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Dirty Harry

(Dirty Harry, 1971)

Dt.Start: 10. März 1972
DVD: 14. September 2000
Premiere: 22. Dezember 1971 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Action, Thriller
Länge: 102 min Land: USA
Darsteller: Clint Eastwood (Insp. Harry Callahan), Harry Guardino (Lt. Al Bressler), Reni Santoni (Insp. Chico Gonzalez), John Vernon (The Mayor), Andrew Robinson (Scorpio Killer), John Larch (The Chief), John Mitchum (Insp. Frank DiGiorgio), Mae Mercer (Mrs. Russell), Lyn Edgington (Norma), Woodrow Parfrey (Mr. Jaffe), Josef Sommer (Dist. Atty. William T. Rothko), William Paterson (Richter Bannerman), Maurice Argent (Sid Kleinman)
Regie: Don Siegel
Drehbuch: Harry Julian Fink, Rita M. Fink


Inhalt

Ein unbekannter Killer tötet vom Dach eines Wolkenkratzers aus ein unschuldiges Mädchen. Der Täter, der sich selbst "Skorpion" nennt, kündigt weitere Morde an und fordert Lösegeld. Der Bürgermeister beauftragt Inspektor Harry Callahan damit, den Killer zu stellen. Callahan, ein zynischer Einzelgänger, ist für seine harten und nicht ganz gesetzeskonformen, wenn auch effektiven, Ermittlungsmethoden bekannt und hat regelmäßig Ärger mit seinen Vorgesetzten.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Dirty Harry hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 89%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Müller
Dirty Harry hat eine Wertung von 89%
Dirty Harry ist kult! Clint Eastwood fasziniert in seiner bekanntesten Rolle als zynischer Misanthrop und kompromissloser, eigensinniger Einzelgängercop. Zum grandiosen Spiel Eastwoods kommt die nahezu perfekte Inszenierung Don Siegels und das Ergebnis ist einer der bekanntesten und besten Cop-Thriller. Auch wenn Dirty Harry moralisch schwierig und politisch streckenweise fragwürdig ist, ist er ein zeitloser Klassiker.

Bild aus Dirty Harry Während Polizisten im realen Leben keine Übermenschen sind, haben sie im Film oft einen derartigen Ruf. So findet man in Hollywoods Filmgeschichte einige wahrlich heldenhafte Gesetzeshüter. So beispielsweise John McClane in den Stirb Langsam Filmen, Mike Lowrey und Marcus Burnett in Bad Boys oder auch eher abgewrackte Existenzen wie den Bad Lieutenant, um nur einige zu nennen und die Freaks von Police Academy auszusparen. Irgendwo dazwischen ist der vielleicht Bekannteste Cop von allen: Dirty Harry.

Die Figur des Dirty Harry stammt mitunter aus der Feder von keinem geringeren als dem umstrittenen John Milius, der beispielsweise auch bei Conan - Der Barbar Regie führte und zusammen mit Oliver Stone (Platoon) das Drehbuch verfasste. Auch das Script zu Apocalypse Now entstammt seinem Hirn. Milius gilt als eine der umstrittensten Figuren der amerikanischen Filmbranche. Einerseits weil er als Waffennarr bekannt ist und auch, und vor allem, weil er für den mehr als umstrittenen und oft als rassistisch bezeichneten und lange Zeit hier zu Lande indizierten Die rote Flut verantwortlich war.

Die Story von Dirty Harry basiert auf dem Fall des Zodiac Killers der in den späten 60ern in San Francisco, dem Drehort, sein Unwesen trieb, dabei wahllos Menschen erschoss und nie gefasst wurde. Direkt mit dem Fall setzte sich David Fyncher, der zuvor schon legendäre Meisterwerke wie Sieben und Fight Club inszenierte, in Zodiac - Die Spur des Killers auseinander. Auch die Figur des Dirty Harry selbst soll auf den damaligen Ermittler in diesem Fall zurückgehen.

