haben sollten?

Nebst bizarrer Flora und Fauna, die wie eine Mischung aus der explodierenden Vielfalt mutierter irdischer Kreaturen, gekreuzt mit ausgestorbenen Lebensformen, anmutet, wird Pandora von eben diesen blauhäutigen und dreieinhalb Meter großen Humanoiden bevölkert: den Na'vi. Diese leben im Einklang mit der Natur und sind von der Gegenwart des "Himmelsvolks" alles andere als begeistert. Und da sich die Kommunikation zwischen Mensch und Na'vi als sehr schwierig entpuppt, verfällt man auf einen kühnen Plan: Aus Menschen- und Alien-DNA werden Klone produziert; geistlose Hüllen, in die das Bewusstsein eines Menschen transferiert werden kann. Diese Wesen, Avatare genannt, sollen die Na'vi infiltrieren, ihr Vertrauen gewinnen und sie schlussendlich überzeugen ihr Land zu verlassen, damit dort das kostbare Unobtainium gefördert werden kann.

Einen dieser Avatare steuert der querschnittsgelähmte Ex-Marine Jake Sully (Sam Worthington). Eigentlich übernimmt er nur den Posten seines ums Leben gekommenen Zwillingsbruders. Der gehörte zum Wissenschaftsteam auf Pandora, deren Leiterin die resolute Grace Augustine (Sigurney Weaver) ist, die seit 15 Jahren auf dem Planeten lebt. Von Jake ist sie zunächst alles andere als angetan: Einen schießwütigen Cowboy möchte sie nicht in ihrem Team haben, aber er ist der Einzige, der den Avatar seines Zwillings steuern kann. Außerdem gibt es klare Vorgaben von Oben: Die Resource Development Agency, die den Abbau des Unobtainiums überwacht und das ihr unterstehende Militär wollen Jake im Team haben. Der Chef der dort stationierten Marine-Schutztruppe Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) erhofft sich von Jake erstklassige Aufklärungsarbeit, um später, falls es nötig werden sollte, genau zu wissen, wo und wie man den potenziellen Gegner treffen kann. Das Angebot ist für Jake verlockend: Informationen über die Na'vi und im Gegenzug als Entlohnung ein paar neue Beine. Als Jake aber, in der Haut seines Avatars, im Dschungel von Pandora verloren geht und die Eingeborene Neytiri ihm das Leben rettet, ändert sich alles: Jake lernt die Lebensart der Na'vi und den unerschöpflichen Reichtum dieser Welt kennen und gerät in einen Gewissenskonflikt. Als er sich obendrein in Neytiri verliebt, muss er sich entscheiden, auf welcher Seite er kämpfen wird und ob er noch Mensch oder inzwischen Na'vi ist.

Eines muss man dem Film lassen: Er verliert keine Zeit. Kaum losgelegt, befindet man sich schon mitten im Geschehen. Mit einer großartigen Vorgeschichte oder Erklärungen zur Expansion der Menschheit in den Weltraum wird sich nicht aufgehalten. Seinem Fabel fürs Militaristische ist Cameron aber treu geblieben: Ob Der Terminator, Aliens - Die Rückkehr, The Abyss oder jetzt Avatar - Aufbruch nach Pandora, die Elitewaffengattungen der amerikanischen Streitkräfte spielen immer eine wichtige Rolle bei seinen Geschichten. Dabei ist man nicht ganz sicher, ob Cameron sie vorführt oder sich insgeheim vor ihrer Loyalität und Mut ein Kleinwenig auch verbeugt. Auf jeden Fall macht er sich immer die Mühe, charismatische Anführer zu skizzieren: Bei Aliens - Die Rückkehr war es Michael Bien, der einen coolen Marine gab und in The Abyss kehrte er als knallharter Navy Seal zurück. In Avatar - Aufbruch nach Pandora bekommt man einen Colonel präsentiert, der zum Frühstück glatt ein paar ausgebrannte Uranstäbe verspeisen könnte, um am Abend auf dem Klosett ein paar panzerbrechende Geschosse daraus zu fabrizieren.

Doch wirklich tiefe Charakterprofile werden in Avatar - Aufbruch nach Pandora nicht gezeichnet. Im Vordergrund stehen eindeutig das schöpferische Design, die visuellen Qualitäten und die Imaginationskraft dieser Weltschöpfung. Dazu gehören auch die komplette Digitalisierung der Charaktere mittels neuestem Motion-Capture-Verfahren und der Dreh (auch der Realszenen) in einem sehr brillanten 3D-Verfahren, das für enorme Tiefenschärfe sorgt (wobei der Film auch ohne das fraglos visuell beeindruckt). Es ließen sich noch allerlei Superlative zitieren, aber im Prinzip ist es völlig überflüssig: James Cameron hat eine Welt erschaffen; mit einem überkomplexen Ökosystem, einer faszinierenden Lebewelt und intelligenten Bewohnern, die ausgezeichnete moralische Vorbilder abgeben. Sogar an eine ausgearbeitete Sprache, Mythologie und Religion dieser wurde gedacht. Und selbst aus Wissenschaftssicht liefert der Film meist sinnige Erklärungen.

Strenggenommen ist Avatar - Aufbruch nach Pandora im Wesen aber mehr Fantasyfilm oder Märchen für Erwachsene, denn klassisches Science-Fiction-Movie. Es gibt einfach zu viel magische Momente, die nichthinterfragt stehen gelassen werden müssen, als dass die "Science" ernstlich die Oberhand gewinnen könnte. Darin spiegelt sich aber auch gut das tiefere Dilemma zwischen Mensch und Na'vi: Die Menschenwelt ist eine durchtechnisierte, die auf alles Antworten sucht, die der Na'vi eindeutig eine spirituelle, die einer ganzheitlichen Harmonie entgegenstrebt. Mit diesem Aufeinandertreffen erinnert die sozioethnische Dimension sehr an Der mit dem Wolf tanzt. Überdeutlich ist, dass Cameron die Entrechtung und Ermordung der American Natives, der sogenannten Indianer, in seinem Film verarbeitet. Markanterweise liegt die größte Unobtainium-Lagerstätte auch unter der heiligen Wohnstätte der Na'vi - wie einstmals die Goldfunde im Westen Nordamerikas unter den Black Hills lagen, den Bergen die den Lakota heilig sind.

Allerdings wurde in Der mit dem Wolf tanzt aber kein ausschließlich glattes Bild vom "Edlen Wilden" gezeichnet. Durchaus kamen dort die Grausamkeiten, die in jener Welt existierten, zur Sprache. Die Indianer hatten wenig moralische Bedenken Eindringlinge zu eliminieren und führten grausame Kriege untereinander. Pandora ist dagegen makellos: Es gibt keine ernstlichen Konflikte in diesem Garten Eden. Weder im Na'vi-Clan, noch unter den verschiedenen Clans. Und der Raubbau, den die Menschheit in Jahre 2154 beschreibt, ist ökologisch-ethisch fast hinter den heutigen Werten zurück. Es wäre derzeit kaum vorstellbar, dass eine zivilisierte Nation sich derart an einer Minderheit versündigt. Hier wäre es eindeutig sinnvoll gewesen, eingehender das Dilemma der Menschheit in dieser Zukunft zu skizzieren. So wirkt das nicht richtig stimmig. Darüber hinaus entrückt die glatte maßgeschneiderte Perfektion in diesem Paradies einfach zu sehr ins Verklärende und liefert überhaupt zu wenig Reibungspunkte (auch wenn die moralische Botschaft eindeutig ausgearbeitet wurde).

Am Ende produziert das alles eine leichte, doch spürbare Unzufriedenheit und verhilft dem Film eben nicht ganz zu dem erhofften cineastischen Non-Plus-Ultra-Event zu werden. Doch Cameron ist berühmt-berüchtigt für seine Director's Cut Editionen und außerdem wird aus Avatar - Aufbruch nach Pandora wahrscheinlich ohnehin eine Trilogie gestaltet. Da ist durchaus zu erwarten, dass noch einiges nachgeliefert wird. Für Genrefans und solche, die sich gerne in schillernd-magische Welten entführen lassen, ist Avatar - Aufbruch nach Pandora aber trotzdem ein Film, den man unbedingt gesehen haben sollte.



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