Was dem Film neben seinen vermeintlichen rassistischen Äußerungen hauptsächlich vorgeworfen wurde, war die Glorifizierung von Selbstjustiz. Doch blieb es bei Dirty Harry bei der Diskussion, andere Filme gegen die ähnliche Vorwürfe erhoben wurden, landeten in Deutschland recht schnell auf dem Index. So zum Beispiel Der blutige Pfad Gottes, der jedoch auch in Punkto Gewaltdarstellung Harry um einiges überbietet und seine Aussage wesentlich eindeutiger, mit fast infantiler Unbeschwertheit untermauert. Ähnlich erbost waren die Jugendschützer hier zu Lande über eines der Vorbilder von Der blutige Pfad Gottes, Ein Mann sieht rot der 1974, also drei Jahre nach Dirty Harry, mit Charles Bronsen in der Hauptrolle erschien. Auch dieser Klassiker ist noch immer indiziert. Doch auch heute ist das Thema Selbstjustiz noch aktuell. So war es zuletzt Liam Neeson, der im Kinoerfolg 96 Hours nur auf seine eigenen Fähigkeiten vertraute und zur Rettung seiner Tochter auch in Kauf nahm, Unschuldige zu verwunden. Von einer Indizierung war jedoch nie die Rede. Dirty Harry betreffend wollte Clint Eastwood nichts von den Vorwürfen der Verherrlichung von Selbstjustiz wissen und so sollte Dirty Harry II - Callahan 1973 Klarheit schaffen - hier geht Harry Callahan gegen Lynchjustiz praktizierende Polizisten vor.

Das Denken und Handeln Harrys entspringt in gewisser Hinsicht dem Zeitgeist der in den USA von politischen Skandalen und dem Vietnamkrieg geprägten 70er Jahre. So äußert sich auch Siegels Film oft mehr oder weniger offensichtlich politisch und auch Harry selbst, der eigene Ansichten von Recht und Gesetz vertritt, empört sich immer wieder über die Politik seines Landes die, um die Rechte der Bürger gegenüber der Polizei zu stärken, offensichtliche Mörder davon kommen lässt, weil beispielsweise eindeutige Beweise unrechtmäßig besorgt wurden. Harry vertritt in dieser Hinsicht die alten Werte, ist definitiv eher konservativ und eckte so auch seinerzeit mit liberalen Filmfreunden heftig an.

Trotz der kritischen Stimmen wurde Dirty Harry zum weltweiten Hit und war einer der erfolgreichsten Filme der 70er Jahre. Außerdem bedeutete er für Clint Eastwood, nachdem er besonders durch seine Westernrollen bekannt wurde, den endgültigen Durchbruch und den Aufstieg zum Weltstar. Eastwood ist Harry Callahan, "Dirty Harry", daran zweifelt man als Zuschauer keine Sekunde. Einen besseren Darsteller hätte man kaum finden können, dabei war er nicht einmal der Erste, an den bei der Besetzung gedacht wurde. Vorher war unter anderem Musiklegende Frank Sinatra (Botschafter der Angst) im Gespräch, der jedoch wegen einer Handverletzung ausschied. Weitere potentielle Kandidaten waren Steve McQueen (The Getaway), Paul Newman (Road to Perdition) und John Wayne (El Dorado).

Unabhängig von allen Diskussionen ist Dirty Harry ein wirklich guter Film. Auch wenn das Blut etwas künstlich aussieht und die Action heute keinen Actionfan mehr vom Hocker reist, ist er nicht nur spannend, sondern auch wahnsinnig stylish, wozu neben der perfekten Kamera natürlich auch die frische Musik beiträgt. Dies in Kombination mit einem abgeklärten, unterkühlten aber endlos charismatischen Clint Eastwood machen diesen Cop-Thriller zu einem der coolsten Filme aller Zeiten.

Siegels Kultfilm folgten noch vier weitere mit dem eigensinnigen Cop in der Hauptrolle. Jeder der Filme wurde von einem anderen Regisseur umgesetzt, Siegels Version sollte jedoch der beste Dirty Harry bleiben.



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